Der türkische Minister für Energie und natürliche Ressourcen, Fatih Dönmez, nahm an der Zündungszeremonie des TPAO-Bohrlochs West Paddy-1 in Silivri, Istanbul, teil.

von Ali Özkök

Die Türkei könnte sich nach dem jüngsten Erdgasfund im südosteuropäischen Ölmarkt etablieren. Davon geht der Chefredakteur von „Energy Reporters“, John Bowlus, im Gespräch mit TRT Deutsch aus. „Mit dem Aufkommen von verflüssigtem Erdgas wird Gas zunehmend globalisiert, aber die klare Strategie für den Export wäre Südosteuropa, das auf Gasimporte angewiesen und unterversorgt ist“, erklärte Bowlus.

Präsident Recep Tayyip Erdoğan hatte am vergangenen Freitag die Entdeckung eines 320 Milliarden Kubikmeter großen Erdgasfeldes im Schwarzen Meer bekanntgegeben: der bisher größte Gasfund in der Geschichte der Türkei.Das Gasfeld könne bereits 2023 in Betrieb genommen werden, informierte Erdoğan und betonte, dass die Türkei entschlossen sei, ein Netto-Energieexporteur zu werden.

Bowlus, der auch am Kadir Has-Universitätszentrum für Energie und nachhaltige Entwicklung forscht, sagte, dass die Entdeckung zu einem günstigen Zeitpunkt kam. „Gegenwärtig wird wenig in die Erschließung neuer Vorkommen investiert, was bedeutet, dass sich das Angebot verknappen wird.“ Die Türke könne die Produktion genau dann ans Netz bringen, wenn die Welt sie brauche.

Türkei wird Großteil der Einnahmen erhalten

Die Entdeckung habe die Existenz beträchtlicher Vorkommen tief unter dem Meeresboden bewiesen, sagte der türkische Energieminister Fatih Dönmez am Dienstag. Dadurch könne es eine Aufwärtsrevision der Schätzung geben.

„Uns gehört der Betrieb in diesen Gebieten. Jetzt, da wir [die Energie] gefunden haben, werden wir schon wissen, wie wir sie fördern können. Sie wird der TPAO gehören und von ihr betrieben werden. Niemand sollte sich darüber Sorgen machen“, äußerte sich Dönmez zuversichtlich gegenüber dem türkischen Fernsehsender „A Haber“. Die Kosten für die Bohrung seien aber noch nicht kalkulierbar. Die TPAO ist ein türkisches Mineralölunternehmen.

Bowlus bestätigte, dass die Türkei die Oberhand bei der Förderung ihrer neuen Energiequellen behalten werde: „Die Türkei wird sich bis zu einem gewissen Grad mit internationalen Unternehmen zusammenschließen müssen, aber sie wird die Mehrheit behalten und den Großteil der Einnahmen erhalten.“ Die Frage sei, für welche Unternehmen sich Ankara entscheiden werde. „Es wird wahrscheinlich ein Konsortium aus mehreren sein“, so Bowlus.

„Diese Entdeckung wird die Importrechnung der Türkei um zig Milliarden Dollar reduzieren, sobald sie in den Markt eingespeist wird. Das ist positiv, ganz gleich, wie man sie aufschlüsselt“, glaubt Energie-Experte Bowlus.

„Nur der Anfang“

Der Sprecher des Präsidenten, Ibrahim Kalın, kündigte in einem Interview mit dem Nachrichtenportal „Bloomberg“ an, dass TPAO die Offshore-Exploration in der Nähe des Sakarya-Feldes fortsetzen werde, wo Beamte ein noch „viel größeres Potenzial“ für Kohlenwasserstoffquellen vermuteten. Nun würden wahrscheinlich weitere Entdeckungen folgen.

„Das ist erst der Anfang“, versprach Kalın. „Wir sind sehr hoffnungsvoll, dass sie [die Erkundung] zu weiteren Feldern im gleichen Gebiet führen wird.“
Milliarden für Produktion notwendig

Fatih Birol, Chef der Internationalen Energieagentur (IEA), erklärte am Montag, dass der türkische Gasfund im Schwarzen Meer entsprechend der aktuellen Preisentwicklung 80 Milliarden Dollar wert sein könnte.

Der Fund gelte international als „gigantischer“ Fund und sei im Vergleich dazu gleichwertig mit allen norwegischen Entdeckungen in der Nordsee seit 2010, sagte Birol gegenüber der Nachrichtenagentur Anadolu.

Birol rechnet damit, dass eine Investition von etwa sechs Milliarden Dollar notwendig sei, um die Produktion in dem Feld zu starten, die für 2023 angestrebt wird.

Nach Ansicht des IEA-Chefs ist dieses ehrgeizige Ziel für 2023 nicht unmöglich, wie dies bei anderen Gasfunden der Fall gewesen sei - aber nur unter der Voraussetzung, dass die Investitionen priorisiert und die Verfahren zügig abgewickelt würden.

Die Türkei importiert jährlich etwa 45 Milliarden Kubikmeter Erdgas, was etwa 12 Milliarden Dollar an Ausgaben bedeutet.

TRT Deutsch