Symbolbild: Geldscheine (DPA)

Rund jeder Vierte in Deutschland glaubt Transparency International zufolge, ein wachsendes Ausmaß an Korruption in Deutschland zu bemerken. Bei einer zwischen Oktober und Dezember durchgeführten Umfrage gaben demnach 26,4 Prozent der Teilnehmer an, dass ihrer Wahrnehmung zufolge das Ausmaß an Korruption in Deutschland im Laufe des vergangenen Jahres zugenommen hat. Das geht aus dem am Dienstag veröffentlichten Global Corruption Barometer 2021 hervor.
„Das sind Wahrnehmungswerte“, betonte der Vorsitzende von Transparency Deutschland, Hartmut Bäumer. Sie bilden also nicht das tatsächliche Ausmaß des Problems in Deutschland ab. Seine Organisation begreift Korruption als den Missbrauch anvertrauter Macht zu persönlichen Zwecken, was bei Politikern auch die Zwecke der eigenen Partei umfassen könne. Die Befragung wurde noch vor der Affäre um die Beschaffung von Corona-Schutzmasken durchgeführt, bei der Unionspolitiker unter anderem unter Bestechlichkeitsverdacht stehen.
Bei den Werten kann auch die Sensibilität der Befragten für das Thema eine Rolle spielen. Diese schätzt Bäumer in Deutschland als eher hoch ein. Daten, mittels derer sich unterschiedliche Haltungen zum Thema zwischen Ländern ausdrücken ließen, ermittelt Transparency indes nicht. 3,2 Prozent der Befragten zahlten Bestechungsgeld
Insgesamt 3,2 Prozent der Befragten gaben an, in den vergangenen zwölf Monaten für eine öffentliche Dienstleistung Bestechungsgeld gezahlt zu haben. Rund jeder Fünfte hat nach eigenen Angaben für den Erhalt einer öffentlichen Dienstleistung persönliche Beziehungen eingesetzt.
Beim Blick auf die Bundesregierung ergibt sich ein gemischtes Bild. Zwar haben 79,1 Prozent der Befragten grundsätzlich Vertrauen in sie. Zugleich haben 61,6 Prozent den Eindruck, die Regierung werde weitgehend durch einige große Interessengruppen gesteuert. Mehr als jeder Dritte hält Korruption innerhalb der Bundesregierung für ein Problem.
Hohes Vertrauen hatten die Befragten in Polizei und Justiz. Dagegen vermutet mehr als jeder Dritte, dass alle oder die meisten Führungskräfte in der Wirtschaft in Korruption verwickelt sind. 57,5 Prozent denken demnach, dass Unternehmen Geld oder Beziehungen einsetzen, um öffentliche Aufträge an Land zu ziehen.
Von der nächsten Bundesregierung erhofft sich Transparency eine Ergänzung des Lobbyregisters um einen „legislativen Fußabdruck“. Mit dessen Hilfe lasse sich nachvollziehen, „wer wann wie genau an der Entstehung von Gesetzen beteiligt ist - gerade auch auf Fachebene in den Bundesministerien“, sagte Bäumer.

DPA