20. Agust 1974: Türksiche Zyprioten begrüßen türkische Soldaten. (AA)

Am Dienstag ist der 47. Jahrestag der zyprischen Friedensoperation. Durch die Intervention der Türkei am 20. Juni 1974 wurde den zyperngriechischen Übergriffen auf die türkische Minderheit ein Ende gesetzt. Infolge der Gewaltausbrüche waren über 2000 Menschen ums Leben gekommen, 400 weitere werden noch vermisst.

Vor dem Hintergrund der diesjährigen Gedenkfeiern reiste der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan bereits am Montag in die Türkische Republik Nordzypern (TRNZ). Der Staatsbesuch gilt als Demonstration der Unterstützung für eine Zwei-Staaten-Lösung auf der seit Jahrzehnten geteilten Insel, die insbesondere von 1963 bis zur türkischen Friedensoperation 1974 als Schauplatz zyperngriechischer Übergriffe galt.

Radikalisierung der Zyperngriechen
Die Insel Zypern war über 300 Jahre lang Teil des Osmanischen Reiches, bis sie 1878 unter die Verwaltung von Großbritannien kam. 1914 wurde Zypern durch die Briten annektiert.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Ruf nach der sogenannten Enosis, der Angliederung Zyperns an Griechenland, zunehmend lauter. Die Zyperngriechen beanspruchten die Insel für sich und ignorierten weitgehend die Rechte sowie Forderungen der zyperntürkischen Minderheit, die in Enklaven gedrängt wurde.

Infolge der fortschreitenden ideologischen Radikalisierung wurde die griechisch-zypriotische Terrororganisation EOKA gegründet. Die EOKA wollte mit Gewalt die Vereinigung mit Griechenland erzwingen. So verübten Mitglieder unter anderem am 1. April 1955 mehrere Terroranschläge gegen zahlreiche Regierungseinrichtungen der Briten auf der Insel.

14. August 1974: Menschen stehen vor einem Massengrab, in dem 126 türkische Zyprer begraben wurden. (AA)

Hunderte zyperntürkische Opfer Die Konflikte führten 1959 zur Unterzeichnung der Zürcher und Londoner Abkommen, worin die Unabhängigkeit Zypern beschlossen wurde. Neben der Türkei wurden Griechenland und Großbritannien als Garantiemächte Zyperns festgelegt. 1960 wurde die Insel schließlich unabhängig. Das Amt des Präsidenten war dabei stets einem Zyperngriechen vorbehalten, das des Vizepräsidenten einem Zyperntürken. So sollte eine politische Gleichberechtigung für beide Seiten geschaffen werden. Mit der Unabhängigkeit der Insel ging jedoch eine noch intensivere Unterdrückung der türkischen Minderheit einher. Insbesondere von 1963 bis 1974 waren diese einer permanenten Bedrohung durch die griechische Seite ausgesetzt, die die politische Oberhand erlangen wollte. Die Lebensumstände in den türkischen Enklaven auf der Insel waren miserabel. Die wirtschaftliche und politische Ausgrenzung der Zyperntürken nahm immer weiter zu. Die Türkei unterstützte die Menschen mit humanitären Hilfslieferungen. In dieser Zeitspanne kam zu Gewaltexzessen, die sich bis heute in das Bewusstsein der Insel einprägten: Das sogenannte blutige Weihnachten 1963 sorgte weltweit für Entsetzen. Nachdem die türkische Seite einen Vorschlag des Präsidenten Erzbischof Makarios zur Verfassungsänderung abgelehnt hatte, führten zyperngriechische Polizeikräfte am 21. Dezember ein Massaker an türkischen Zyprern durch. Die Gewalt hielt auch in der Folgezeit an. Hunderte Menschen verloren ihr Leben.

Putschversuch der ultranationalistischen Enosis-Anhänger

1974 kam es schließlich zum Höhepunkt der maximalistischen Bestrebungen der Zyperngriechen: Am 15. Juli stürzte das ultranationalistische EOKA-Mitglied Nikos Sampson mit der Rückendeckung der Zyprischen Nationalgarde und der griechischen Militärjunta in Athen die Regierung von Erzbischof Makarios. Dieser hatte sich von der Enosis-Ideologie zunehmend distanziert und strebte die Unabhängigkeit Zyperns an. Sampson soll sich später damit gerühmt haben, 200 türkische Frauen und Kinder umgebracht zu haben.

Nach der Machtübernahme des Ultranationalisten Sampson drohte sich die Situation der türkischen Zyprer weiter zu verschlechtern. Die Putschisten beanspruchten die Oberhoheit über die Insel. Als offizielle Schutzmacht aktivierte die Türkei daraufhin zunächst die diplomatischen Kanäle und führte am 17. und 18. Juli Gespräche mit Großbritannien. Griechenland, beflügelt durch den Putsch Sampsons, lehnte eine Teilnahme ab.

20. August 1974: Zyperntürken begrüßen türkische Hilfstruppen. (AA)

„Zyprische Friedensoperation“ Nachdem Großbritannien sich geweigert hatte, einem gemeinsamen Vorgehen mit Ankara gegen den Putsch zuzustimmen, entschied sich die Türkei als verantwortliche Garantiemacht, zum Schutz der zyperntürkischen Minderheit zu intervenieren.

Der damalige türkische Ministerpräsident Bülent Ecevit verkündete die zyprische Friedensoperation am 20. Juli 1974 mit den historischen Worten: „Wir begeben uns nicht für den Krieg, sondern für den Frieden auf die Insel. Und wir wollen nicht nur für die türkischen, sondern auch für die griechischen Zyprer den Frieden etablieren.“ Infolge der türkischen Intervention konnte der Verfolgung der türkischen Minderheit ein Ende gesetzt werden. Die Operation führte zur Teilung der Insel. Die zyperntürkische Minderheit war aufgrund der Vertreibung in nördliche Regionen gedrängt worden, wo 1983 die Türkische Republik Nordzypern gegründet wurde.

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