Endspurt im US-Wahlkampf – Trump gibt sich siegesgewiss

Frenetischer Schlussspurt von Donald Trump im US-Wahlkampf: Bei mehreren Kundgebungen am Sonntag hat sich der Präsident siegesgewiss gezeigt. „Wir werden vier weitere Jahre in unserem großartigen Weißen Haus erringen“, rief Trump zwei Tage vor der Wahl vor Anhängern im Bundesstaat North Carolina aus. Sein Herausforderer Joe Biden sagte bei einem Auftritt in Pennsylvania: „In zwei Tagen können wir eine Präsidentschaft beenden, die diese Nation gespalten hat.“ Trump wollte am Sonntag insgesamt fünf Auftritte in fünf hart umkämpften Bundesstaaten absolvieren: Nach Michigan, Iowa, North Carolina und Georgia sollte seine letzte Kundgebung des Tages um 23.00 Uhr Ortszeit in Florida stattfinden. Bidens Programm war weniger straff, er konzentrierte sich am Sonntag auf den als besonders wichtig geltenden Staat Pennsylvania. In Pennsylvania hatte Trump vor vier Jahren überraschend gegen Hillary Clinton gewonnen, was wesentlich zu seinem Einzug ins Weiße Haus beitrug. Biden erinnerte nun daran, dass Trumps dortiger Vorsprung damals nur 44.000 Stimmen betragen hatte. „Jede Stimme zählt!“ rief der Ex-Vizepräsident aus. Am Montag wollen Trump und Biden erneut in Pennsylvania auftreten.

Biden in „Swing states“ vor Trump

In den Umfragen liegt Biden seit Monaten landesweit sowie in einer Reihe der als wahlentscheidend geltenden „Swing states“ vor Trump. Eine an diesem Sonntag veröffentlichte Befragung der „New York Times“und des Siena College sieht den Kandidaten der oppositionellen Demokraten in vier wichtigen Staaten vorn, in denen Trump 2016 gewonnen hatte: Pennsylvania, Arizona, Florida und Wisconsin. Allerdings hatten die meisten Demoskopen bereits vor vier Jahren Trump klar hinten gesehen, was weitverbreitete Zweifel an der Zuverlässigkeit der Umfragen vor der diesjährigen Wahl nährt. Wieviel Einfluss die letzten Auftritte der Kandidaten überhaupt noch haben können, ist höchst ungewiss. Denn eine Rekordzahl von rund 93 Millionen US-Bürgern hat bereits vor dem eigentlichen Wahltermin abgestimmt. Sie nutzten dafür die Möglichkeit der Briefwahl oder der frühen Stimmabgabe in einem Wahllokal oder einer im Freien stehenden, gesicherten Wahlurne.

Wahl könnte in Gewalteskalation münden

Da Trump seit Monaten die Briefwahl als extrem betrugsanfällig anprangert, befürchten viele seiner Kritiker, dass er seine mögliche Niederlage nicht anerkennen könnte - und auf die Wahl eine harte Auseinandersetzung um deren Ergebnis folgen könnte. Auch herrschen angesichts der extrem polarisierten politischen Verhältnisse weitverbreitete Sorgen, dass die Wahl in eine Gewalteskalation münden könnte. So vernagelten in einigen Städten - darunter der Hauptstadt Washington - manche Geschäftsbetreiber bereits die Schaufenster mit Brettern. Ein Vorfall in Texas schürte die Furcht vor einer Gewalteskalation. Laut Biden wurde dabei einer seiner Wahlkampfbusse von Trump-Anhängern in Lastern bedrängt und zum Anhalten gezwungen. Die Bundespolizei FBI teilte mit, sie gehe dem Vorfall nach. Trump begrüßte den Vorfall. Im Internetdienst Twitter veröffentlichte er ein Video davon - und setzte dazu die Worte: „Ich liebe Texas.“ Bei seinem Aufritt in Michigan führte der Präsident ins Feld, seine Anhänger hätten den Biden-Bus „beschützen“ wollten.

Biden: Trumps Krisenmanagement „beinahe kriminell“

Sein Wahlrivale reagierte empört. Einen derartigen Vorfall habe es „noch nie“ gegeben - zumindest sei es noch nie vorgekommen, dass ein US-Präsident ein solches Geschehnis für eine „gute Sache“ halte, sagte Biden. Die Wahl steht stark unter dem Eindruck der Corona-Pandemie. Mit mehr als 230.000 Toten haben die USA Staaten die höchste Opferzahl weltweit zu beklagen. Biden bezeichnete Trumps Krisenmanagement am Wochenende als „beinahe kriminell“. Das Weiße Haus lieferte sich unterdessen öffentlichen Streit mit dem Seuchenexperten Anthony Fauci, der Trumps Beraterteam angehört. Dieser hatte in der „Washington Post“ das Krisenmanagement der Trump-Regierung harsch kritisiert und Bidens „ernsthafte“ Haltung zu der Pandemie gelobt. Ein Trump-Sprecher wies Faucis Äußerungen als „inakzeptabel“ zurück.

AFP