Inflation bei fast acht Prozent - Teuerungen belasten Bürger
Im Mai wird die Inflationsrate auf voraussichtlich 7,9 Prozent steigen. Und auch die Energiepreise haben im Vorjahresvergleich deutlich zugelegt. Finanzminister Lindner erklärte derweil, dass die Inflationsbekämpfung „oberste Priorität“ haben müsse.
Illustration. 15.02.2019, Baden-Württemberg, Stuttgart: Ein Einkaufswagen wird durch einen Supermarkt geschoben. (DPA)

Die Verbraucherpreise in Deutschland kennen nur noch eine Richtung: nach oben. Im Mai beschleunigte sich die Inflationsrate auf voraussichtlich 7,9 Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) sagte, die Bekämpfung der Inflation müsse „oberste Priorität“ haben. Die Teuerung zehrt den Lohnanstieg bereits mehr als auf - im ersten Quartal sanken die Reallöhne um 1,8 Prozent.

Höhere Herstellerpreise noch nicht vollständig eingepreist Im April waren die Verbraucherpreise bereits um 7,4 Prozent gestiegen. Im Monatsvergleich legten sie jetzt um 0,9 Prozent zu, wie die Statistiker am Montag aufgrund vorläufiger Ergebnisse weiter mitteilten. Die Preise für Energie stiegen im Mai erneut besonders stark: Sie legten um 38,3 Prozent im Vorjahresvergleich zu, wie die Statistiker erklärten. Nahrungsmittel verteuerten sich um 11,1 Prozent - im April hatte der Anstieg noch 8,6 Prozent betragen. Die Preise für Dienstleistungen dagegen stiegen unterdurchschnittlich um 2,9 Prozent, darunter für Wohnungsmieten um 1,7 Prozent. Die Lebensmittelpreise könnten einer Studie der Allianz Trade zufolge im Gesamtjahr sogar um 10,7 Prozent steigen - pro Person entspreche das Mehrausgaben von über 250 Euro. Demnach erhöhten die Lebensmittelhersteller ihre Preise seit Anfang 2021 im Schnitt um 16,6 Prozent, im Einzelhandel seien die Preise in dem Zeitraum im Schnitt aber lediglich um 6,6 Prozent geklettert. Die Preissteigerungen auf Herstellerseite dürften „zeitnah und in hohem Maße auf die Verbraucherpreise durchschlagen“, heißt es in der Studie. „Wir müssen die Inflationsspirale durchbrechen“ Finanzminister Lindner sagte in Berlin: „Wir müssen die Inflationsspirale durchbrechen.“ Entscheidende Voraussetzung dafür sei das „Ende der expansiven Finanzpolitik“ der vergangenen Jahre. Lindner pochte in diesem Zusammenhang erneut darauf, die Schuldenbremse 2023 wieder einzuhalten. Die hohe Inflation sei „ein enormes wirtschaftliches Risiko“. Der Anstieg der Verbraucherpreise machte Lohnsteigerungen zunichte: Laut Statistik stiegen die Löhne in den ersten drei Monaten des Jahres im Schnitt zwar um 4,0 Prozent - die Inflationsrate jedoch um 5,8 Prozent. Schon im vergangenen Jahr hatte die hohe Inflation den Anstieg der Löhne komplett aufgefressen, die Reallöhne sanken um 0,1 Prozent. Im Jahr 2020, dem ersten Corona-Krisenjahr, hatte vor allem der vermehrte Einsatz von Kurzarbeit zu einer negativen Reallohnentwicklung geführt - der Rückgang lag bei 1,1 Prozent. Opposition fordert staatliche Maßnahmen gegen Kaufkraftverlust Die Vize-Chefin der Linken-Fraktion im Bundestag, Susanne Ferschl, betonte, die Tarifverdienste seien im ersten Quartal zwar um 4,0 Prozent gestiegen, dies liege jedoch an einmaligen Sonderzahlungen. Ohne diese hätten die Tarifverdienste nur um rund ein Prozent zugelegt. „Real haben die Beschäftigten an Kaufkraft verloren“, erklärte Ferschl. Vor diesem Hintergrund komme staatlichen Maßnahmen zur Abfederung der hohen Inflation große Bedeutung zu. Ferschls Fraktionskollege Pascal Meiser forderte „kräftige tabellenwirksame Lohnsteigerungen“ in diesem Jahr. „Die temporären Preisspitzen infolge des Ukraine-Krieges lassen sich allerdings auch durch noch so gute Tarifabschlüsse kurzfristig nicht vollständig ausgleichen.“ Hier müsse die Bundesregierung die Entlastungspakete nachbessern. Der Fraktionsvize der Union, Jens Spahn (CDU), forderte in der „Bild“-Zeitung ein „Preise-runter-Sofortprogramm“. Bei den Spritpreisen etwa habe die Ampelregierung zu lange gezögert. „Die Energie- und Umsatzsteuern zu senken, hätte schnell und in der Breite entlastet. Jetzt ist die Entlastung eher ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagte Spahn.

AFP