In Syrien hat sich der mächtige und reiche Geschäftsmann Rami Machluf am Sonntag innerhalb weniger Tage erneut mit Kritik an seinen Cousin und Diktator Baschar al-Assad gewandt. Darin wirft er die dem Regime unterstehenden Sicherheitsbehörden vor, Angestellte seiner Unternehmen festgenommen zu haben und ihn auf „nicht hinnehmbare und unmenschliche“ Weise unter Druck zu setzen.
„Hätte irgendjemand erwartet, dass die Sicherheitsbehörden gegen Rami Machlufs Firmen vorgehen?“, fragt Machluf in dem Clip. Er sei aufgefordert worden, seine Geschäfte aufzugeben und den Anordnungen der Behörden ohne Widerworte zu folgen. Machluf spricht von „unfairen“ Schritten und „Machtmissbrauch“. Die Lage sei „schwierig und gefährlich“, sagt Machluf an Diktator Assad gerichtet.
Das Video ist ein weiterer Hinweis auf die Brüche innerhalb der Herrschaftselite. Oppositionelle Medien hatten vergangenes Jahr bereits von einer tiefen Spaltung zwischen beiden Männern berichtet. Berichten zufolge soll Assad seinen Cousin vergeblich um finanzielle Unterstützung gebeten haben.
Der ehemalige syrische Diplomat Bassam Barabandi, der 2012 übergelaufen ist, glaubt wiederum: „Der Streit besteht zwischen Machluf und Baschars Frau Asma Assad darüber, wer die Wirtschaft kontrolliert.“
Barabandi sagte, dass Machlufs Finanzholdings und Wohltätigkeitsorganisationen während des Krieges eine zentrale Rolle bei der Finanzierung und Sicherung eigener Machtkreise spielen, insbesondere unter der syrischen Minderheit der Alawiten - aus der Assad stammt. Assads Frau hat ihre eigene Wohltätigkeitsorganisation und hat sich selbst eine wichtige öffentliche Rolle aufgebaut. Daraus könnte ein Konkurrenzverhältnis entstanden sein.
Andere Stimmen glauben, dass die Rivalität mit Assads jüngerem Bruder Maher zu tun hat, einem Armeegeneral, der ebenfalls weitreichende finanzielle Beziehungen und Verbindungen zum Iran unterhält.
In einem am Donnerstag verbreiteten Video hatte Machluf sich in einem seltenen öffentlichen Auftritt per Video bereits direkt an Assad gewandt. Darin beklagt er unter anderem zu hohe Steuerforderungen.
Nach mehr als neun Jahren Bürgerkrieg leidet das Land unter einer schweren Wirtschaftskrise, weshalb das Regime dringend Devisen braucht. Die syrische Lira fiel in diesem Jahr im Vergleich zum Dollar auf ein Rekordtief.
Der 50 Jahre alte Machluf ist eine der prominentesten Figuren in der herrschenden Elite der Regimeführung in Syrien. Sein Vermögen machte er unter anderem als Mitbesitzer des Telekommunikationsunternehmens Syriatel. Viele sehen in ihm ein Symbol der ausufernden Korruption in dem Bürgerkriegsland. Die USA und die Europäische Union haben Machluf auf die Sanktionsliste gesetzt, weil er die syrische Regierung unterstützt. In der Öffentlichkeit ist er nur selten zu sehen.

TRT Deutsch und Agenturen