17.02.2021, Österreich, Wien: Rudolf Anschober (Grüne, l), Gesundheitsminister von Österreich, und Gernot Blümel (ÖVP), Finanzminister von Österreich, nehmen an einer Pressekonferenz nach einer Sitzung des Ministerrates teil.

Bei einer Hausdurchsuchung wegen Korruptionsverdacht könnte die Frau des österreichischen Finanzministers Gernot Blümel womöglich wichtige Daten vom gemeinsamen Laptop gelöscht haben. Kurz vor der Durchsuchung am 11. Februar habe sie von ihrem Ehemann einen Anruf erhalten und sich mit Baby im Kinderwagen und dem Laptop kurzerhand für einen Spaziergang entschieden. Das berichtete der „Kurier“ am Donnerstag.

Im Interview mit der „Kronen Zeitung“ kommentierte der Politiker den Vorgang mit folgenden Worten: „Ich durfte vorher noch meine Frau anrufen, wir haben ja ein kleines Kind zu Hause, das hat geschlafen. Ich hab ihr gesagt, dass ich jetzt mit einigen freundlichen Menschen vorbeikomme. Meine Frau ist dann mit unserer Tochter spazieren gegangen.“

Im Raum steht die Frage, ob der Laptop absichtlich mitgenommen wurde, damit die Ermittlungsbehörden keinen Zugang zu etwaigen kompromittierenden Inhalten erhalten konnten. Die Opposition will diese Möglichkeit nicht ausschließen. Das Büro des ÖVP-Politikers weist die Behauptungen jedoch zurück.

Laut Durchsuchungs- und Sicherstellungsprotokoll verließ die Ehefrau des Finanzministers das Haus um 9.43 Uhr – an die Polizei abgegeben wurde das Gerät um 10.36 Uhr. Gegenüber dem „Kurier“ bestätigte der IT-Experte Markus Häfele von Attingo, einem Wiener Unternehmen für Datenrettung, dass dieser Zeitraum für die Löschung des gesamten Laptop-Inhalts ausgereicht hätte. Offenbar war Blümels Kabinettschef zur Hilfe geeilt, schrieb „Der Standard“. Aus dem Protokoll geht hervor: „Um 10.36 Uhr wurde das Macbook dann durch Mag. Clemens-Wolfgang Niedrist in der Wohnung übergeben.“

Österreichs Finanzminister Gernot Blümel war im Zusammenhang mit einer möglichen Parteispendenaffäre ins Visier der Behörden geraten und Ziel einer Hausdurchsuchung geworden. Nach einem Gespräch mit dem Staatsanwalt sei ihm bestätigt worden, dass er als Beschuldigter geführt werde. Er habe bei einer Hausdurchsuchung Unterlagen und elektronischen Geräte zur Verfügung gestellt.

„Jetzt kenne ich die Vorwürfe und diese lassen sich in wenigen Worten aufklären. Spenden von Glückspielunternehmen hätten und haben wir nie angenommen, schon gar nicht, wenn noch zusätzlich eine Gegenleistung im Raum stünde“, hatte Blümel im Februar gesagt. Die Spendenlisten der ÖVP seien öffentlich und für jeden einsehbar. Vom Glücksspielkonzern Novomatic seien keine Spenden angenommen worden, hieß es in dem Statement des Ministers. „Ich bin jederzeit bereit, alles weitere Notwendige beizutragen, um eine schnelle Aufklärung zu ermöglichen und die falschen Vorwürfe zu widerlegen.“

TRT Deutsch