Wenn man sie kennenlernt, wird sie zur Leidenschaft – die Wiener Kaffeehauskultur! Wer nach Wien reist, muss den Besuch von traditionsreichen Kaffeehäusern in der Innenstadt unbedingt miteinplanen.

Ist man nicht nur Tourist, sondern lebt in Wien, ist die Frage "Gemma auf an Kaffee?" eine alltägliche. Für Wiener oder diejenigen, die oft in Wien sind, ist die Wiener Kaffeehauskultur eine Leidenschaft.

Man hat die Wahl: Einmal ist es ein klassisches Kaffeehaus mit nostalgischem Ambiente, ein anderes Mal ein hippes Retrodesign. Oft hat man nur eine Melange bestellt und verbringt dort Stunden. Anerkennenswert ist, dass die Kellner nicht hinter jedem Gast stehen, so kann man diese großartige, oft entspannende Stimmung uneingeschränkt genießen.

Die erste Begegnung

In den Genuss eines Wiener Kaffeehauses kam ich erstmals im Jahr 2000. Bei unserem Wien-Ausflug sollten wir unbedingt noch einen Kaffee mit der berühmten Original-Sacher-Torte genießen – unser Ziel war das Café Sacher. Sein unvergleichbares Ambiente ist nicht zu übersehen. Hier wird die perfekte, gehobene Atmosphäre mit einem Flair aus der Kaiserzeit belebt.

Traditionelle Altwiener-Kaffeespezialitäten von Melange bis Einspänner, aber auch der Türkische Kaffee, in der türkischen Kupferkanne mit Lokum serviert, stehen zur Auswahl. Zwei Jahre später fand ich mich als Studentin in Wien wieder, und so begann auch meine Wiener-Kaffehaus-Leidenschaft.

Die Türkenbelagerung hinterließ eine unverzichtbare Tradition

Im Osmanischen Reich wurde das erste Kaffeehaus schon 1554 errichtet, es entwickelte sich schon sehr früh eine Kaffeekultur und das Getränk wurde als Zeichen der Willkommenskultur angeboten.

In Wien kam der Kaffee in der Phase der zweiten Türkenbelagerung an. Einer Legende nach ließen die Türken bei ihrem Rückzug von Wien zahlreiche Säcke mit Kaffeebohnen zurück, und so wurde das erste Wiener Kaffeehaus durch Johannes Theodat am 17. Jänner (Januar) 1685 eröffnet – ein einziges Zimmer mit einfachen Holzbänken im Hachenbergischen Haus auf dem Haarmarkt, heute Rotenturmstraße 14.

Er erhielt von Kaiser Leopold I. für seine Verdienste als Kundschafter das Privileg, mit zwanzigjähriger Hoffreiheit den ersten Kaffeeausschank in Wien in Betrieb zu nehmen und das "türkische Getränk als Kaffee" auszuschenken. In den darauffolgenden Jahren erhielten weitere Kundschafter vom Kaiser ebenfalls das Privileg. So soll es im Jahr 1714 bereits 11 konzessionierte Kaffeesieder in Wien gegeben haben. Im Jahre 2020 waren 970 Wiener Kaffeehäuser in Betrieb.

Wiener Kaffeehauskultur wurde Weltkulturerbe

Faszinierend ist, dass nach einer Phase großer kriegerischer Auseinandersetzungen das hinterlassene Getränk eines Volkes zum Kulturerbe eines anderen Volkes wurde.

Kultur wird von der UNESCO im weitesten Sinn als Gesamtheit der einzigartigen geistigen, materiellen, intellektuellen und emotionalen Aspekte angesehen, die eine Gesellschaft oder eine soziale Gruppe kennzeichnet. So schließt die Kulturbezeichnung der UNESCO nicht nur Kunst und Literatur ein, sondern auch Lebensformen, Grundrechte, Wertesysteme, Traditionen und Glaubensrichtungen.

Und so wurde die „Wiener Kaffeehauskultur“ im November 2011 als immaterielles Weltkulturerbe der UNESCO ausgezeichnet. Mit der Aufnahme in das Verzeichnis durch die österreichische UNESCO-Kommission soll diese spezielle Tradition, angefangen vom Interieur wie z.B. den typischen Marmortischchen bis hin zum Service durch den Kellner und Kaffeespezialitäten mit der einzigartigen Atmosphäre, die bis ans Ende des 17. Jahrhunderts zurückreicht, gewahrt werden.

Damals konnte eine Tradition vom Orient in den Okzident aufgenommen werden – da die Aufnahmegesellschaft keine Vorurteile gegenüber Traditionen anderer Gesellschaften hatte.

Vom Osmanischen Reich zum Vienna Coffee Festival

Dass die Wiener Kaffeehauskultur von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde, unterstreicht definitiv die Bedeutung der "Wiener Kaffeekultur" an sich. Ja, sogar so sehr, dass diese Reise vom Osmanischen Reich zur UNESCO-Welterbeliste als ein Festival bezeichnet wird, auf dem heute alle Teile der Gesellschaft und natürlich Kaffeeliebhaber zusammenkommen. Wenn die Covid-Phase, von der die ganze Welt betroffen ist, es zulässt: Wollen wir uns vielleicht beim Vienna Coffee Festival treffen?