Symbolbild. (DPA)
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Die EU-Kommission will bei einem vollständigen Ausfall russischer Gaslieferungen einem Medienbericht zufolge die Preise für Verbraucher notfalls deckeln. Sie schlägt den Mitgliedstaaten vor, in diesem Fall eine Preisobergrenze für Erdgas einzuführen, wie aus einem entsprechenden Kommissionspapier zu „kurzfristigen Energiemarkt-Interventionen“ hervorgeht, das der „Welt am Sonntag“ vorliegt. Sogar schon vor einer akuten Mangellage soll es EU-Mitgliedsstaaten erlaubt sein, „die Verbraucherpreise für eine Übergangszeit staatlich zu regulieren“, heißt es darin.

Mit der Deckelung sollen die Abnehmer vor einer Kostenexplosion geschützt werden. „Die Finanzierung dieser Intervention erfordert signifikante Summen“, warnt jedoch die EU-Kommission. Zudem dürfe die Preisobergrenze auch nicht so strikt ausfallen, dass Europa für die Belieferung mit Flüssiggas per Tanker nicht mehr attraktiv genug wäre. Spanien und Portugal haben bereits Preisobergrenzen

Spanien und Portugal, die vor allem per Schiff und aus Nordafrika beliefert werden, haben bereits Preisobergrenzen eingeführt. Ihr Markteingriff wird durch den EU-Plan nun legitimiert. In Kreisen der Bundesregierung sieht man Preisobergrenzen laut „Welt am Sonntag“ allerdings kritisch. „Eine durchgesetzte Preisobergrenze an der Börse dürfte dazu führen, dass der Börsenhandel versiegt, denn niemand kann gezwungen werden, Angebote zu einem bestimmten Preis zu machen“, warnte ein hoher Beamter in Berlin.

Wirtschaftsforscher sehen die EU-Vorschläge ebenfalls skeptisch: „Preisobergrenzen sind immer gut gemeint, aber untauglich, denn sie können nicht helfen, Knappheitssituationen zu beseitigen“, sagte Manuel Frondel vom RWI Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung.

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DPA