Steinmeier: „Wir sind ein Land mit Migrationshintergrund“ (DPA)

Anlässlich des 60. Jahrestages des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Freitag zu einer Gesprächsveranstaltung ins Schloss Bellevue eingeladen. An der Veranstaltung nahmen auch Gäste mit türkischen Wurzeln teil.

Steinmeier: „Wir sind ein Land mit Migrationshintergrund“

Die Unterzeichnung des Anwerbeabkommens vor 60 Jahren sei zu Beginn nur ein Stück Papier, eine Verabredung zweier Regierungen gewesen, betonte der Bundepräsident. Sie habe aber das Leben von Millionen Menschen, Türken und Deutschen, ja sogar das Gesicht das Landes verändert. Heute sei Deutschland ohne die sogenannten Gastarbeiter nicht mehr vorstellbar.

Wenn über ein Viertel der Menschen einen sogenannten Migrationshintergrund habe, so Steinmeier, könne man nicht so tun, als seien sie „irgendwie anders, außergewöhnlich, fremder als ‚Wir‘“. Er fügte mit Blick auf die Einwanderer hinzu: „Sie sind nicht Menschen mit Migrationshintergrund – wir sind ein Land mit Migrationshintergrund!“

Die vielen Menschen aus der Türkei hätten außerdem viel dazu beigetragen, dass Deutschland heute „gesellschaftlich offener und vielfältiger, wirtschaftlich stärker und wohlhabender“ sei. Deutschland sei ein „Einwanderungsland“ - das einzugestehen allein habe Jahrzehnte gebraucht. Wenn Deutschland ein starkes und wohlhabendes Land bleiben wolle, werde es auch in Zukunft Zuwanderer brauchen, so Steinmeier: Diese seien „Menschen, die anpacken und an der Zukunft dieses Landes mitbauen“.

Steinmeier verurteilt Hass und Hetze

Diese bessere Zukunft werde es jedoch nicht geben, solange Ausgrenzung, Vorurteile, Ressentiments den Alltag bestimmten, betont der Bundespräsident. „Wenn die Jobbewerbung aussortiert wird, wenn die Wohnungssuche zum Spießrutenlauf wird, nur weil man anders heißt, weil man anders aussieht“, sei dies eine ähnliche Geisteshaltung wie vor sechzig Jahren, als man „keinen Anstoß daran nahm, Menschen wie Arbeitsmaschinen zu behandeln“.

Steinmeier verurteilte auch, dass Menschen wegen ihrer Hautfarbe, Sprache und Religion zur Zielscheibe von Hass und Hetze würden. Wenn es im Netz und auf der Straße Anfeindungen gebe, dann seien das nicht nur Worte. „Das ist ein Gift, das Wirkung hat“, sagte Steinmeier. Die niederträchtigen Morde des NSU, die Toten in Mölln und Solingen und Hanau, seien Folgen des Hasses, der mitten in Deutschland seine Wurzeln habe.

Der Bundespräsident machte deutlich: „Fremdenhass ist Menschenhass. Und diesen Hass werden wir in Deutschland niemals dulden!“

TRT Deutsch