Archivbild. Die Walter-Lübcke-Schule im hessischen Wolfhagen.

Die Walter-Lübcke-Schule im hessischen Wolfhagen hat nach dem Urteil gegen den Mörder des Kasseler Regierungspräsidenten ein offensichtlich rechtsextrem motiviertes Drohschreiben bekommen. Wie der Hessische Rundfunk (HR) am Montag berichtete, verwiesen die Absender des am vergangenen Freitag eingegangenen Drohschreibens auf den „NSU 2.0“. Die Polizei in Kassel sagte auf Anfrage des Senders, das Schreiben sei „in politischem Duktus“ verfasst, eine politische Motivation sei „erkennbar“.

Aus ermittlungstaktischen Gründen könne er zu einzelnen Inhalten des Schreibens keine Angaben machen, zitierte der HR einen Polizeisprecher. In der Schule war die E-Mail dem Bericht zufolge am Freitag erst mit Verspätung entdeckt worden. Auswirkungen auf den Schulbetrieb habe die Drohung daher nicht gehabt. Bei einer anschließenden Durchsuchung der Gebäude sei nichts Verdächtiges gefunden worden, sagte die Polizei dem HR.

Mit dem Kürzel „NSU 2.0“, das auf den rechtsextremen „Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU) anspielt, sind seit 2018 unzählige Drohmails, Faxe und Kurznachrichten an Menschen geschickt worden, die sich gegen Rechtsextremismus und Rassismus engagieren. Weil dabei immer wieder geheime persönliche Daten der überwiegend weiblichen Adressatinnen verwendet wurden, werden die Urheber auch in den Reihen der Polizei vermutet.

Wegen der Ermordung Lübckes war der Angeklagte Stephan E. am vergangenen Donnerstag zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Schülerinnen und Schüler der Walter-Lübcke-Schule begleiteten die Urteilsverkündung dem HR zufolge mit einer Mahnwache vor dem Gerichtsgebäude und einem Transparent mit der Aufschrift „Demokratische Werte sind unsterblich“.

Die Gesamtschule in Wolfhagen, dem Heimatort des Kasseler Regierungspräsidenten, war im vergangenen Sommer auf Initiative der Schülervertretung nach Lübcke benannt worden.

AFP