(Reuters)

Kohle, vormals eine der weltweit bedeutendsten Ressourcen, wurde nach der Erfindung des Verbrennungsmotors durch das Erdöl ersetzt. Aufgrund der durch diese Kraftstoffe verursachten täglich zunehmenden Belastung der Umwelt und während sie trotz allem den globalen Transport antreiben, ist die Menschheit auf der Suche nach neuen Ressourcen. Als Folge dieser Suche nimmt die Bedeutung von Lithium aufgrund der immer breiter gefächerten Verwendung von Batterien als Antriebskraft zu. Lithium ist heute Hauptbestandteil der Batterien vieler Geräte wie Mobiltelefone, autonome Roboter oder Elektrofahrzeuge.

Warum ist Lithium für Batterien so wichtig?

Zweifellos ist geringes Gewicht ein wichtiges Kriterium für die höchstmögliche Effizienz von Batterien. Und Lithium ist das leichteste Metall im Periodensystem. Darüber hinaus erklärt die Tatsache, dass Lithium ein sehr guter Strom- und Wärmeleiter ist, weshalb Batterien hauptsächlich aus Lithiummetallen bestehen.

Gegenwärtig macht der Lithiumbedarf für die Batterieherstellung etwa 71 Prozent des weltweiten Bedarfs aus. Dabei haben die in den letzten Jahren unternommenen Anstrengungen von Staaten, zur Eindämmung der durch fossile Brennstoffe verursachten Umweltschäden nach Alternativen zu suchen, die Bedeutung von Lithium signifikant erhöht. Beschleunigt hat sich die Steigerung dieses Marktanteils mit der Einigung der Vertragsparteien auf der 21. Konferenz im Rahmen der Klimacharta der Vereinten Nationen, die am 12. Dezember 2015 in Paris stattfand. In diesem Abkommen konstatieren die Teilnehmerstaaten, dass die Auswirkungen der Umweltverschmutzungen das Klima schädigen und der Kampf dagegen ein gemeinsames Anliegen der gesamten Menschheit darstellt. Dementsprechend ist es das erklärte Ziel, die Treibhausemissionen und deren negative Auswirkungen schrittweise zu minimieren. Um dies zu erreichen, sollen Produkte und Dienstleistungen nach und nach so angepasst werden, dass die Umweltbelastung reduziert werden kann. In diesem Zusammenhang wird auch der Wechsel zur Produktion von Elektrofahrzeugen zügig vorangetrieben, um den Einsatz von fossilen Brennstoffen zu reduzieren.

Neben Elektrofahrzeugen werden heute Batterien/Akkus überwiegend bei Mobiltelefonen, Robotern, Laptops usw. verwendet, was wiederum zeigt, wie stark die Nachfrage in den letzten Jahren gestiegen ist und wie hoch sie in Zukunft sein wird. Laut einer Analyse von Wood Mackenize wird die Produktion von Elektrofahrzeugen bis zum Jahr 2040 auf bis zu 45 Millionen pro Jahr anwachsen. Eine solche Zahl indiziert, dass die Nachfrage nach Lithiummetall unweigerlich exponentiell steigen wird.

Tesla, weltweit führend auf dem Elektrofahrzeugmarkt und einer der wertvollsten Fahrzeughersteller überhaupt, hat sich aufgrund des Anstiegs seiner Verkäufe in Europa dazu entschieden, die erste Fabrik in Europa in Berlin zu eröffnen. Dabei spielte die exponierte Stellung Deutschlands im weltweiten Automobil-Ökosystem eine maßgebliche Rolle bei dieser Standortentscheidung. In der von Tesla hochgezogenen Fabrik sollen jährlich 500.000 Elektrofahrzeuge vom Band rollen. Darüber hinaus plant der deutsche Automobilriese Volkswagen, seines Zeichens größter Fahrzeughersteller der Welt, in den nächsten 5 Jahren 73 Milliarden Euro in die Entwicklung von Elektrofahrzeugen zu investieren, um seinen Marktanteil zu sichern.

VW hat angekündigt, mit den Investitionen bis 2025 jährlich 1,5 Millionen Elektrofahrzeuge produzieren zu wollen. Die Türkei ihrerseits machte ebenso einen großen Sprung nach vorne und lancierte ihr heimisches Elektroauto TOGG, mit dem Ziel, einen Platz auf dem Elektrofahrzeugmarkt zu erobern und eine globale Automobilmarke zu schaffen. Mit einem Investitionsvolumen von 22 Milliarden Türkische Lira soll das erste Fahrzeug von TOGG im Jahr 2022 verkauft werden. In Gemlik haben die Bauarbeiten für die erste Fabrik mit einer avisierten Produktion von 175.000 Einheiten pro Jahr bereits begonnen. Viele Länder bringen sich bei ihren Bemühungen, ihre Verpflichtungen aus dem Pariser Abkommen zu erfüllen, auf diesem Markt in Stellung, der in Zukunft eine immer gewichtigere Stellung einnehmen soll.

Länder wie Island, Großbritannien, Schweden, Irland, die Niederlande und Dänemark haben angekündigt, ab 2030 den Verkauf von Fahrzeugen mit fossilen Brennstoffen zu verbieten, um den Verbrauch fossiler Brennstoffe zu reduzieren und Umweltschäden zu minimieren. Norwegen hingegen hat beschlossen, den Verkauf von Fahrzeugen, die mit fossilen Brennstoffen betrieben werden, bereits im Jahr 2025 zu verbieten, also noch früher als diese Länder. Darüber hinaus hat China Förderprogramme für Fahrzeuge aufgelegt, um den Markt für Elektrofahrzeuge zu stärken. China plante, den Markt mit diesen Anreizen zu erweitern, und wollte dieses Programm ursprünglich Ende 2020 einstellen, um den Weg für andere Projekte zu ebnen und deren Qualität zu steigern. Anstatt aber dieses Förderprogramm der unter der Pandemie leidenden Automobilindustrie zu streichen, wurde selbiges, wenn auch in gekürzter Form, bis Ende 2022 verlängert.

Lithiumkriege

Wir erinnern uns an den Golfkrieg ums Erdöl, das in der jüngeren Vergangenheit, aber auch heute noch von großer strategischer Bedeutung war und ist. Vergessen wir außerdem nicht die Ölkrise von 1973 mit dem Embargo der ölexportierenden Länder und der dadurch verursachten schweren Weltwirtschaftskrise. Öl, das auch als diplomatische Waffe zwischen den Staaten eingesetzt wird, ist ein Vorbote dafür, wie vehement in Zukunft um Lithium gekämpft werden wird.

Die Bedeutung von Ländern mit Lithiumreserven hat bereits deutlich zugenommen. Es wird geschätzt, dass sich in Südamerika, hier insbesondere in Bolivien, Chile und Argentinien, etwa 60 Prozent der weltweiten Lithiumreserven befinden. Haben bisher chinesische und amerikanische Unternehmen diesen Markt dominiert, mischen nun auch Unternehmen aus Australien mit, einem ebenfalls ressourcenreichen Land. Darüber hinaus investieren auch bedeutende Ölkonzerne wie BP, Royal Dutch Shell und Woodside Petroleum in Lithiumprojekte. Chinesische Unternehmen wie Jiangx Ganfeng Lithium und Tianqi Lithium fördern mehr als 50 Prozent der weltweiten Lithiumvorkommen, während chinesische Unternehmen dank ihrer Investitionen zugleich auch weltweit größte Lithiumabnehmer sind. Eine von Deloitte veröffentlichte Prognose geht davon aus, dass China bis 2030 49 Prozent des weltweiten Bedarfs an Elektrofahrzeugen decken wird. Den Analysen und Berichten zufolge ist es sehr wahrscheinlich, dass der Markt für Lithium, der als Kraftstoff der Zukunft gilt, in naher Zukunft unter chinesische Kontrolle gerät.

Deutschlands Bemühungen um Lithiumressourcen

Deutschland, das seine Bemühungen intensiviert, sich in Zukunft einen wichtigen Platz auf dem Elektrofahrzeugmarkt zu sichern, hatte in Bolivien, dem Land mit den weltweit größten Lithiumreserven, mittels der Firma ACI Systems eine Vereinbarung für eine Lizenz zur Förderung der in der Region Salar de Uyuni im Südwesten von Uyuni gelegenen Lithiumressourcen getroffen.

Die bolivianische Regierung erklärte unter dem Eindruck lautstarker Proteste jedoch später, die Lithiumreserven gehörten dem bolivianischen Volk, und kündigte die Vereinbarung mit dem deutschen Unternehmen ACI Systems auf. Während über diese für den deutschen Automobilmarkt sehr wichtigen Reserven noch verhandelt wird, ist ein Ergebnis noch nicht abzusehen. Deutschland seinerseits verlautbarte die Entdeckung erheblicher Reserven im Thermalwasser unter dem Rhein. Zwar ist die genaue Menge noch unklar, doch halten Geologen diesen Fund für einen der derzeit größten.

Die Reserve wird als groß genug eingeschätzt, um den Lithiumbedarf von etwa 400 Millionen Elektrofahrzeugen zu decken. Die Effizienz von Lithium, das aus Thermalwasser gewonnen werden soll, ist jedoch noch nicht eindeutig geklärt. Das deutsche Energieversorgungsunternehmen EnBW gab an, Teststudien initiiert und ein Pilotprojekt begonnen zu haben. Basierend auf den Daten dieser Studie, wird die EnBW eine endgültige Entscheidung über die Rentabilität des Projekts bis 2024 treffen. Auf der anderen Seite plant Vulcan Energy Resources, eine deutsch-australische Partnerschaft, 1,7 Milliarden Euro zu investieren, um ebenfalls das entdeckte Lithium zu fördern und nutzbar zu machen.

Mit der Energiewende für eine saubere Umwelt erhöhen alle genannten Länder, welche die zukünftige strategische Überlegenheit nicht dem jeweils anderen überlassen wollen, ihre Investitionen in Forschung und Entwicklung. Die Ergebnisse dieser Auseinandersetzung und ihre Auswirkungen auf die bereits anhaltenden Handelskriege werden sich in den kommenden Jahren zeigen.

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