Ein Schiff der türkischen Küstenwache patrouilliert in der Ägäis vor der türkischen Küste.

Die Türkei hat Griechenland für den Fall einer Ausdehnung seiner Territorialgewässer in der Ägäis vor einer militärischen Auseinandersetzung gewarnt. „Wenn das kein Kriegsgrund ist, was denn sonst?“, sagte Vizepräsident Fuat Oktay der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu zufolge am Samstag. „Das wäre ein Grund für einen Krieg, der Casus Belli“, sagte der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu.

Der griechische Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis hatte am Mittwoch im Parlament erklärt, Griechenland dehne seine Hoheitszone im - Italien zugewandten - Ionischen Meer von sechs auf zwölf Seemeilen aus. In Seegebieten, wo andere Staaten mehr als 24 Seemeilen entfernt seien, könne dies möglicherweise ebenfalls geschehen.

Oktay erklärte, Ankara werde seine Rechte zur See ungeachtet aller Kosten verteidigen. Er rief zudem die EU auf, „fair“ zu sein. Die Europäische Union sei kein internationales Gericht, das bestimme, was Recht und Unrecht sei. Die EU-Außenminister hatten am Freitag mit Strafmaßnahmen gegen die Türkei gedroht.

Bereits 1995 hatte das türkische Parlament eine Ausdehnung der griechischen Hoheitsgewässer in der Ägäis zum Kriegsgrund für die Türkei erklärt. Denn dann würde die Ägäis wegen der zahlreichen griechischen Inseln quasi zu einer griechischen See.

Die Spannungen zwischen den beiden Mitgliedsstaaten der Nato und der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) sind über einen Streit um unterseeische Rohstoffe stark gestiegen. Im östlichen Mittelmeer werden große Erdgasvorkommen vermutet, und die Türkei erkundet den Untergrund in Seegebieten, die auch vom griechischen Teil Zyperns oder Griechenland beansprucht werden. Die griechischen und türkischen Streitkräfte halten Manöver in der Region ab. An den griechischen Manövern beteiligte sich insbesondere Frankreich, an türkischen Übungen die US-Marine.

Am Freitag erklärte die Türkei, sie habe östlich von Zypern sechs griechische F-16-Kampfflugzeuge abgefangen. Zuvor hatte sie die Arbeit ihres seismischen Erkundungsschiffes „Oruç Reis“ dort um fünf Tage bis zum 1. September verlängert. Am Samstag kündigte Ankara neue Schießübungen im östlichen Mittelmeer vor der türkischen Südküste an.

DPA