Libyens UN-anerkannter Premierminister Fayez al-Sarraj (Mitte) besichtigt am 11. Dezember 2019 den Internationalen Flughafen Mitiga, der vor seiner Wiedereröffnung in der libyschen Hauptstadt wieder aufgebaut wird.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan sagte am Donnerstag, dass sein Land auf Anfrage von Tripolis schon im nächsten Monat Truppen nach Libyen schicken werde.

In Ankara fügte Erdoğan hinzu, dass das türkische Parlament im Januar über einen Antrag zur Entsendung von Truppen nach Libyen abstimmen wird. Ziel ist es, die von der UNO unterstützte Regierung in Tripolis gegen einen laufenden Militärputsch zu unterstützen.

„Wir werden den Antrag auf Truppenentsendung (nach Libyen) vorlegen, sobald das Parlament wieder seine Arbeit aufnimmt“, sagte Erdoğan. Er fügte hinzu:

„Wir werden den Antrag am 8. und 9. Januar im Parlament verabschieden und damit einer Einladung der international anerkannten Regierung der Nationalen Einheit (GNA) in Tripolis nachkommen.“

Erdoğans Kommentare kommen, nachdem das türkische Parlament am Samstag ein Abkommen über Sicherheit und militärische Zusammenarbeit mit der libyschen Regierung von Fayez al-Sarradsch ratifiziert hat.

Am Donnerstag führten der US-Präsident Donald Trump und der ägyptische Präsident Abdel Fattah al-Sisi ein Telefongespräch über die Lage im ägyptischen Nachbarland. Beide Staatsführer waren sich einig, dass sie die „ausländische Ausbeutung“ in Libyen ablehnen. Sie fordern die Konfliktparteien auf, „dringende Schritte“ zu unternehmen, um die Kämpfe zu beenden, sagte das Weiße Haus.

Türkische Militärhilfe im Kampf gegen Haftar notwendig

Libyens Innenminister Fathi Bashagha kündigte ebenso an, dass die GNA offiziell militärische Hilfe von der Türkei einfordern wird.

Auf einer Pressekonferenz in Tripolis sagte Bashagha, die Hilfe werde dazu verwendet werden, die Kämpfer von Khalifa Haftar zurückzudrängen, der die GNA in Tripolis belagert. Der Minister unterstellt, dass Haftar ganze Stützpunkte und Flughäfen ausländischen Mächten zur Verfügung stellt, damit diese seine Offensive unterstützen könnten.

Laut Bashagha werden die Türkei, Tunesien und Algerien ein gemeinsames Bündnis gegen Khalifa Haftar bilden. Wörtlich erklärte der Minister:

„Es wird eine große Zusammenarbeit zwischen der Türkei, Tunesien und Algerien geben, und wir werden in einem Bündnis sein, und das wird unserem Volk, unserer Sicherheit und der Stabilität in der Region dienen.“

Unter Bezugnahme auf ein Treffen zwischen Präsident Erdoğan und dem tunesischen Präsidenten Kais Saied am Mittwoch sagte Bashagha:

„Wir begrüßen jede Initiative, die alle Libyer einschließt, sowie jede Initiative, die unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen stehen muss. Wir [die Türkei und Libyen] müssen unsere Anstrengungen vereinen, um einen politischen Prozess für einen Waffenstillstand in Libyen einzuleiten.“

Haftars Söldner-Einheiten an vorderster Front

Der Bürgerkrieg in Libyen, der seit 2011 wütet, mündete darin, dass die GNA loyalen Kräfte und die Miliz des Kriegsherrn Khalifa Haftar um die Kontrolle über das nordafrikanische Land wetteiferten.

Der türkische Präsident Erdoğan stattete Tunesien am Mittwoch einen unangekündigten Besuch mit seinem Verteidigungsminister und Geheimdienstchef ab, um über Wege zu einem Waffenstillstand in Libyen zu diskutieren.

Erdoğan versprach in den letzten Wochen wiederholt, die militärische Unterstützung für die GNA bei Bedarf zu erhöhen. Seit April versucht Haftar, die libysche Hauptstadt zu erobern.

Die Türkei und Katar unterstützen das GNA, während Haftar Unterstützung von Ägypten, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Russland erhalten hat, die alle angespannte Beziehungen zur Türkei haben.

Erdoğan sagte, er habe auch mit Tunesien vereinbart, die Regierung al-Sarradsch in Libyen gegen den Kriegsherrn Haftar zu unterstützen.

Moskau hat im vergangenen Monat Berichte in der New York Times dementiert, wonach es Söldner entsandte, die auf Haftars Seite kämpfen, während die UNO Haftars Miliz auch beschuldigt, Kämpfer aus dem Sudan zu rekrutieren.

Erdoğan versprach, die Türkei werde nicht schweigen, wenn Söldner aus der Kreml nahen Wagner-Söldnerfirma Haftar unterstützen.

„Russland ist dort mit 2000 Wagner-Kämpfern“, sagte Erdoğan am Donnerstag und bezog sich dabei auch auf rund 5000 Kämpfer aus dem Sudan in Libyen. „Sie helfen einem Warlord.“

TRT Deutsch