Wenn Harvey Weinstein am Montag das Oberste Gericht des Staates New York betreten wird, ist die Welt eine andere als 2017, als der Filmmogul zum Symbol sexueller Übergriffe geworden ist. Zum Hassobjekt einer weltweiten Bewegung, die in der Zwischenzeit eine Lawine an Vorwürfen auch gegen unzählige weitere Männer losgetreten hat. Entscheidend beim Prozess des Jahres wird ab dem 6. Januar sein, ob der Fall, der die MeToo-Ära eingeläutet hat, auch vor einem Strafgericht besteht. Der Ausgang ist völlig offen.

Doch beim Prozess geht es nicht nur um Gerechtigkeit für Weinsteins mutmaßliche Opfer. Das Urteil, das am Ende steht, dürfte entweder Genugtuung oder Entsetzen beiMillionen Opfern von sexueller Gewalt auslösen. Für viele wird nicht nur über den Multi-Millionär Gericht gehalten, sondern über ein Muster männlichen Machtmissbrauchs.Und Weinstein gilt für viele als ihr krassestes Beispiel.

Nun müssen die Staatsanwälte juristisch beweisen, dass der 67-Jährige sich der Vergewaltigung, krimineller sexueller Handlungen und räuberischer sexueller Übergriffe schuldig gemacht habe. Weinstein betonte immer wieder, jegliche Handlungen seien einvernehmlich gewesen.

Wie auch immer der Prozess ausgeht: Weinstein hat bereits verloren. Seine Filmproduktionsfirma existiert nicht mehr, sein Ruf in der Branche ist genauso zerstört wie seine ehemalige Machtposition. Es scheint selbst bei einem Freispruch ausgeschlossen, dass er je wieder an seine beruflichen Erfolge anknüpfen kann.

Einen ganz eigenen Blick auf seinen Fall offenbarte Harvey Weinstein derweil vor einigen Tagen in einem Interview mit der New York Post. Er beklagte, er fühle sich wie „der vergessene Mann“und forderte mehr Anerkennung für seine Verdienste für Frauen: „Ich habe mehr Filme produziert, die von Frauen gedreht wurden und die von Frauen handelten, als jeder andere“. Die Welle der Empörung folgte prompt.

DPA