Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan bei einer Rede in Izmir. 


Die Türkei hat der Europäischen Union in der Flüchtlingsfrage Doppelmoral vorgeworfen. In der Migrationskrise werde zwar Griechenland unterstützt, aber die Verantwortung für vier Millionen Flüchtlinge, die die Türkei bislang aufgenommen hat, wolle der Staatenblock nicht teilen, kritisierte Präsident Recep Tayyip Erdoğan bei einer Rede in der Provinz Izmir am Montag.

„Während die EU Griechenland (...) für 100.000 Geflüchtete 3 Milliarden Euro Hilfe geleistet hat, entzieht sie sich ihrer Verantwortung für die 4 Millionen Flüchtlinge in der Türkei“, sagte das türkische Staatsoberhaupt auf einer Konferenz zum Thema Migration an einer Universität in Izmir.

Der versprochene Betrag von sechs Milliarden Euro, der der Türkei im Rahmen eines Hilfsabkommens von März 2016 hätte bereits zugewiesen werden müssen, sei immer noch nicht vollständig freigegeben, erinnerte er.

Das Staatsoberhaupt beanstandete, dass Flüchtlinge entlang der türkisch-griechischen Grenze von griechischen Sicherheitskräften offen verfolgt werden. Pushbacks und ähnliche Vorfälle führen in der Region immer wieder zu beschämenden Szenen.

„Die Menschlichkeit hat nicht nur im Mittelmeer versagt, sondern auch in der Ägäis und am Fluss Meriç“, sagte der türkische Präsident und wies dabei auf die Vorfälle am Fluss Evros hin. Präsident Erdoğan betonte, dass die griechische Küstenwache allein im Jahr 2020 rund 9000 Fälle von illegalen Pushbacks in der Ägäis begangen habe.

„Was in Syrien passiert ist, hat uns gezeigt, dass das Erhöhen der Mauern, das Umzäunen der Grenzen mit Stacheldraht oder sogar das Versenken der Boote von Migranten keine Lösungen sind“, betonte Erdoğan.

Seit über 500 Jahren heiße das türkische Volk Flüchtlinge willkommen und nehme Migranten aus verschiedenen Kulturen und Religionen auf, sagte der türkische Präsident. „Wir haben niemanden abgewiesen, der wegen seiner ethnischen Identität, Religion, Kultur, Gesinnung oder Sekte an unsere Grenzen kam.“

Die Türkei beherbergt rund vier Millionen Flüchtlinge, mehr als jedes andere Land der Welt. Sie ist ein wichtiger Transitpunkt für Asylsuchende auf dem Weg nach Europa, insbesondere für jene, die vor Krieg und Verfolgung fliehen.

TRT Deutsch