1904: Eine deutsche Maschinengewehr-Einheit im Kampf gegen die Herero. (Getty Images)

Nach mehrjährigen Verhandlungen haben sich einem Medienbericht zufolge Deutschland und Namibia auf ein Abkommen zur Wiedergutmachung deutscher Kolonialverbrechen geeinigt. Nach Informationen des Deutschlandfunks vom Wochenende erklärt sich Deutschland bereit, die Verbrechen an den Volksgruppen der Herero und Nama als Völkermord anzuerkennen. Ein gemeinsam erarbeitetes Dokument sei in Berlin von den Verhandlungsführern, dem früheren CDU-Bundestagsabgeordneten Ruprecht Polenz und dem namibischen Sondervermittler Zed Ngavirue, paraphiert worden.

Laut Deutschlandfunk soll das Abkommen in etwa zwei Wochen von den Außenministern beider Länder in Namibia unterzeichnet werden. Als Entschädigung wurde Namibia demnach finanzielle Unterstützung für soziale Projekte zugesprochen, die den Siedlungsgebieten der betroffenen Volksgruppen zugute kommen sollen. Außerdem soll Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zu einem Festakt im namibischen Parlament kommen, um dort offiziell um Entschuldigung zu bitten.

Polenz, der als offizieller Vertreter der Bundesregierung den Dialog mit Namibia zur Aufarbeitung der unter der deutschen Kolonialherrschaft verübten Verbrechen führt, sowie das Auswärtige Amt wollten sich am Sonntag unter Berufung auf „Vertraulichkeit“ nicht zu dem Medienbericht äußern. „Die Gespräche mit Namibia finden in einer konstruktiven und vertrauensvollen Atmosphäre statt“, erklärte einer Sprecherin des Auswärtigen Amts auf Anfrage der Nachrichtenagentur AFP.

Namibia - damals Deutsch-Südwestafrika - war von 1884 bis 1915 deutsche Kolonie. Zwischen 1904 und 1908 wurden unter der deutschen Kolonialherrschaft zehntausende Angehörige der Volksgruppen Herero und Nama durch deutsche Truppen getötet. Historiker bewerten die Massaker als den ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts. Berlin und Windhoek führen seit 2015 Verhandlungen über Entschädigungen für die Kolonialverbrechen. Eine offizielle Entschuldigung oder eine Entschädigung durch Deutschland gibt es bislang noch nicht.

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AFP