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Wie Norman Fairclough darlegt, bedeutet Sprache Beherrschung. Sie zu verwenden, ist eine Kunstform. Sie ist nicht abstrakt, sondern greifbar, wahrnehmbar und konkret, besonders in ihren Auswirkungen. Vor allem, wenn man berücksichtigt, wie Wörter aneinandergereiht werden und wie dies zur Konstruktion von Diskursen, zum Framing von Narrativen und zur Prägung von Denkweisen führt. In der Tat sind Worte eine Form von Herrschaft. Sie haben die Fähigkeit, metaphysische Mauern aufzubauen oder niederzureißen – in der Einfassung von Denk- und Handlungsweisen, wenn man so will. Zweifelsohne kann aber die Wirksamkeit von Sprache nur dann wirklich verstanden werden, wenn berücksichtigt wird, wie ‚Worte‘ unausgesprochene Ideen beinhalten, die Kontrolle implizieren. Oder, wie Fairclough es umschreibt, die Macht hinter dem Diskurs – und nicht nur im Diskurs. Jene unausgesprochenen Ideen strukturieren die Umrisse unserer Denkweisen, sogar unseres Denkens, und geben ihm eine bestimmte Form und Substanz. Eigentlich sind es solche ungeschriebenen Ideen, vielleicht sogar die nicht ausgedrückten, die unser Verhalten auf überzeugendere Weise beeinflussen. Und das ist genau die Stelle, an der wir den Lügen, die in Mythen eingewickelt, in Rätseln eingebettet und von Mauern der Dunkelheit umgeben sind, entgegentreten müssen. Genau das macht es so verwirrend, vor den Mächtigen die Wahrheit auszusprechen, während der Hegemon dich dazu zu drängen versucht, ihm seine Argumente abzukaufen. Warum? Einfach deshalb, weil er es sagt. Das hat Frankreich gemacht, als es Anschuldigungen der Folter und des Mordes zurückwies, nachdem es den algerischen Nationalisten Boumendjel getötet hatte, das hat Belgien getan, als es den Mord an Millionen im Kongo abstritt, und das macht Indien im besetzten, umstrittenen Territorium Jammu und Kaschmir (Kaschmir) immer noch, während es Massengräber, zehntausendeTote und die Inhaftierung von Kindern leugnet. Und nun hat sich Twitter, der sogenannte Inbegriff der Rede- und Meinungsfreiheit, der Täuschung angeschlossen. In einer wahrlich vollständigen Kapitulation vor dem falschen indischen Narrativ arbeitet der Dienst daran, Kaschmir zum Schweigen zu bringen. Twitter hat mehrere rechtmäßige und offene kaschmirische Plattformen gesperrt, etwa Kashmir Civitas und Stand with Kashmir, sowie einige Individuen. Auf diese Weise trägt Twitter zu einer ausgeprägten Form des digitalen Faschismus bei. Er ist an der Erstickung jener kaschmirischen Stimmen mitschuldig, die Widerstand gegen Militärbesetzung und Siedlungskolonialismus in ihrem Land leisten. Durch die Zensur dieser Stimmen beschneidet Twitter all jenen das Recht auf Redefreiheit, deren Zielsetzung es ist, das dem Volk von Kaschmir von der UNO zugestandene Recht auf Selbstbestimmung aufzuzeigen und hinsichtlich der Verbrechen an den Kaschmiris Bewusstsein zu schaffen.

Kashmir Civitas ist eine in Kanada registrierte zivilgesellschaftliche NGO sowie eine strategische Interessenvertretung, die dem soziopolitischen und ökonomischen Empowerment der Menschen im umstrittenen Territorium von Jammu und Kaschmir (Kaschmir) verpflichtet ist. Sie ist eine offene und transparente Organisation, die sich den falschen Narrativen entgegenstellt, die Indien in Bezug auf die umstrittene Region propagiert. Und sie setzt sich für das grundlegende Recht auf Selbstbestimmung der Menschen ein. Kein demokratisches politisches System oder Individuum, keine Gruppe oder Nation, die von Prinzipien geleitet ist, könnte dieses Recht auf glaubwürdige Weise verweigern. Darüber hinaus basiert dieses grundlegende Dekret nicht nur auf unveräußerlichen Rechten, wie sie in der Charta der Vereinten Nationen verankert sind. Es umfasst auch insgesamt 18 UNO-Resolutionen zu Kaschmir, insbesondere die am 20. Januar und 21. April 1948 verabschiedeten Resolutionen 39 und 47 des Sicherheitsrates. Unmissverständlich erkennen beide Resolutionen das unveräußerliche Selbstbestimmungsrecht der kaschmirischen Bürger auf eine freie und faire Volksabstimmung unter UN-Schirmherrschaft an.

Kashmir Civitas ist der festen Überzeugung, dass der Kaschmir-Konflikt keine bilaterale Angelegenheit zwischen Pakistan und Indien ist. Vielmehr ist er eine internationale Angelegenheit. Dennoch sind die Kaschmiris die wichtigste Interessengruppe – die ‚Staatsbürger‘ des umstrittenen Territoriums, die jedes Recht haben, gegen die Kolonisation ihres Landes durch die indische Besatzungsmacht Widerstand zu leisten. Von daher verteidigt Kashmir Civitas die demokratischen Prinzipien der Freiheit, der Gleichheit und der angeborenen Würde aller Menschen, ungeachtet der Rasse, der Religion, des Geschlechts oder der Überzeugung. Ihr Ziel ist es, sich für den moralischen, erzieherischen, ökonomischen, kulturellen und politischen Aufstieg der kaschmirischen Gesellschaft einzusetzen, auf beiden Seiten der Waffenstillstandslinie und in der Diaspora für den Aufstieg zu arbeiten und ihn zu unterstützen. Warum bringt Twitter jene, welche die Wahrheit und Tatsachen aussprechen, zum Schweigen, um danach diejenigen zu umschwärmen, die betrügerisch handeln?

Gestatten Sie mir, folgende Tatsachen zum umstrittenen Territorium von Jammu und Kaschmir mit Ihnen zu teilen. Fragen Sie sich dann: Sollten wir nicht darüber sprechen?

Mehr als 95.000 Menschen wurden ermordet, mehr als 11.000 Frauen vergewaltigt / belästigt, 6.700 Leichname aus Massengräbern exhumiert, und es gibt mehr als 80.000 Waisen.

Zehntausend politische Gefangene, unter ihnen Kinder – ohne Anklage gefangengehalten.

Tausende Kinder sind seit dem 5. August 2019 inhaftiert, als Indien unrechtmäßig die Paragraphen 370 und 35A außer Kraft setzte, ungeachtet glaubwürdiger Berichte von sexuellen Misshandlungen an ihnen.

8 Millionen Kaschmiris leiden an mangelnder Gesundheitsvorsorge hinsichtlich der Coronavirus-Pandemie, wodurch ihre unveräußerlichen, von der UNO angeordneten Rechte missachtet werden.

Mehr als 600 Habeus-Corpus-Anträge sind seit dem 5. August 2019 anhängig.

Zu den großartigen Qualitäten der Demokratie zählen nicht nur die Freiheit, die Gleichheit, der Pluralismus und die Inklusion, sondern auch das Recht, die Zivilgesellschaft zu ermächtigen, sich der Macht entgegenstellen zu können. Nicht nur um den Herrschaftsmissbrauch zu verhindern, sondern gesundes bürgerliches Engagement und Teilhabe zu fördern – die Grundlage demokratischer, partizipatorischer politischer Ordnungen. Weil Twitter uns abschaltet, sollte dieser Dienst im Bezug auf seine Verlogenheit und Unverfrorenheit zur Rede gestellt werden: Die Behauptung, sich für das Prinzip der Redefreiheit einzusetzen – und es dann dafür zu verwenden, um Narrative zu ersticken, die als schmerzhaft empfunden werden.

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