Archivbild: Bundeskanzlerin Angela Merkel während der gemeinsamen Pressekonferenz mit dem polnischen Regierungschef Mateusz Morawiecki

Polens Regierungschef Mateusz Morawiecki hat nach den Äußerungen von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zur Ostseepipeline Nord Stream 2 an die Reparationsforderungen seines Landes erinnert. Er freue sich über Steinmeiers Bekenntnis, dass die Folgen des Zweiten Weltkriegs Einfluss auf heutige politische und wirtschaftliche Entscheidungen haben können, schrieb Morawiecki am Freitag auf Facebook. „Polen hat niemals Reparationen erhalten – trotz schrecklicher Zerstörung durch Nazi-Deutschland. Sechs Millionen Polen wurden ermordet. Tausend Städte und Dörfer dem Erdboden gleichgemacht, darunter Polens Hauptstadt Warschau.“ Dazu postete Morawiecki ein Bild von der völlig zerstörten Stadt.

Steinmeier hatte sich am Wochenende in den Streit um Nord Stream 2 eingeschaltet und die Gasfernleitung mit dem Argument verteidigt, dass die Energiebeziehungen fast die letzte verbliebene Brücke zwischen Russland und Europa seien. Er wies in einem Interview der „Rheinischen Post“ darauf hin, dass Deutschland dabei auch die historische Dimension im Blick behalten müsse, und erinnerte an den deutschen Überfall auf die Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg. „Mehr als 20 Millionen Menschen der damaligen Sowjetunion sind dem Krieg zum Opfer gefallen. Das rechtfertigt kein Fehlverhalten in der russischen Politik heute, aber das größere Bild dürfen wir nicht aus dem Blick verlieren“, sagte Steinmeier. Auch in der Ukraine hatten die Aussagen Verärgerung ausgelöst.

Kritik an Nord Stream 2: Schadet der europäischen Solidarität

Polens nationalkonservative Regierungspartei PiS hat in den vergangenen Jahren die Frage der Reparationen für die von den deutschen Besatzern verursachten Kriegsschäden wieder auf den Tisch gebracht. Die Bundesregierung lehnt jegliche Reparationsforderungen ab. Für sie ist die Frage mit dem Zwei-plus-Vier-Vertrag über die außenpolitischen Aspekte der deutschen Einheit abgeschlossen.

Morawiecki schrieb weiter, man erinnere sich noch an die Rede, die Steinmeier bei der Gedenkfeier zum 80. Jahrestag des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs in Warschau gehalten habe. „Es fielen dabei Worte von Erinnerung, Verantwortung und Vergebung.“ Steinmeier habe auch gesagt, er stehe „barfuß“ vor dem polnischen Volk.

Der Bau von Nord Stream 2 sei aber keine Entschädigung, sondern schade der europäischen Solidarität. „Der Bau von Brücken zwischen Europa und Russland darf sich nicht über den Köpfen von Mittel- und Osteuropa abspielen“, kritisierte Morawiecki. Sonst erinnere das mehr ans Verminen einer Brücke als an ihre Verstärkung.

DPA