Duran Kalkan, einer der PKK-Führer. Source: internethaber.com

Frauen werden von Terrororganisationen zumeist als Reinigungskräfte, Saboteure, Kuriere, Kochkräfte, Lehrkräfte oder gar als Selbstmordattentäter eingesetzt. Darüber hinaus wird ihre Weiblichkeit für Lockvögel-Einsätze missbraucht. Offensichtlich ist auch, dass Frauen innerhalb der PKK/YPG sexuell ausgebeutet werden, um männliche Terroristen bei Laune zu halten.

Die Stellung weiblicher Terroristen innerhalb der PKK

Glaubte man noch bis zu den 1990er Jahren innerhalb der PKK, Frauen würden die Kampfkraft der Organisation verringern und die Degeneration der Männer befördern, so änderte man ab den 1990er Jahren das Narrativ und sprach nunmehr von zu befreienden Frauen und „Göttinnen“. Insbesondere die von der Organisation propagierte „Befreiung“ im Osten und Südosten Anatoliens beschleunigte den Zustrom von Frauen. Bekannt ist, dass die in Form von „freie Frauen, freies Kurdistan“ betriebene Propaganda den Ansatz einer Frauenauslese vorantreiben sollte. So äußert sich im Buch von Necati Alkan „Symbole der PKK, Akteure, Frauen“ eine Melis genannte Frau in einem Interview wie folgt: „(…) In dem Augenblick, stellen Sie sich vor, sind Frauen bewaffnet in den Bergen und töten. In der Zeit wurde diese Propaganda oft gemacht. Und sie hat die Frauen in die Berge getrieben. Die Frauen haben dieser Propaganda geglaubt oder wurden dazu gebracht, sie zu glauben.“ Mit diesen Aussagen unterstreicht die Autorin, dass es zwischen dem Anspruch von starken, führenden Frauen und der realen Führungsstruktur in der Organisation Widersprüche gab. Nicht nur, dass die Frauen in der Organisation mit den Männern nicht gleichberechtigt waren, sondern es gab auch in den Reihen der Frauen selbst keine Gleichheit. So konnten selbst untalentierte, aber hübsche Frauen ihren Platz im Führungskader der Organisation einnehmen, wenn sie Loblieder auf Öcalan anstimmten. Dies sagte beispielsweise eine Terroristin mit dem Codenamen Hevi bei ihrer Vernehmung. Demnach besaßen Frauen im Führungsstab der Organisation Artikel für die tägliche Pflege, verfügten jederzeit über heißes Wasser und durften persönliche Leibwächter haben, wohingegen anderen diese Privilegien vorenthalten und sie als Sklavinnen missbraucht wurden.

In Necdet Buldans Buch „Frau zu sein in der PKK“ äußert sich eine Pelin genannte Frau in einem Interview wie folgt: „Öcalan mochte keine hässlichen Frauen. Er war ein Mensch, der dem äußeren Erscheinungsbild und dem Aussehen einen hohen Stellenwert beimaß. (…) Schönen Abiturientinnen und Akademikerinnen, die auf seine Komplimente ansprangen. Im Vordergrund stand die Schönheit, und das passte irgendwie nicht zum Führer. Oder warum glaubt ihr, weshalb in den Intensivierungshäusern (Häuser in Syrien, in denen Öcalan ausgewählte Frauen ausbildete) immer nur hübsche Frauen untergebracht wurden? Es gibt gemeinsame Fotos, auch Fotos, die am Pool aufgenommen wurden. Während wir in den Bergen verhungerten, lebten sie in Palästen.“

Diese Aussagen verdeutlichen, dass in den Führungsgremien der PKK die Schönheit der Frauen ein wichtiges Auswahlkriterium darstellte und die anderen Frauen wie Sklavinnen gehalten wurden, was unterstreicht, dass es auch in den Reihen der Frauen selbst keine Gleichbehandlung gab.

Die sexuelle Ausbeutung der Frauen

Obgleich sich Frauen – der propagierten gleichberechtigten Struktur Glauben schenkend – der Organisation anschlossen, stellte sich heraus, dass das Gegenteil der Fall war und sich ihr Status mit der Versklavung im Vergleich zu ihrem vorherigen Leben sogar verschlechterte. So zeigen Berichte und Vernehmungsprotokolle von inhaftierten Terroristinnen, dass 90 % der Frauen, die sich der PKK angeschlossen hatten, im Terrorlager Kandil vergewaltigt wurden. Ausgesagt wurde auch, dass Frauen in der Organisation wie Sex-Sklavinnen gehalten wurden und Männer bei Vergewaltigungen keine Konsequenzen fürchten mussten.

Ähnlich berichtet in dem Buch „Symbole bei der PKK, Akteure, Frauen“ eine Ejin genannte Terroristen von der Doppelmoral bei sexuellen Beziehungen innerhalb der Organisation. Sie schreibt, dass für Öcalan, Karayilan, Kalkan und Bahoz sexuelle Beziehungen erlaubt, aber insbesondere für Frauen selbige verboten waren. Berichtet wird auch, wie Vergewaltigungsopfer die ihr Leid anzeigten, isoliert oder sogar hingerichtet wurden, versuchten aus der Organisation zu fliehen oder Selbstmord begingen. Aussagen aus Geständnissen zeigen, das Öcalan selbst, der immer darum warb, nicht an das „andere“ Geschlecht betrachtet zu werden, in den Intensivierungshäusern Frauen vergewaltigte. Auch wird aufgezeigt, wie sich die Hierarchie in den Reihen der Frauen im Kontext der sexuellen Ausbeutung ausbildete und Frauen dementsprechend ihren Rang zugewiesen bekamen. Nicht nur Öcalan, sondern der gesamte Führungskader sah es als sein Recht an, die teils als Lockvogel für männliche Terroristen missbrauchten Frauen zu vergewaltigen. Entsprechend wurde beispielsweise in Afrin eine Leyla genannte Terroristin im Haus eines Funktionärs zwei Tage lang unter Drogen gesetzt und von mehreren Männern vergewaltigt. Als Begründung sagte man ihr: „Als Belohnung für ihre Ausbildung“.

Die Wahrnehmung von weiblichen Terroristen der PKK/YPG im Westen

Zwischen der von der PKK/YPG propagierten Einstellung gegenüber Frauen und ihrem tatsächlichen Stellenwert in der Organisation sieht man gewaltige Widersprüche. Allerdings ist man in der westlichen Politik und den Medien gegenüber den schockierenden Übergriffen auf diese Frauen quasi blind. Ganz im Gegenteil versucht man sogar, den Ableger der PKK in Syrien, die YPG, zum Vorreiter einer feministischen Revolution zu stilisieren. So wurde 2017 in einer auf VICE News veröffentlichten Nachricht mit der Schlagzeile: „Die feministische Revolution, die die Welt bezeugt“ mit feministischen Argumenten versucht, die Terroraktivitäten der YPG zu legitimieren. In einem von der französischen Nachrichtenagentur afp 2017 veröffentlichten Artikel wurden Frauen zu Freiheitskämpfern stilisiert, denen man für ihren Kampf gegen die ISIS zu Dank verpflichtet wäre. Des Weiteren wurden selbst im Mode- und Schönheitsmagazin Marie Claire Reportagen und Interviews mit Frauen aus den Reihen der PKK/YPG veröffentlicht. In den Artikeln wird betont, dass sich die weiblichen Terroristen für eine gleichberechtigte Ordnung einsetzen würden und folglich die YPJ als feministische Struktur anzusehen sei. Neben zahllosen Nachrichten mit ähnlichem Inhalt wurde jüngst bekannt, dass das von Gayle Tzemah Lemmon verfasste Buch „Die Mädchen von Kobane“ von Hillary Clintons Produktionsfirma in Form einer Serie auf den Bildschirm gebracht werden soll.

Zusammenfassend ist zu konstatieren, dass Frauen, die sich – der Freiheitspropaganda Glauben schenkend – der Organisation angeschlossen haben, innerhalb dieser nur als Menschen zweiter Klasse angesehen und zu Opfern von Ausgrenzung, Übergriffen und auch Bestrafungen werden. Insbesondere sehen es die Männer als ihr Recht an, damit sie überhaupt in der Organisation bleiben, Frauen als „Objekt“ sexuell ausbeuten zu dürfen. Allerdings ist die Wahrnehmung im Westen über die Frauen in der PKK/YPG weit von der Realität entfernt. Denn obwohl die PKK in allen westlichen Staaten als Terrororganisation eingestuft wird, ist dies bei der YPG nicht der Fall, und man ist blind gegenüber der Gewalt, sexuellen Ausbeutung und Unterdrückung, die Frauen in ihren Reihen erdulden müssen. Ganz im Gegenteil schreibt man ihnen zu, nicht nur die ISIS zu bekämpfen, sondern als „Kriegerinnen einer feministischen Revolution“ die Gleichberechtigung der Geschlechter durchzusetzen. So versucht man mit den Schlagworten „Feminismus“ und „Gleichheit“ das Image der YPG aufzupolieren und gleichzeitig mit einer Politik gezielter Fehlinformationen die Legitimität der türkischen Terrorabwehraktivitäten in Frage zu stellen. Es bleibt aber offensichtlich, dass man mit diesen Imagekampagnen versucht, die schweren Menschenrechtsverletzungen der Terrororganisation sowohl bei den eigenen Kämpfern als auch gegenüber der Zivilbevölkerung zu vertuschen.

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