Der Ständige Vertreter der Türkei bei der EU, Botschafter Mehmet Kemal Bozay (AA)
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Die Türkei erwartet angesichts der am Sonntag entschiedenen Bundestagswahl auch von der neuen deutschen Regierung, dass sie die Bedeutung der Beziehungen Ankaras mit der Europäischen Union versteht und richtig einordnet. „Wir erwarten, dass die neue Regierung erkennt, dass die Türkei mit der EU verbunden bleiben muss und dass die EU mit der Türkei stärker sein wird“, sagte Mehmet Kemal Bozay, Ankaras Botschafter bei der Europäischen Union, am Donnerstag in einem virtuellen Seminar zu möglichen Auswirkungen der jüngsten Bundestagswahl. Die Zusammenarbeit der Türkei mit Deutschland, das eine treibende Kraft in der EU bleibt, werde sehr wichtig und entscheidend sein, so der Diplomat. Die scheidende deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel habe trotz einiger Probleme sehr gute Beziehungen zur Türkei unterhalten und eine Politik verfolgt, die im Interesse beider Länder gewesen sei. Gute Beziehungen mit der Bundesregierung unter Merkel Deutschland und Merkel hätten eine wichtige Rolle bei der Entschärfung der Spannungen im östlichen Mittelmeerraum im vergangenen Jahr sowie bei der Migrationskrise im Jahr 2015 gespielt, sagte Bozay. Die Türkei und die EU hätte zudem während ihrer Amtszeit eine „positive Agenda“ verbunden. Bozay sagte, es sei zu erwarten, dass die neue deutsche Regierung eine Haltung gegenüber der Türkei einnehmen werde, die mit der derzeitigen Haltung des Landes übereinstimme. „Wir können davon ausgehen, dass die neue Koalitionsregierung, die in Deutschland gebildet werden soll, nicht auf eine große und plötzliche Änderung der Beziehungen zur Türkei drängen wird“, sagte er. Der Gesandte sagte auch, die Türkei werde ihr aktives Engagement für gute Beziehungen mit der neuen Regierung fortsetzen und weiterhin „in regionalen und anderen Fragen zusammenarbeiten“. „Berlin wird Ankaras wichtigster Handelspartner bleiben“ Der Diplomat betonte auch, dass Berlin Ankaras wichtigster Handelspartner bleibe und die Zusammenarbeit zwischen deutschen und türkischen Unternehmen von entscheidender Bedeutung sei, unter anderem auch, um die Ziele der „grünen Transformation“ zu erreichen. Zur Frage der Aktualisierung des Abkommens über die Zollunion zwischen der Türkei und der EU sagte Bozay, es gebe politische und wirtschaftliche Hindernisse, die überwunden werden müssten. Die Verhandlungen zu diesem Thema unter den derzeitigen Bedingungen könnten bald beginnen, sie würden aber „wahrscheinlich zwei bis drei Jahre“ dauern.

TRT Deutsch