01. Juli 2019, Sachsen, Dresden: Eine Person steht mit einer weißen Rose vor einem Bild der ägyptischen Muslimin Marwa el-Sherbini während einer Gedenkzeremonie. (DPA)

Vor dem Hintergrund des Jahrestags der rassistischen Ermordung der Muslimin Marwa el-Sherbini hat eine zivilgesellschaftliche Allianz am Mittwoch mehr Beachtung für Islamfeindlichkeit in der Bundesrepublik gefordert. „Die Mehrheitsgesellschaft ist in puncto antimuslimischer Rassismus nicht genügend sensibilisiert“, erklärte eine Sprecherin der „CLAIM Allianz“. Das Netzwerk setzt sich gegen Islam- und Muslimfeindlichkeit ein.
Ein Projekt sei die Verbesserung der Datenlage zu islamfeindlichen Übergriffen. Im vergangenen Jahr habe es bundesweit 950 islamfeindliche Straftaten gegeben. Das gehe aus den Erhebungen des Innenministeriums hervor. „Das ist nur die Spitze des Eisbergs. Die Dunkelziffer schätzen Expert*innen achtmal so hoch ein“, sagte die Sprecherin. Aufgrund der bisher fehlenden Sensibilisierung könnten Sicherheitsbehörden antimuslimische Straftaten nicht immer erkennen und entsprechend einordnen. Auch sei die Scheu bei Betroffenen hoch, Übergriffe zu melden.

Seit 2017 setzt sich das Netzwerk mit verschiedenen Projekten gegen antimuslimischen Rassismus und für mehr Sichtbarkeit von Opfern ein. Dieses Jahr habe es aufgrund der Corona-Krise vor allem Online-Aktionen gegeben. Zudem hängen in mehreren Städten Plakate, die „die Alltäglichkeit von antimuslimischem Rassismus“ zeigen. „Von Schmierereien mit Schweineblut, Ablegen von Tierkadavern, heruntergezogenen Kopftüchern, Beleidigungen bis hin zu Brandstiftungen – alles ist dabei“, heißt es auf einem der Plakate. Ebenso forderte der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) mehr Engagement gegen antimuslimischen Rassismus. Seit dem islam- und ausländerfeindlichen Mord an el-Sherbini 2009 im Dresdner Landgericht nähmen Übergriffe und Anschläge auf Muslime stetig zu, sagte Generalsekretär Abdassamad el-Yazidi zum 11. Jahrestag des Verbrechens am Mittwoch. „Damals wie heute wird das Phänomen des antimuslimischen Rassismus und die negative Stimmung gegen Muslime oft noch in der Gesellschaft ignoriert und zu oft unterschätzt.“ Der Tag gegen antimuslimischen Rassismus soll an die Muslimin Marwa el-Sherbini erinnern, die im Gerichtssaal vor den Augen ihres Kindes mit 16 Messerstichen ermordet wurde. Die Apothekerin hinterließ einen Sohn und ihren Ehemann und war zum Zeitpunkt des Mordanschlags schwanger. Sie hatte den Täter zuvor wegen rassistischer Beleidigung angezeigt. Vertreter von Land, Stadt und Verbänden wollten am Nachmittag wieder an die Bluttat erinnern, die in Deutschland Entsetzen und in der islamischen Welt Proteste auslöste. Der Mörder wurde zu lebenslanger Haft verurteilt.

TRT Deutsch und Agenturen