Das Restaurant Unterhammer im Schwarzwald ist nur eines von Tausenden Unternehmen, die während der Covid-19-Pandemie schwierige Zeiten durchmachen. Aber das Restaurant war in der Lage, diese schwierigen Zeiten dank einer innovativen Methode finanziell zu überbrücken, auch wenn sie nur einen geringen Teil ausmachte.

Das Restaurant Unterhammer ist seit 20 Jahren ein beliebter Ort für Dinner-Events, Waldspaziergänge, Hochzeiten, Geburtstage und Wochenendfrühstücke. Aufgrund der Covid-19-Pandemie brach das Ganze jedoch in wenigen Monaten zusammen – ein Alptraum.

Das Unternehmen beschloss, sich mit der Crowdfunding-Methode die Unterstützung der Bürger zu sichern und bot im Gegenzug Unterstützern Belohnungen an.

Innovative Finanzierungsmethode gegen Covid-19: Crowdfunding

Diese Kampagne war eine Sonderkampagne für die deutsche Lebensmittel- und Getränkeindustrie, die wegen der Covid-19-Pandemie gestrandet war. Getränkemarken, Kommunalverwaltungen, Gewerkschaften und Gewerkschaftsverbände schlossen sich zu einem Spezialfonds zusammen. Dieser Fonds in Höhe von 250.000 Euro sollte im Rahmen der Co-Finanzierungsmethode an Unternehmen verteilt werden, die sich in Schwierigkeiten befanden. Dies bedeutete, dass der betreffende Fonds jede 100 Euro, die von Bürgern bereitgestellt wurden, um 25 Euro aufstocken würde.

Das Restaurant Unterhammer hatte keine Schwierigkeiten, 10.000 Euro zu sammeln. Seine Kunden können die von ihnen käuflich erworbenen Produkte in Anspruch nehmen, sobald sich das Leben wieder normalisiert hat.

Was bot das Restaurant seinen Unterstützern an? Werfen wir einen kurzen Blick darauf.

8 Euro: ein Stück Kuchen

10 Euro: Glas mit dem Unterhammer-Logo

10 Euro: 1 spezielle Kaffeeseife (aus Eigeninitiative von einem der Stammgäste des Restaurants hergestellt)

15 Euro: 3 handgefertigte Weihnachtskarten

60 Euro: Pfirsich-Maracuja Torte

125 Euro: Kuchenbackkurs (man kann den selbstgebackenen Kuchen mitnehmen)

Auf diese Weise kam eine zusätzliche Unterstützung von 2500 Euro aus dem Fonds zustande, da das Unternehmen ein Ziel von 10.000 Euro festlegte und die notwendige Unterstützung von den Bürgern erhielt. Letztendlich waren die in diesen schwierigen Zeiten erzielten 12.500 Euro für viele Unternehmen wie ein Heilmittel. Mit Blick auf die einzelnen bedürftigen Unternehmen war der geschaffene Fonds sehr klein, doch mit der öffentlichen Unterstützung durch diese kreative Formel stieg die Unterstützung insgesamt von 250.000 Euro auf 2,5 Millionen Euro, und Hunderte von Unternehmen wurden von den Bürgern unterstützt.

Neue Art gegenseitiger Hilfe

Diese neue Methode, bei der sich Menschen gegenseitig finanziell helfen, wird als Crowdfunding bezeichnet.

Das deutsche Unternehmen Startnext, das auch die erwähnte Kampagne durchführte, ist eine der bekanntesten Crowdfunding-Plattformen Europas. Seit seiner Gründung 2010 hat das Unternehmen 11.000 Projekte erfolgreich finanziert, in einem breiten Spektrum von Wissenschaft bis Kunst, von sozialen Projekten bis zu technologischen Initiativen. Alle Projekte wurden mittels vieler kleiner Beiträge von Bürgern realisiert.

Bis 2020 wurden 103 Millionen Euro gesammelt. Die Anzahl derer, die Projekte auf der Startnext-Plattform unterstützen, stieg auf knapp 1,65 Millionen. Unterstützer der Projekte erhielten ihrerseits unterschiedliche Belohnungen für ihr Engagement.

Crowdfunding wird, kurz gesagt, als Bereitstellung der finanziellen Ressourcen bezeichnet, die für ein Produkt, eine Dienstleistung oder ein Projekt von Einzelpersonen/Gruppen benötigt werden.

Menschen, die Ideen haben, aber nicht über genügend finanzielle Ressourcen verfügen, um diese Ideen zu realisieren, fordern Einzelpersonen mit dieser Methode zur Unterstützung auf. Crowdfunding ist auch ein Hinweis darauf, wie sich die früher als „Collaboration“ bezeichnete Methode in Kombination mit Kommunikations- und Finanztechnologien zu einem wirksamen Instrument entwickelt hat. Mit dieser Methode, die jedes Jahr auf der ganzen Welt angewendet wird, verwandeln Einzelpersonen kleine Beiträge, die sie auf Internetplattformen generieren, in aussagekräftige Ergebnisse. Auf diese Weise kann eine Initiative oder ein soziales Projekt am Anfang des Weges unterstützt werden.

Insbesondere in Zeiten wie der COVID-19-Pandemie war es Menschen möglich, sich gegenseitig auf diesen Plattformen zu unterstützen. Neben den oben genannten belohnungsbasierten Crowdfunding-Plattformen nimmt die Zahl der Crowdfunding-Plattformen wie schulden-, eigenkapital- und spendenbasiertes Crowdfunding weltweit rasant zu.

Vor allem die Anzahl der schuldenbasierten Crowdfunding-Plattformen und die gesammelten Beträge nehmen rapide zu.

Neue Finanzierungsquelle für erneuerbare Energien

Die Gemeinde München nutzte beispielsweise Crowdfunding für Investitionen in erneuerbare Energien. Das Projekt sah vor, die Stadtwerke von München mit Solarkollektoren auszustatten.

Die schuldenbasierte Crowdfunding-Kampagne der Gemeinde München startete am 2. März 2020 und erreichte ihr Ziel innerhalb weniger Tage. Die Gemeinde München, die in kurzer Zeit 120.000 Euro von den Bürgern sammelte, ist mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Die Bewohner der Region beteiligten sich an dem Projekt mit Beträgen zwischen 500 und 5000 Euro.

Ein Drittel des Crowdfunding in Deutschland wird zur Finanzierung von Investitionen in erneuerbare Energien verwendet.

Derzeit gibt es mehr als 2000 Crowdfunding-Plattformen weltweit, und das Crowdfunding-Volumen hat 80 Milliarden US-Dollar überschritten.

Als neues Gesicht der Solidarität und Finanzierung hat das Crowdfunding vier weit verbreitete Arten: schulden-, belohnungs-, aktienkapital- und spendenbasiertes Crowdfunding.

Beim aktienbasierten Crowdfunding werden Unterstützer über die Online-Plattform zu offiziellen Partnern von Initiativen. Schuldenbasiertes Crowdfunding hingegen leiht Startups unter bestimmten Bedingungen Geld.

Eines der wichtigsten Merkmale des aktien- oder schuldenbasierten Crowdfundings ist die Schaffung einer neuen Finanzierungsmöglichkeit für Startups.

Als Gegenleistung für das geliehene Kapital erhalten die Crowdfunding-Unternehmen ein festes Jahreseinkommen und eine Dividende, die sich nach dem Gewinn des Unternehmens richtet. Die Laufzeit des schuldenbasierten Crowdfundings variiert zwischen 5 und 10 Jahren.

Neuer Trend in der Welt: Finanzierung mit Crowdfunding

Das Volumen des schulden- und aktienbasierten Crowdfundings nimmt von Jahr zu Jahr zu. Im Jahr 2017 wurden 24.000 Unternehmen in Europa Finanzmittel in Höhe von insgesamt 1,7 Mrd. USD zur Verfügung gestellt. Zielgruppe für diese alternative Finanzierungsart sind häufig innovative Initiativen mit einem vielversprechenden, bewährten Produkt oder einer Dienstleistung, die jedoch noch am Anfang steht.

Obwohl diese Art des Crowdfunding in den vergangenen Jahren nur einen sehr geringen Platz einnahm, nimmt ihr Volumen jedes Jahr mit der Entwicklung technologischer Möglichkeiten und der Schließung rechtlicher Lücken zu. In Großbritannien machte Crowdfunding im Jahr 2019 16% der Gesamtinvestitionen in Startups aus.

Die bekanntesten Crowdfunding-Plattformen der Welt sind: GoFundMe, Indiegogo, Kickstarter, Patreon und Teespring. Alleine Kickstarter hat seit seiner Gründung im Jahr 2010 815 Millionen US-Dollar gesammelt. Dies ermöglichte die Realisierung von 50.000 Projekten mit von insgesamt 4,9 Millionen Menschen bereitgestellten Mitteln. Wenn man sich die Projekte ansieht, erkennt man, dass sie sich auf viele Bereiche ausgeweitet haben, etwa Film, Musik, Journalismus, Spiele, Technologie, Verlagswesen und Essen.

Die Zukunft von Crowdfunding ist vielversprechend

Mit Crowdfunding ist es nun möglich, dass Gesellschaften eigene Lösungen für ihre Projekte finden und finanzieren.

Die erfolgreichen Beispiele zeigen, dass Crowdfunding eine alternative Finanzierungsquelle für Unternehmer, NGOs und öffentliche Institutionen sein kann, wenn die erforderlichen rechtlichen Rahmenbedingungen geschaffen werden und das Bewusstsein dafür geschärft wird.

Laut europäischem Bericht über alternative Finanzierungen wächst das Interesse der Bürger an dieser neuen Art der Finanzierung von Jahr zu Jahr.

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