China: Exporte legen im Mai um fast 17 Prozent zu
Chinas Außenhandel erholt sich nach dem Corona-Lockdown in der ersten Jahreshälfte weiter. Die Exporte legten im Mai um fast 17 Prozent zu. Trotz der jüngsten Lockerungen klagen ausländische Unternehmen weiterhin über große Unsicherheiten.
Containerterminal von Qingdao (DPA)

Vor dem Hintergrund einer etwas stabileren Pandemie-Lage ist Chinas Außenhandel im Mai schneller als erwartet gewachsen. Die Exporte der zweitgrößten Volkswirtschaft legten im Vorjahresvergleich um 16,9 Prozent auf 308,3 Milliarden US-Dollar (287,2 Milliarden Euro) zu, wie die Pekinger Zollverwaltung am Donnerstag mitteilte. Auch die Einfuhren stiegen um 4,1 Prozent auf 229,5 Milliarden schneller als von Analysten erwartet.

Ausländische Unternehmen klagen über große Unsicherheiten

Die chinesische Wirtschaft war wegen der strikten Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus in der ersten Jahreshälfte unter Druck geraten. Doch wurden zuletzt einige Beschränkungen gelockert, weil die Infektionszahlen zurückgegangen sind. In Shanghai, der wichtigsten Wirtschaftsmetropole des Landes, endete vergangene Woche ein zweimonatiger Lockdown, was dem Handel in den kommenden Monaten Auftrieb geben könnte. Allerdings bliebt die Lage in der 26-Millionen-Metropole angespannt. Am Donnerstag kündigten die Behörden für das kommende Wochenende neue Massentests in einem Stadtteil mit mehr als zwei Millionen Einwohnern an. Dies löste Ängste aus, dass erneut größere Einschränkungen drohen könnten. Trotz der jüngsten Lockerungen klagten ausländische Wirtschaftsvertreter weiter über große Unsicherheiten. So sei kaum absehbar, wann und wo es den nächsten Lockdown im Land geben werde, der sich negativ auf das Geschäft und die Lieferketten auswirken könnte. In einer Mitte Mai von der Deutschen Außenhandelskammer veröffentlichten Umfrage gaben noch 73 Prozent der Teilnehmer an, in Städten oder Regionen zu operieren, in denen teilweise oder komplette Ausgangssperren herrschen. Nur etwa jedes fünfte deutsche Unternehmen verfügte demnach über eine Sondergenehmigung, um trotz Beschränkungen die Produktion fortzusetzen. Auch machten es die Bedingungen in China immer schwieriger, Personal aus Deutschland im Land zu halten.

IWF rechnet in diesem Jahr noch mit einem Wachstum von 4,4 Prozent

Chinas Vize-Handelsminister Wang Shouwen warnte am Mittwoch vor weiteren Unsicherheiten. „Potenzielle Bedrohungen“ gingen von der fragilen weltwirtschaftlichen Lage, der hohen internationalen Inflation sowie von logistischen Engpässen innerhalb Chinas aus. Ebenfalls am Mittwoch forderte Regierungschef Li Keqiang eine Stärkung des Außenhandels. Er drängte auf eine Verbesserung der Effizienz von Häfen und bei der Zollabfertigung. Auch müsse die Stabilität von Lieferketten gewährleistet werden. Ob das Wachstumsziel der chinesischen Regierung von 5,5 Prozent aber noch erreicht werden kann, wird immer unsicherer. Die Vorgabe war zu Beginn schon optimistisch. Dann kamen die neuen Covid-Ausbrüche und die strikten Kontrollmaßnahmen hinzu, während die Weltwirtschaft durch Russlands Krieg in der Ukraine neue Rückschläge hinnehmen muss. Zahlreiche Wirtschaftsinstitute hatten ihre Wachstums-Prognose für die Volksrepublik zuletzt immer weiter zurückgeschraubt. Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet in diesem Jahr noch mit einem Wachstum von 4,4 Prozent.

DPA