Das türkische Forschungsschiff „Oruç Reis“ im Mittelmeer

Griechenland und die Türkei nehmen am Montag nach fünf Jahren Pause wieder Sondierungsgespräche zur Beilegung des Erdgasstreits im östlichen Mittelmeer auf. Die 61. Runde der Beratungen läuft in Istanbul. Nach Medienberichten leitet der stellvertretende Außenminister Sedat Önal die türkische Delegation, der Diplomat Pavlos Apostolidis die griechische.

Zwischen den beiden Nachbarländern schwelt seit Monaten ein Konflikt um Erdgasvorkommen im Mittelmeerraum. Im vergangenen Jahr wäre der Streit fast militärisch eskaliert. EU-Mitglied Griechenland behauptet, die Türkei suche in Meeresgebieten nach Erdgas, die angeblich nach internationalem Seerecht nur von Griechenland ausgebeutet werden dürften. Nach Lesart Ankaras gehören diese Gebiete zum türkischen Festlandsockel. Der Streit belastete auch die Beziehungen zwischen der EU und Türkei - Brüssel hatte Sanktionen verhängt, härtere Strafmaßnahmen blieben jedoch aus.

Die Seegrenzen der Türkei im östlichen Mittelmeer TRT Deutsch

Der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu traf sich vergangene Woche während eines zweitägigen Besuchs in Brüssel mit mehreren Spitzenvertretern der EU. Es sei wichtig, eine positive Atmosphäre in den Beziehungen zwischen der Türkei und der EU zu schaffen, sagte der türkische Diplomat. Doch dafür seien konkrete Schritte nötig. EU-Außenpolitikchef Josep Borrell erklärte auf einer Konferenz mit Çavuşoğlu: „Obwohl das letzte Jahr für die Beziehungen zwischen der EU und der Türkei kompliziert war, hat es 2021 bereits eine Verbesserung und einige wichtige Schritte gegeben.“ Das Treffen mit dem türkischen Außenminister sei schon mal „ein wichtiger Schritt“ gewesen, um gemeinsame strategische Interessen zu erörtern. Erste Sondierungsgespräche zwischen Ankara und Athen waren im Februar 2002 geführt worden. Anschließend gab es rund 60 Treffen bis zum Jahr 2016. Traditionell geben beide Seiten offiziell nichts von Stand und Entwicklung der Gespräche preis. Bisher sind sich die Konfliktparteien nicht einmal darüber einig, was sie besprechen wollen. Geht es nach der Türkei, sollen alle strittigen Themen auf den Tisch kommen, darunter die jeweiligen Hoheitsgebiete und Ausschließlichen Wirtschaftszonen in der Ägäis sowie die Entmilitarisierung griechischer Inseln vor der türkischen Küste sowie die Differenzen über die jeweilige Ausdehnung des Luftraums. Athen hingegen stellt sich quer und will nur über den anhaltenden Erdgaskonflikt im östlichen Mittelmeer verhandeln.

TRT Deutsch und Agenturen