Gesundheitsministerium in der Türkei: Anzeichen von Normalität - zwei von drei Corona-Patienten geheilt

Am Montag haben Menschen im ganzen Land einen Einblick bekommen, wie sich das Leben in den kommenden Monaten gestalten wird. Einkaufszentren und Schönheitssalons wurden wieder eröffnet, nachdem sie über einen Monat wegen der Coronavirus-Pandemie geschlossen waren. Mit einer zunehmend sinkenden Zahl von Covid-19-Fällen kehrt zugleich schrittweise wieder Normalität ein.

Nachdem das Gesundheitsministerium bekanntgegeben hatte, der Ausbruch sei unter Kontrolle, brachte Ankara einen Lockerungsplan für die Coronavirus-Maßnahmen auf den Weg. Auch einige Geschäfte wurden wiedereröffnet.

Zahl der Neuinfizierungen rückläufig

Seit dem 22. April ist die Zahl der neuen Fälle rückläufig. Sie fiel auf 1.542 (Stand: 10.5.). Am 11. April war mit 5.138 Neuinfizierungen der Höhepunkt erreicht worden.

Nach den neuesten Angaben des Gesundheitsministeriums vom Sonntag haben sich in den vergangenen 24 Stunden 3.211 Menschen von der Covid-19-Erkrankung erholt. Insgesamt sind 92.691 Personen, etwa zwei Drittel, wieder genesen. Am Sonntag lag die Zahl der Covid-19-Fälle bei 138.657.

Nicht nur die Zahl der neuen Fälle ist rückläufig, sondern auch die der täglichen Todesfälle. Mit 47 registrierten Todesfällen am Sonntag ist das zugleich die niedrigste Zahl seit dem 1.April.

„Die Zahl der genesenen Patienten wird bald 100.000 erreichen. Neue Fälle und Todesfälle werden weiter zurückgehen", schrieb Gesundheitsminister Fahrettin Koca auf Twitter. Er forderte die Menschen auf, sich vor den Gefahren des Virus zu hüten und die Richtlinien zu befolgen.

Zusammen mit anderen Experten hat Koca die Bürger in der Vergangenheit wiederholt gewarnt, die Bedrohung sei nicht vorbei. Vielmehr beginne ein neuer Lebensstil, an den sich die Menschen anpassen müssten.

Einkaufen und ein Haarschnitt

Die Wiedereröffnung von Einkaufszentren und Friseursalons war wahrscheinlich das wichtigste Signal dafür, dass teilweise wieder Normalität in der Türkei herrscht. Nachdem die Menschen sich monatelang in ihre Wohnungen zurückziehen mussten, durften sie sich nun nach langer Zeit wieder die Haare schneiden lassen und Einkaufszentren besuchen. Für viele einst Dreh- und Angelpunkte sozialer Zusammenkünfte.

Einkaufszentren und Salons dürfen  nur unter strengen Auflagen öffnen AA

Die Einkaufszentren und Salons durften nur unter strengen Auflagen wieder öffnen. In Übereinstimmung mit dem den Vorgaben des türkischen Gesundheitsausschusses listete das Innenministerium eine Reihe verbindlicher Vorsichtsmaßnahmen auf. Sie müssen befolgt werden, um das Infektionsrisiko zu verringern. Das Ministerium forderte entsprechende Dienstleister auf, nur Kunden mit Terminen zu akzeptieren. Während der Arbeit muss zudem entsprechende Schutzkleidung getragen werden. Die Verwendung von Rasierapparaten ist untersagt. Abhängig von der Größe darf nur eine bestimmte Anzahl von Kunden in die Einkaufszentren gelassen werden. Jeder muss beim Eintritt seine Temperatur messen lassen. Das Tragen von Masken ist an solchen Orten obligatorisch. Trotz strenger Regeln schienen die Menschen sich nicht davon abzuhalten, sich die Nägel machen zu lassen oder ihre Lieblingseinkaufszentren zu besuchen. Es entstanden landesweit lange Schlangen vor den Geschäften. Die Schönheitssalons sind für die nächsten paar Tage ausgebucht. Gesundheitsausschuss mahnt zu Vorsicht „Wir müssen überall soziale Distanzierungsregeln befolgen. Die Praxis der sozialen Distanzierung ist die neue Normalität. (…) Wir müssen in Innenräumen einen Abstand von mindestens einem Meter voneinander halten", sagt Professorin Selma Metintaş, Mitglied des türkischen Gesundheitsausschusses. Beim Besuch öffentlicher Plätze sei es wichtig, sich regelmäßig die Hände zu waschen, erklärt Metintaş. Jeder solle ein Desinfektionsmittel im Taschenformat bei sich tragen - für den Fall, dass keine Möglichkeit zum Händewaschen zur Verfügung stehe. „Die Rückkehr zur Normalität wird niemals bedeuten, in die Zeit vor dem Ausbruch zurückzukehren. Bis ein Impfstoff gefunden ist, werden die Vorsichtsmassnahmen je nach Umstand erweitert." Reisebeschränkungen Da das Ramadanfest, auch als Eid al-Fitr bezeichnet, näher rückt, hoffen die Bürger auf die Aufhebung der Reisbeschränkungen. Sie wollen die Festtage in der Heimat verbringen, wie auch in den Jahren zuvor. Ankara hatte zunächst den Reiseverkehr in 31 Städten beschränkt. Ein- und Ausreisen auf dem Land-, Luft- und Seeweg wurden untersagt – davon ausgenommen sind der Warenverkehr und das Personal im öffentlichen Dienst. Die Reisebeschränkung wurde erstmals am 17. März für 15 Tage verhängt und später zweimal verlängert. Im Zuge der Verbesserung der Situation beschloss die Regierung, die Beschränkungen für die Provinzen Antalya, Aydın, Erzurum, Hatay, Malatya, Mersin und Muğla aufzuheben. Das Verbot wurde für die übrigen 24 Städte beibehalten - darunter auch die Hauptstadt Ankara sowie Istanbul, das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum des Landes. Die jüngste Verlängerung läuft nächste Woche aus. Zum Ramadanfest wird eine Aufhebung der Beschränkungen erwartet.

TRT Deutsch