In Österreich sind laut einer Dunkelziffer-Studie vom Freitag deutlich mehr Menschen mit dem Coronavirus infiziert als die offizielle Statistik ausweist.
Im Vergleich zu den Anfang April offiziell als infiziert ausgewiesenen rund 8.500 Menschen seien tatsächlich wohl etwa 28.500 Personen betroffen gewesen, teilte das Meinungsforschungsinstitut Sora mit. Das entspreche 0,33 Prozent der Bevölkerung. Die Schwankungsbreite sei allerdings erheblich: Es sei von einer Spanne zwischen 10.200 und 67.400 Infizierten auszugehen.
„Der Berg ist höher als gedacht und wir sind definitiv noch nicht auf der sicheren Seite“, kommentierte Forschungsminister Heinz Faßmann die Studienergebnisse.
Die hochgerechnete Infektionsrate weise auf einen noch niedrigen Immunisierungsstatus in der Bevölkerung hin. Wenn es nicht gelinge, Neuinfektionen zu verhindern, drohe schnell wieder ein exponentielles Wachstum bei den Fallzahlen, so der Minister.
Für die Studie ließ das Meinungsforschungsinstitut Sora rund 1.500 Menschen auf das Virus testen. Es handle sich um einen Mosaikstein bei der Erforschung der Lungenkrankheit Covid-19, sagte Sora-Experte Christoph Hofinger.
Wien sieht deutliche Erfolge bei Corona-Bekämpfung
Seit rund einer Woche liege die Zahl der Neuinfizierten kontinuierlich unter der Zahl der Neugenesenen, sagte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) am Freitag. Außerdem betrage die Dauer der Verdoppelung der Zahl der Infizierten inzwischen 29 Tage.
„Es ist ein großer Erfolg, aber wir sind noch lange, lange nicht am Ziel“, sagte Anschober.
In Österreichs Kliniken gibt es den Angaben zufolge über den aktuellen Bedarf hinaus noch rund 20.000 Betten für Corona-Patienten auf Normalstationen und 1.000 Betten auf Intensivstationen. Zur Zeit sind etwa 800 Patienten auf Normalstationen. 260 benötigen intensive medizinische Betreuung. Insgesamt sind in der Alpenrepublik zur Zeit etwa 7.000 Menschen mit Sars-CoV-2 infiziert.
Das Land will als eines der ersten in Europa am kommenden Dienstag mit der schrittweisen Öffnung der Geschäfte beginnen. Diese Etappe werde noch schwieriger als die bisherige, meinte Anschober.

DPA