Der frühere Renault- und Nissan-Chef Carlos Ghosn hat Japan verlassen und hält sich im Libanon auf.

„Ich bin jetzt im Libanon und werde nicht länger von einer manipulierten japanischen Justiz als Geisel genommen, wo Schuld vermutet wird, Diskriminierung grassiert und grundlegende Menschenrechte verweigert werden“, sagte Ghosn in einer kurzen Erklärung. „Ich bin nicht vor der Justiz geflohen – ich bin Ungerechtigkeit und politischer Verfolgung entkommen. Ich kann jetzt endlich frei mit den Medien kommunizieren und freue mich darauf, nächste Woche damit anzufangen.“ Sein Auftauchen in Beirut wirft Fragen darüber auf, wie einer der weltweit bekanntesten Führungskräfte nur Monate vor seinem Prozess unerkannt aus Japan ausreisen konnte. Der ehemalige Automanager besitzt neben der französischen auch die libanesische und brasilianische Staatsbürgerschaft. Weder sein Anwalt noch ein Sprecher der Staatsanwaltschaft in Tokio äußerten sich unmittelbar, als sie zuvor über Ghosns Aufenthaltsort befragt wurden. Ein Nissan-Sprecher lehnte einen Kommentar ab. Eine Sprecherin der libanesischen Botschaft in Tokio sagte: „Wir haben keine Informationen erhalten“. Ghosn steht in Japan unter Anklage wegen Untreue und finanziellen Fehlverhaltens beim japanischen Renault-Partner Nissan. Ihm wird vorgeworfen, sein Einkommen als zu niedrig angegeben, den Autobauer Nissan um fünf Millionen Euro geschädigt und sich persönlich bereichert zu haben. Ghosn hat die Vorwürfe zurückgewiesen. Der Libanon hat nach Angaben des japanischen Justizministeriums keinen Auslieferungsvertrag mit Japan. Es gilt daher als unwahrscheinlich, dass Ghosn gezwungen werden könnte, nach Tokio zurückzukehren, um sich vor Gericht zu verantworten.

Reuters