Islamkonferenz mit Seehofer: Imame für deutsche Moscheen

Die jüngste Serie extremistischer Attentate in Europa behindert nach Auffassung von Bundesinnenminister Horst Seehofer nicht die Zusammenarbeit zwischen staatlichen Institutionen und muslimischen Vereinigungen in Deutschland. Im Gegenteil: Bereits begonnene Projekte würden fortgesetzt. „Wir lassen uns durch Terrorismus und Extremismus nicht aus der Bahn bringen“, betonte der CSU-Politiker am Dienstag in Berlin vor Beginn einer Sitzung der Deutschen Islam Konferenz (DIK). „Kämpfen Sie bitte gemeinsam mit uns und mit allen Ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln gegen diese Fanatiker!“, rief Seehofer den teilnehmenden muslimischen Theologen und Funktionären zu. Der von seinem Ministerium geförderte neue zweijährige Lehrgang für deutschsprachige Imame in Osnabrück sei gerade ein Beitrag zur Verhinderung von Radikalisierung - und damit „gut angelegtes Geld für den gesellschaftlichen Zusammenhalt in unserem Lande“, unterstrich Seehofer. Entscheidend sei, dass die dort ausgebildeten Geistlichen anschließend auch tatsächlich in den Moscheegemeinden als Prediger eingesetzt würden, sagte der CDU-Innenpolitiker Christoph de Vries. Denn es sei „fundamental wichtig“, dass die islamischen Religionsgemeinschaften hierzulande organisatorisch, finanziell und personell nicht von ausländischen Regierungen abhängig seien. De Vries missfällt, dass der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) im Trägerverein des Islamkollegs in Osnabrück mitwirkt, da der ZMD „mit seinen problematischen Mitgliedsvereinen zu Recht im Kreuzfeuer der Kritik steht“.

Islam-Verbände in Deutschland haben Anschläge verurteilt

Innen-Staatssekretär Markus Kerber sagte vor Beginn der Konferenz, der Staat könne zwar Moscheevereine bei bestimmten Projekten unterstützen, etwa wenn diese einen Beitrag zur Integration leisteten. Ihre Prediger müssten die Gemeinden aber selbst finanzieren.

Die deutschen Islam-Verbände haben die extremistischen Terroranschläge der vergangenen Wochen - in Paris, Nizza, Dresden und Wien - einhellig verurteilt.

Um Terroristen in Deutschland an der Verbreitung ihrer anti-westlichen Ideologie zu hindern, braucht es aus Sicht der FDP keine weiteren Gesetzesverschärfungen. Stattdessen sollten Vereine, die ein extremistisches Weltbild vertreten, konsequenter als bisher verboten werden, fordert die Bundestagsfraktion der Freien Demokraten. Da, wo junge Menschen radikalisiert würden, müsse frühzeitiger „eine rote Linie gezogen“ werden, sagte Innenpolitiker Benjamin Strasser. Aufgrund der Corona-Pandemie kamen die Teilnehmer der Islam Konferenz diesmal nur per Video zusammen. Zu ihnen gehörten laut Innenministerium unter anderem die Leiterin der Ditib-Akademie, Şeyda Can, der Vorsitzende des Islamkollegs, Esnaf Begic, der Leiter des Zentrums für Islamische Theologie der Universität Münster, Mouhanad Khorchide, und der Dialogbeauftragte des Verbandes Islamischer Kulturzentren, Erol Pürlü.

„Der Bedarf ist enorm“

Auch der Zentralrat der Muslime (ZMD) wünscht sich eine schnellere Ausbildung von islamischen Seelsorgern in Deutschland. „Wir begrüßen es, dass ab dem nächsten Jahr 30 Personen zu Imamen, Seelsorgern und Gemeindebetreuern im Islamkolleg in Osnabrück ausgebildet werden sollen“, sagte der ZMD-Vorsitzende Aiman Mazyek am Montag der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. „Wir würden uns aber auch wünschen, dass die Ausbildung etwas zügiger anliefe und mehr Menschen ausgebildet werden.“ Mazyek sieht großes Interesse an hier ausgebildeten Imamen: „Der Bedarf ist enorm.“ Eine solche Aus- und Weiterbildung wirke zudem präventiv gegen extremistisches Gedankengut.

Der ZMD und mehrere weitere muslimische Verbände beraten am Dienstag mit Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) über das Thema Imam-Ausbildung. Das virtuelle Gespräch findet im Rahmen der Deutschen Islam Konferenz statt.

Die Deutsche Islam Konferenz beschäftigt sich in diesem Jahr mit der Frage, wer in deutschen Moscheen in welcher Sprache predigen soll. Aufgrund der Corona-Pandemie findet das Treffen als Videokonferenz statt.


DPA