Biontech will Milliardengewinn in neue Krebsforschung investieren
Der Impfstoffhersteller Biontech will in diesem Jahr bis zu 2,6 Milliarden Euro in Krebsforschung investieren. In den vergangenen zwölf Monaten startete Biontech fünf neue Krebsstudien sowie vier neue im Bereich Infektionskrankheiten.
Biontech will Milliardengewinn in neue Krebsforschung investieren / Photo: DPA (DPA)

Biontech treibt die Entwicklung seiner Krebsmedikamente mit den Milliardeneinnahmen aus seinem Corona-Impfstoff voran. Für 2023 und 2024 ist der Start mehrerer klinischer Studien mit Zulassungspotenzial geplant, wie das Mainzer Biotechunternehmen am Montag mitteilte. Darunter ist auch eine Studie der dritten und entscheidenden Phase der klinischen Entwicklung mit einem Antikörper, den sich Biontech erst vor kurzem in einem millionenschweren Deal mit dem US-Krebsspezialisten OncoC4 gesichert hatte. „2023 und darüber hinaus wollen wir weiter in unsere Transformation investieren“, sagte Vorstandschef Uğur Şahin. „Unser mittelfristiges Ziel ist es, die Zulassung mehrerer Onkologieprodukte in Krebsindikationen mit hohem medizinischen Bedarf anzustreben.“

In diesem Jahr will Biontech 2,4 bis 2,6 Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung ausgeben - rund eine Milliarde mehr als noch 2022, als diese Kosten vor allem wegen der Entwicklung und Produktion der neuen Omikron-Booster um knapp 62 Prozent auf 1,54 Milliarden Euro gestiegen waren. Das Unternehmen plant zudem den Aufbau einer eigenen Vertriebsorganisation für Krebsprodukte in den USA, der Europäischen Union und anderen Regionen ab diesem Jahr. Seine Pipeline will Biontech mit weiteren Deals und Partnerschaften ausbauen. Dabei würden auch größere Übernahmen in Erwägung gezogen, im Fokus stünden aber Einlizenzierungen, sagte Strategiechef Ryan Richardson. Idealerweise sollten dafür nicht mehr als eine Milliarde ausgeben werden.

Fünf neue Krebsstudien gestartet

In den vergangenen zwölf Monaten startete Biontech fünf neue Krebsstudien sowie vier neue im Bereich Infektionskrankheiten. Insgesamt hat der Konzern in der Onkologie derzeit 20 Programme in 24 laufenden klinischen Studien sowie sechs Programme bei Infektionskrankheiten in zehn klinischen Studien. In der dritten Phase befindet sich davon derzeit nur ein mRNA-Grippeimpfstoff, der an den Partner Pfizer auslizenziert wurde.

Mit dem US-Pharmakonzern hatte Biontech seinen Covid-19-Impfstoff Comirnaty entwickelt, der beiden Unternehmen Milliardengewinne bescherte. Doch mit dem Abflauen der Pandemie lässt auch die Impfstoffnachfrage nach und damit der Corona-Boom für die Vakzinhersteller. 2022 sank der Umsatz von Biontech deshalb um rund neun Prozent auf 17,3 Milliarden Euro, der Nettogewinn fiel um acht Prozent auf 9,4 Milliarden. Für 2023 rechnet Biontech nur noch mit Covid-19-Impfstoffumsätzen von rund fünf Milliarden Euro, dabei will das Unternehmen trotz der hohen Kosten weiter Gewinne schreiben. Ein bestehender Liefervertrag mit der EU-Kommission wird derzeit neu verhandelt, was zur Folge haben könnte, dass die Impfdosen über mehrere Jahre gestaffelt geliefert oder auch die Mengen reduziert werden könnten.

Finanzchef Jens Holstein sieht im Corona-Geschäft aber weiter eine wichtige Stütze für die Mainzer, etwa durch weitere mögliche Anpassungen des Impfstoffs an neuen Virusvarianten. „Wir gehen davon aus, dass unser Engagement im Bereich der Covid-19-Impfstoffe unsere bereits bestehende Finanzkraft in den kommenden Jahren stärken wird.“ Davon sollen auch die Aktionäre profitieren: Biontech plant bis Ende des Jahres ein weiteres Aktienrückkaufprogramm von bis zu 500 Millionen Dollar, nachdem der Konzern zuletzt schon eigene Papiere für 1,3 Milliarden Dollar zurückgekauft hatte.

Reuters