12.03.2021, Nordrhein-Westfalen, Bochum: Fußball: 2. Bundesliga, VfL Bochum - Hamburger SV, 25. Spieltag im Vonovia Ruhrstadion. Hamburgs Trainer Daniel Thioune während des Spiels.

HSV-Trainer Daniel Thioune sieht den Rassismus auch in Zukunft als Problem im Fußball. „Über die vielen Jahre, die ich im Fußball bin: Das einzige, was sich nicht verändert hat, ist, dass ich es immer wieder mit dummen Menschen zu tun habe“, erzählte der Ex-Profi im Fan-Podcasts „HSV-Madrix“. „Und da gibt es eine Menge dummer Menschen, die auf irgendetwas stolz sein wollen.“ Vielleicht sei es die Hautfarbe. „Das wird sich nicht verändern.“
Doch wenn diese Menschen den Fernseher anmachen und die deutsche Fahne weht, „dann schauen sie auch in ein paar dunkle Augen“, meinte der 46 Jahre alte Coach des Zweitligisten Hamburger SV mit Blick auf viele Nationalspieler mit Migrationshintergrund. „Ein ganz cooler Augenblick für mich, glaube ich.“
Er selbst hat sich wegen eigener Rassismus-Erfahrungen zeitweise schwer getan, sich mit Deutschland und der Nationalmannschaft zu identifizieren. „Es sind Momente eingetreten, die ich mir niemals so gewünscht hätte“, sagte der Sohn einer Deutschen und eines Senegalesen. „Wenn man als Fußballspieler irgendwo im Osten unterwegs ist und Zehntausend rufen ‚Haut den Neger‘ um, dann löst das sicherlich etwas aus.“
Es sei dann schwer, „es bei der ein oder anderen Weltmeisterschaft oder Europameisterschaft mit den deutschen Farben zu halten“. Dann distanziere man sich, „obwohl man hier geboren ist, hier aufgewachsen ist und auch eine gewisse Wertehaltung vertreten möchte.“
Er sprach auch über seine beiden Spieler Stephan Ambrosius und Josha Vagnoman, die aktuell mit der deutschen U21-Auswahl bei der EM in Ungarn spielen. „Zwei Hamburger Jungs - wenn man da nicht stolz ist, dass die beiden auflaufen dürfen“, meinte Thioune. „Sie haben den Adler auf der Brust und singen die Nationalhymne. Dann bin ich bei ihnen, dann ist das Gänsehaut für mich.“

DPA