Ali Ibn Rabban Al-Tabari (Others)

von Ufuk Necat Taşçı

Enzyklopädien haben die Aufgabe, Wissen aus unterschiedlichen Gebieten zusammenzutragen und unter Schlagwörtern in Form von kurzen Texten einen einfachen, komprimierten Überblick zu verschaffen. Die ersten Arbeiten dieser Art stammen aus dem antiken Griechenland. Dort hatte Platos Neffe Speusippus die Ideen seines Onkels zu Naturwissenschaften, Mathematik und Philosophie in mehreren Schriftenserien zusammengefasst.

Im Bereich der Medizin war es die islamische Welt, in der im 9. Jahrhundert eine der ersten Enzyklopädien des damals zugänglichen fachlichen Wissens entstand. Es war der muslimische Gelehrte, Arzt und Psychologe Ali Ibn Rabban Al-Tabari, der das Werk „Firdous al-Hikmah“ („Paradies der Weisheit“) zusammenstellte.

Als Sohn des Mediziners Sahl Rabban Al-Tabari kam er höchstwahrscheinlich in den Jahren zwischen 772 und 777 in Marw in der Provinz Tabristan zur Welt – heute Amol an der kaspischen Küste im Norden des Iran. Von seinem Vater wurde er auch in Bereichen wie Medizin und Kalligrafie unterwiesen. Dazu erlernte er noch Griechisch und die aus dem Altaramäischen hervorgegangene damalige syrische Sprache.

Hauptwerk Anfang der 1950er ins Deutsche übersetzt

Der Abbasiden-Kalif al-Mu’tasim berief Al-Tabari in der Zeit von 833 bis 842 an sein Hofgericht. Parallel dazu erweiterte Al-Tabari seine Expertise im Bereich der Medizin, aber auch in Philosophie, Mathematik und Astronomie. Er galt schon zu Lebzeiten als seltener Universalgelehrte.

Insgesamt schrieb Al-Tabari 12 Bücher, die meisten davon über Medizin. „Firdous al-Hikmah“ umfasste sieben Bände. Damit war sie das erste mehrbändige Konvolut, in dem Wissen aus unterschiedlichen Bereichen der Medizin zusammengetragen wurde.

Die Aufzeichnungen waren im weiteren Verlauf der Geschichte über Bibliotheken in der gesamten Welt verteilt. Nur fünf seiner Manuskripte waren zudem davon erhältlich, ehe Alfred Siggel sie Anfang der 1950er Jahre unter dem Titel „Die propädeutischen Kapitel aus dem Paradies der Weisheit über die Medizin des 'Ali b. Sahl Rabban at-Tabari“ ins Deutsche übersetzte.

Das gesamte Werk setzt sich aus sieben Bänden zusammen: „Die derzeitige Weltsicht der medizinischen Wissenschaft“, „Erläuterungen zu den Organen des menschlichen Körpers“, „Die Ernährung in gesundem und krankem Zustand“, „Alle Krankheiten von Kopf bis Fuß“, „Beschreibung von Geruch, Geschmack und Farbe“, „Präparate und Gifte“ und einem Teil, der unterschiedliche Themen wie Klima und Astronomie behandelt. Auch Grundzüge indischer Medizin kommen in einer kurzen Sequenz zur Sprache.

Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patienten betont

Den Urtext zu „Firdous al-Hikmah“ verfasste Al-Tabari auf Arabisch, allerdings übersetzte er das Werk auch simultan ins Syrische. Zu seinen übrigen Werken zählen auch „Deen-o-Doulat“ und „Hifdh al-Sehhat“, wobei letztgenannter Titel in der Bibliothek von Oxford aufbewahrt wird.

Das Werk Al-Tabaris setzte wichtige Akzente bezüglich der Entwicklung von Heilbehandlungen. Anders als frühere Mediziner betonte er die Verbindung zwischen Medizin im engeren Sinne und Psychologie. Er unterstrich dabei insbesondere auch die Bedeutung von psychologischem und beratendem Beistand in der therapeutischen Begleitung von Patienten.

Es sei, so eine seiner zentralen Thesen, von besonderer Bedeutung für einen Therapieerfolg, dass Mediziner ihren Patienten „weisen Rat“ böten, um deren Offenheit und Vertrauen zu gewinnen. Immerhin seien Irrtümer ein häufiger Grund dafür, dass Patienten erkrankten.

Al-Tabari entstammte ursprünglich einer christlichen Familie der Oberschicht, später konvertierte er zum Islam. In seiner mehr als 80 Jahren Lebenszeit hat er einen Meilenstein in der Geschichte der medizinischen Wissenschaften gesetzt.

TRT Deutsch