Archivbild. Die Zahl der Selbstverletzungen bei Flüchtlingen ist während des Lockdowns gestiegen. (AFP)

Die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Einschränkungen wirken sich auf die mentale Gesundheit von Flüchtlingen auf den griechischen Inseln aus. Das geht aus einer Erhebung des International Rescue Committees (IRC) hervor, wie die Hilfsorganisation am Donnerstag der Nachrichtenagentur AFP mitteilte. Demnach wurde eine Zunahme der Selbstverletzungen sowie der psychischen Erkrankungen unter den Menschen festgestellt.

Das IRC erhob die Daten von einem Teil der Flüchtlinge, die auf den Inseln Lesbos, Chios und Samos leben. Bei etwa 75 Prozent der mehr als 900 Menschen, denen seit 2018 geholfen wurde, seien diese Symptome festgestellt worden.

Nachdem die griechischen Behörden im März einen Lockdown wegen der Corona-Pandemie verhängten, verzeichnete das IRC einen Anstieg der psychotischen Symptome um 71 Prozent. Die Zahl der Selbstverletzungen sei um 66 Prozent gestiegen. Stand Ende Oktober sei bei 41 Prozent der Menschen eine posttraumatische Belastungsstörung festgestellt worden. 35 Prozent berichteten demnach von Suizidgedanken, 18 Prozent gaben an, einen Suizidversuch hinter sich zu haben.

„Der psychische Gesundheitszustand der Flüchtlinge ist in diesem Jahr beeinträchtigt worden“, sagte die IRC-Direktorin für Griechenland, Dimitra Kalogeropoulou. Die Organisation betonte jedoch, dass die Folgen der Corona-Pandemie nur eines von mehreren Problemen seien. Das IRC verwies auch auf die Brände in den Flüchtlingslagern auf Lesbos und Samos, die den Migranten das Leben zusätzlich erschwert hätten.

Im September war das bis dahin größte Flüchtlingslager Moria auf Lesbos abgebrannt. Daraufhin wurde hastig ein provisorisches Zeltlager errichtet. Aktuell sind dort 7300 Menschen untergebracht. Insgesamt leben mehr als 17.000 Menschen in Flüchtlingscamps auf den griechischen Inseln.

AFP