Dortmund: Gedenken an NSU-Opfer Mehmet Kubaşık zum 15. Todestag (AA)

Mehmet Kubaşık ist das achte Opfer einer rechtsextremen Mordserie. Vor 15 Jahren wurde der Dortmunder in seinem Kiosk erschossen – von Neonazis des „Nationalsozialistischen Untergrundes“ (NSU). Die 2012 gegründete Initiative „Tag der Solidarität – Kein Schlussstrich“ ruft zum Gedenken des NSU-Opfers Mehmet Kubaşık auf. Unter Einhaltung der Corona-Regeln soll am Mahnmal der Getöteten in der Nähe des Dortmunder Hauptbahnhofs eine Kundgebung stattfinden.

Der damals 39-jährige Familienvater und Ehemann wurde von einer Kundin in einer Blutlache liegend in seinem Kiosk aufgefunden. Laut einer Fallanalyse des Landeskriminalamtes Baden-Württemberg suchten die Täter am 4. April 2006 den Kiosk zwischen 12 und 13 Uhr auf. Mit einer Pistole der Serie Česká 83 schossen die Täter auf ihn und trafen zweimal. Es wurde nur eine Patronenhülse gefunden. Eine Gedenktafel vor dem ehemaligen Kiosk erinnert heute an das NSU-Mordopfer Kubaşık.

Mahnmal in Dortmund erinnert an die zehn NSU-Opfer (DPA)

Wie bei fast allen anderen Fällen der rechtsextremistischen Mordserie wurde zunächst im Umfeld des Opfers ermittelt. Ermittlungsbehörden verdächtigten fälschlich Kubaşık selbst krimineller Machenschaften und seine Familie der Beteiligung an der Tat. In Richtung einer rechtsterroristischen Motivation wurde erst im November 2011 ermittelt. NSU-Trio ermordet wahllos zehn Menschen Die Česká 83 wurde zu dieser Zeit in Zwickau in der Wohnung des NSU-Trios Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe gefunden. Es war dieselbe Waffe, mit der Kubaşık getötet worden war. Nach der Bluttat in Dortmund im Jahr 2006 wurden noch zwei weitere Morde mit der Česká begangen. Fast 14 Jahre lang agierten die Rechtsterroristen im Untergrund. Das Trio ermordete wahllos neun Gewerbetreibende türkischer und griechischer Herkunft und eine deutsche Polizistin. Auf das Konto des NSU-Trios gehen auch zwei Sprengstoffanschläge und mehr als ein Dutzend Raubüberfälle. Nach einem Banküberfall begangen Böhnhardt und Mundlos am 4. November 2011 in Eisenach Selbstmord. Zeugen hatten sie bei der kriminellen Tat beobachtet – sie flogen auf. Die Polizei fand ihre Leichen in einem ausgebrannten Wohnmobil. Beate Zschäpe jagte anschließend die Wohnung in Zwickau in die Luft und meldete sich danach mit ihrem Anwalt bei der Polizei. Das Oberlandesgericht München verurteilte Zschäpe im Juli 2018 wegen zehnfachen Mordes zu lebenslanger Haft. Auch nach dem NSU-Prozess bleiben jedoch viele Fragen offen. Der hessische Verfassungsschutz will eine Akte über die Rechtsterroristen bis ins Jahr 2134 unter Verschluss halten. Eine der größten Ungereimtheiten in dem Fall zum NSU-Komplex ist die Sperrfrist von 120 Jahren. Sie gibt Anlass für Verschwörungstheorien.

TRT Deutsch