Eine Bäckerei im abgeriegelten Gazastreifen. 

Das Coronavirus ist auch im von Israel blockierten Gazastreifen angekommen: Bei zwei Palästinensern wurde das Virus Sars-CoV-2 nachgewiesen. Es handele sich um zwei Rückkehrer aus Pakistan, teilte das Gesundheitsministerium in der Nacht zum Sonntag mit. Eine starke Ausbreitung in dem dicht besiedelten Küstenstreifen, in dem zwei Millionen Menschen unter kritischen Umständen leben, gilt als Horrorszenario.

Nach Angaben von Jussef Abu al-Risch, Generaldirektor des Gesundheitsministeriums in Gaza, reisten die Infizierten über Ägypten in das Palästinensergebiet ein. Sie seien in einer Anlage am Rafah-Grenzübergang unter Quarantäne gestellt worden.

Rund zwei Millionen Palästinenser leben unter inhumanen Bedingungen in dem Küstenstreifen am Mittelmeer. Israel hatte 2007 die Blockade des Gazastreifens verschärft, die inzwischen von Ägypten mitgetragen wird. Beide Länder begründen die Maßnahme mit „Sicherheitserwägungen“.

Israel riegelt auch Westjordanland ab

Israel hat nach eigenen Angaben aufgrund des Coronavirus alle Palästinensergebiete abgeriegelt. Aus dem Westjordanland und dem Gazastreifen dürften nur noch Menschen „aus humanitären Gründen“ nach Israel einreisen, teilte die israelische Behörde Cogat der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch mit. Zuvor sei einer gewissen Zahl von Palästinensern mit israelischem Arbeitsvisum erlaubt worden, für ein oder zwei Monate nach Israel zu kommen. Es handele sich etwa um Bauarbeiter oder Arbeiter in der Landwirtschaft.

Nach Informationen der dpa handle es sich dabei um rund 70.000 Palästinenser aus dem Westjordanland, die noch in Israel arbeiten dürften. Für ihre Unterkunft in den kommenden Wochen in Israel ist nach Angaben von Cogat der jeweilige Arbeitgeber verantwortlich. Wer früher ins Westjordanland zurückkehre, dürfe anschließend nicht mehr nach Israel einreisen. Im Westjordanland gibt es bisher über 50 bekannte Infektionsfälle mit dem Coronavirus.

Die palästinensische Stadt Bethlehem mit der bekannten Geburtskirche ist bereits seit Anfang März nach der Entdeckung erster am Coronavirus Erkrankter abgeriegelt.

Auch die Al-Aksa-Moschee in Jerusalems Altstadt, die drittheiligste Stätte des Islams, soll wegen der Ausbreitung des Coronavirus vorerst geschlossen bleiben. Muslime könnten auf dem Tempelberg (Al-Haram al-Scharif/ Das edle Heiligtum) vorerst im Freien beten, erklärte Scheich Omar al-Kiswani, Leiter der Al-Aksa-Moschee, am Sonntag. Man habe als Vorsichtsmaßnahme auch den Felsendom geschlossen. Die Tore zu der gesamten Anlage, dem Tempelberg, sollten aber für Betende geöffnet bleiben, sagte er.

Israel hat im Sechstagekrieg 1967 unter anderem das Westjordanland, Ost-Jerusalem und den Gazastreifen annektiert. Die Palästinenser fordern die Gebiete für einen eigenen Staat Palästina mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt.

Ausgangssperre und Knesset-Schließung

Auch die israelischen Gebiete sind im Ausnahmezustand. Israel hat eine weitgehende Ausgangssperre im Kampf gegen das Coronavirus verhängt. Die Notstandsverordnungen sollen zunächst für eine Woche gelten. Die Regierung verabschiedete die Anordnungen einstimmig in der Nacht zum Freitag, wie das Büro von Premierminister Benjamin Netanjahu mitteilte.

Damit sollen die Menschen ihre Häuser nicht mehr verlassen. Ausnahmen gelten für den Kauf von Lebensmitteln, den Gang zum Arzt sowie den Weg zur Arbeit und zurück. Versammlungen mit mehr als zehn Personen sind verboten. Schulen, Universitäten und Kindergärten sind geschlossen, ebenso Kinos, Theater, Gebetshäuser und Restaurants. Nach Angaben der Polizei können Menschen, die sich nicht an Quarantäne-Regeln halten, mit Strafen von umgerechnet knapp 1300 Euro belangt werden.

Zuvor hatte die israelische Regierung die vorübergehende Knesset-Schließung, den Einsatz der umstrittenen Telefon-Überwachungstechnologie sowie eine Einstellung der Gerichtssysteme beschlossen. Aus Protest gegen die drastischen Maßnahmen gingen am Donnerstag Hunderte Israelis auf die Straße und bildeten Auto-Konvois. Kritiker warfen Premierminister Benjamin Netanjahu Machtfestigung vor.

Israelische Sicherheitskräfte nehmen Demonstranten fest. Diese kritisieren die drastischen Corona-Maßnahmen Netanjahus. AP

Mossad bringt 100.000 Corona-Tests nach Israel

Derweil hat der israelische Geheimdienst Mossad 100.000 Coronavirus-Tests ins Land gebracht, teilte die Deutsche Presse-Agentur in Berufung auf Medienberichte am Donnerstag mit. Die Tests sollen auch aus einem Staat stammen, mit dem Israel keine diplomatischen Beziehungen hat. Weitere vier bis fünf Millionen Tests aus verschiedenen Ländern seien geplant, wie israelische Medien am Donnerstag berichteten. Allerdings habe das Gesundheitsministerium kritisiert, der Mossad habe nicht die ebenfalls notwendigen Stäbchen für den Abstrich mitgebracht.

Das Büro von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu teilte lediglich mit, Israel setze in der Coronakrise alle Fähigkeiten des Staates ein, daran sei auch der Mossad beteiligt. Zuletzt hatte es immer wieder Kritik an der Regierung gegeben, Israel teste schlicht zu wenig Menschen auf das Virus Sars-CoV-2.

Dem israelischen Gesundheitsministerium zufolge ist das Coronavirus mittlerweile bei über 900 Menschen in Israel nachgewiesen worden, ein Todesfall wurde gemeldet.

TRT Deutsch und Agenturen