„Charlie Hebdo“ – Demonstration in Istanbul gegen Mohammed-Karikaturen

Rund 200 Demonstranten haben in Istanbul gegen die Wiederveröffentlichung umstrittener Karikaturen des Propheten Mohammed durch die französische Satire-Zeitung „Charlie Hebdo“ protestiert. Die Demonstration am Sonntag im europäischen Teil der Stadt richtete sich auch gegen den französischen Präsidenten Emmanuel Macron. Dieser werde einen „hohen Preis“ zahlen, hieß es auf Schildern. Der Chefredakteur des Fernsehsenders Kudus (Kudus bedeutet „Jerusalem“), Nureddin Şirin, beschuldigte Macron, „Beleidigungen des Islam“ zu unterstützen. Dabei benutze er die Pressefreiheit als „Ausrede“. Şirin warf dem französischen Staatschef auch „Arroganz“ in seiner Haltung zum Gasstreit im östlichen Mittelmeer vor. Macron hatte die Türkei am Donnerstag dazu aufgerufen, in ihrem Konflikt mit Griechenland um die Gasvorkommen „rote Linien“ nicht zu überschreiten. Außerdem hatte Frankreich zur Unterstützung Griechenlands seine Marinepräsenz im östlichen Mittelmeer verstärkt. Zu „Charlie Hebdo“ hatte Macron darauf hingewiesen, dass es in Frankreich das Recht auf Blasphemie gebe. Dieses sei durch die Gewissensfreiheit abgedeckt. Die Zeitung hatte die Mohammed-Karikaturen, wegen derer sie zur Zielscheibe eines blutigen Anschlags im Januar 2015 geworden war, aus Anlass des Prozesses gegen mutmaßliche Helfer der Attentäter Anfang September in einer Sonderausgabe erneut abgedruckt. Daraufhin hatte es bereits Proteste in Pakistan, im Iran und anderen islamischen Ländern gegeben. Die sogenannten Islamisten, die am 7. Januar 2015 den Anschlag auf „Charlie Hebdo“ in Paris verübt und dabei zwölf Menschen getötet hatten, hatten das Verbrechen mit den Karikaturen begründet. Die Zeichnungen zeigen unter anderem den Propheten Mohammed mit einer Bombe auf dem Kopf anstelle eines Turbans.

AFP