Spionage für Russland? Bundeswehr-Reserveoffizier vor Gericht
Ein Oberstleutnant der Bundeswehr-Reserve soll den russischen Geheimdienst jahrelang mit Informationen versorgt haben - offenbar aus Sympathie zu Russland. Nun muss sich der Reserveoffizier vor Gericht verantworten.
Symbolbild. Ein Oberstleutnant der Bundeswehr-Reserve soll den russischen Geheimdienst GRU jahrelang mit Informationen versorgt haben. (DPA)

Ein Reserveoffizier der Bundeswehr soll einen russischen Geheimdienst jahrelang mit Informationen versorgt haben. Von diesem Donnerstag (9.30 Uhr) an muss sich der 65-Jährige wegen geheimdienstlicher Agententätigkeit vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht verantworten. Laut Anklage der Bundesanwaltschaft hat der Mann aus Erkrath bei Düsseldorf Informationen zum deutschen Reservistenwesen und zur zivil-militärischen Zusammenarbeit in Krisensituationen verraten. Außerdem sei es um die Auswirkungen der 2014 verhängten Russland-Sanktionen und die inzwischen gestoppte Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 gegangen. Weiterhin soll der Mann den Russen private Kontaktdaten von hochrangigen Angehörigen der Bundeswehr und aus der Wirtschaft gegeben haben. Auch die Sicherheits- und Verteidigungspolitik der USA und ihrer westlichen Verbündeten sei ein Thema gewesen. Die Dokumente und Informationen stammten laut Anklage teilweise aus öffentlichen, aber auch aus nichtöffentlichen Quellen. Bei der Reserve der Bundeswehr stand der Mann einem Kreisverbindungskommando als stellvertretender Leiter vor. Das Gericht hat für den Fall bis Mitte Dezember 20 Verhandlungstage angesetzt. Spionage aus Sympathie für Russland Laut Anklage hatte der Angeklagte den Rang eines Oberstleutnants bei der Bundeswehr. Von 2014 bis 2020 soll er den russischen Geheimdienst GRU mit Informationen versorgt haben - aus Sympathie für Russland. Geld habe er den Ermittlungen zufolge nicht erhalten. Er habe sich aber Vorteile wie Einladungen zu Sicherheitskonferenzen nach Russland erhofft und auch bekommen. In zwei Vernehmungen habe er die Weitergabe der Informationen weitgehend eingeräumt, teilte eine Gerichtssprecherin auf dpa-Anfrage mit. Wie es in der 107 Seiten starken Anklage heißt, war der Militärische Abschirmdienst (MAD) dem Reserveoffizier bereits 2018 auf die Schliche gekommen. Nach Angaben des Nachrichtenmagazins „Spiegel“ war der Erkrather von zwei Geheimdienstmitarbeitern angeworben worden, die offiziell Militärattachés der russischen Botschaft waren. Er habe Insider-Wissen über das Reservistenwesen, Berichte über auch die Einsatzbereitschaft der Waffensysteme der Bundeswehr und deren Cyberfähigkeiten geliefert.

DPA