Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan spricht auf der 76. Sitzung der UN-Generalversammlung in New York City, USA, am 21. September 2021.  (Reuters)

Die Türkei erwägt trotz Einwände der USA den Kauf eines zweiten russischen Luftabwehrsystems. Die Türkei werde unabhängig entscheiden, welche Verteidigungssysteme für die Landesverteidigung erworben würden, betonte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan in einem am Sonntag ausgestrahlten Interview mit dem US-Sender CBS.

„In Zukunft wird sich niemand mehr einmischen können, wenn es darum geht, welche Art von Verteidigungssystemen wir (...) von welchem Land erwerben“, sagte Präsident Erdoğan in Bezug auf den Erwerb des S-400-Systems aus Russland. „Niemand kann sich da einmischen. Wir sind die Einzigen, die solche Entscheidungen treffen.“

Der Türkei sei nicht die Möglichkeit gegeben worden, alternative Patriot-Luftabwehrsysteme aus US-Produktion zu kaufen. Die USA hätten zudem die Türkei aus dem F-35-Kampfjet-Projekt ausgeschlossen und trotz einer Zahlung von 1,4 Milliarden Dollar keine F-35 geliefert . „Wir haben beantragt, Patriots zu erwerben, aber wir haben nie Patriots bekommen“, unterstrich das Staatsoberhaupt im CBS-Interview.

Türkei: S-400 wird nicht ins NATO-System integriert

Neben dem Ausschluss des NATO-Partners Türkei aus dem F-35-Programm waren auch Personen aus dem türkischen Verteidigungssektor sanktioniert worden, weil Ankara das russische Raketenabwehrsystem S-400 gekauft hatte.

Die USA lehnen den Einsatz russischer Systeme innerhalb der NATO ab und sehen darin eine Bedrohung für die F-35-Jets. Die Türkei argumentiert: Die S-400-Systeme könnten eingesetzt werden, ohne in die NATO-Systeme integriert zu werden, und stellten daher keine Gefahr dar.

Das Thema ist einer von mehreren Punkten, die die türkisch-amerikanischen Beziehungen seit Jahren belasten. Zu den Spannungsfeldern zählt zudem die Unterstützung der USA für den syrischen Ableger der PKK-Terrorgruppe (YPG).

Hinzu kommt die Beherbergung des Führers der Fetullahistischen Terrororganisation (FETÖ), Fetullah Gülen, in den USA. Ihm wird die Hauptverantwortung für den vereitelten Putschversuch von 2016 in der Türkei vorgeworfen. Der türkische Sicherheitsrat bezeichnet die FETÖ als eine der größten Bedrohungen für die nationale Sicherheit.

TRT Deutsch