Depression gilt heute als eine der häufigsten psychischen Erkrankungen: Betroffene erleben die affektive Störung überwiegend in Form von Niedergeschlagenheit und anhaltender Traurigkeit, bisweilen auch Antriebslosigkeit und fehlender Freude, bis hin zu Suizidgedanken.

Obwohl die therapeutische Versorgung bei Depressionen heute insbesondere durch digitale Technologien wie Mental-Health-Apps und telemedizinische Versorgungskonzepte wie Psychotherapie per Videosprechstunde zunehmend besser wird, gehen Experten von einer hohen Dunkelziffer von Betroffenen in Deutschland aus.

Laut Weltgesundheitsorganisation WHO sind weltweit 264 Mio. Menschen an Depressionen erkrankt, wobei Frauen signifikant häufiger betroffen sind als Männer. WHO-Schätzungen zufolge haben zudem mehr als drei Viertel der Betroffenen in weniger wohlhabenden Ländern keinen Zugang zu Therapie und Behandlung.* Obwohl die medizinische Versorgung in Deutschland gut aufgestellt ist, sind auch hierzulande psychische Erkrankungen mit über 17 Prozent nach Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems zweithäufigste Ursache für Arbeitsunfähigkeit, Tendenz steigend.**

Begünstigende Faktoren und Ursachen

Vielfältige Faktoren können Ursache einer Depression sein oder diese begünstigen: Auf sozialer Ebene spielen Aspekte wie Arbeitslosigkeit, fehlende Unterstützung und Anerkennung eine Rolle für ihr Auftreten.

Daneben sind genetische Faktoren ein häufiger Katalysator: Wer eine familiäre Veranlagung zur Ausbildung von Depressionen hat, erkrankt zwei- bis dreimal so oft daran. Auf neurobiologischer Ebene lassen sich dann veränderte Hormonzustände und Botenstoffe nachweisen, vor allem in Stresssituationen.

Neben sozialen Aspekten und genetischer Veranlagung können als belastende Auslöser die Erfahrung von Missbrauch und Gewalt, aber auch anhaltende Überforderung, Konflikte sowie traumatische Verluste hinzukommen.

Frühe Anzeichen wahrnehmen und erkennen

Auf körperlicher Ebene nehmen Betroffene besonders häufig Schlafstörungen und verringerten Appetit wahr. Auch Angstzustände, Kopf- und Rückenschmerzen sowie geringe Konzentrationsfähigkeit und fehlendes Interesse gegenüber sich selbst, Mitmenschen, der eigenen Arbeit und dem sozialen Leben können auf eine Depression hindeuten. Kommen zur allgemein häufigen Müdigkeit hingegen extreme körperliche und emotionale Erschöpfungszustände hinzu, sollte auch ein Burnout als Verdachtsdiagnose in Erwägung gezogen werden.

Auf geistig-emotionaler Ebene sind mangelnder Selbstwert und fehlendes Selbstvertrauen in die eigene Selbstwirksamkeit typische Symptome für depressive Verstimmungen sowie mittelschwere und schwerwiegende Depressionen: Wer nicht regelmäßig die Erfahrung macht, sein Leben positiv gestalten und verändern zu können, gelangt leicht in negative Gedankenspiralen oder entwickelt langfristig eine pessimistische Grundhaltung zum Leben. Bei schweren Depressionen sind auch Suizidgedanken nicht selten.

Manche Depressionen sind auch durch Schuldgefühle geprägt oder veranlasst, die ihre Ursache in frühkindlichen und späteren Lebenserfahrungen haben können.

Diagnostik ernst nehmen

Eine frühzeitige und korrekte Diagnostik spielt bei Depressionen eine wichtige Rolle. Sowohl das soziale Stigma als auch häufige Fehldiagnosen führen dazu, dass Betroffene oftmals viel zu spät oder gar keine Behandlung erhalten, während Nichtdepressiven bisweilen Antidepressiva verschrieben werden.

Depressive Episoden werden je nach Ausprägung der Symptome als milde, mittelgradige oder schwere Form unterschieden, zudem können sie anlassbedingt oder chronisch sein. Da es sehr viele unterschiedliche Formen von Depressionen gibt, beispielsweise auch bipolare Erkrankungen, bei denen der Patient wechselweise manische, d.h. von Hochstimmungen geprägte, sowie depressive Phasen durchläuft, ist eine genaue ärztliche Abklärung und Abgrenzung wichtig.

Eine erste Orientierung bietet das Gespräch mit dem Allgemeinarzt oder Psychotherapeuten, die bei Bedarf an einen neurologischen Facharzt weiterüberweisen können, um andere, körperliche Erkrankungen auszuschließen. Beratungsstellen und sozialpsychiatrische Dienste bieten überdies erste Hilfe in Akutsituationen.

Wer nicht über die klassische Arzt-Patient-Kommunikation die Verdachtsdiagnose auf Depression erhält, kann sich über einen anonymen Online-Selbsttest, wie ihn beispielsweise die Stiftung Deutsche Depressionshilfe anbietet, eine Ersteinschätzung zur eigenen psychischen Verfassung einholen.

Psychotherapie versus Antidepressiva – oder beides?

Die zwei therapeutischen Säulen bei Depressionen sind die medikamentöse Behandlung mit Hilfe von Antidepressiva und die klassische Psychotherapie. Während die erste Therapieform Einfluss auf neurobiologisch-physische Prozesse nimmt und zum Abklingen depressiver Symptome führt, ist die zweite Therapieform auf das Erkennen und Verändern von Emotions-, Bewertungs- und Verhaltensmustern ausgerichtet. Diese Therapieform in Form von Gesprächen und Übungen kann sowohl tiefenpsychologisch fundiert ausgerichtet als auch praktisch orientiert sein wie bei der kognitiven Verhaltenstherapie.

Eine Kombination aus beiden Behandlungsformen, der medikamentösen wie der gesprächsbasierten, ist für viele mittelschwer bis schwer erkrankte Patienten die richtige Wahl, wobei je nach Ausgangslage und Schwere auch nur eine von beiden Varianten ausreichend sein kann. Nach bis zu fünf kostenlosen probatorischen Sitzungen können Patienten eine Psychotherapie mit Kostenerstattung durch die Krankenkasse beantragen.

Tipps für Angehörige von Depressiven

Um Angehörige einer depressiv erkrankten Person im Familienkreis zu entlasten, braucht es Aufklärung und Annahme: Das Verständnis und die Akzeptanz der Depression als Krankheit sind dafür ebenso elementare Bausteine wie begleitendes Familiencoaching oder Unterstützung in Selbsthilfegruppen oder Online-Programmen. So lässt sich im Vorfeld Ärger durch Unverständnis, Erschöpfung und Burnout vermeiden.

Prävention: Corona-Krise – und jetzt?

In der aktuellen globalen Gesundheitskrise sind besonders viele Menschen von depressiven Verstimmungen betroffen: Angesichts der Beschränkungen und Belastungen im Alltag, speziell in isolierten Lockdown-Situationen, ist es wichtig, sich um die eigene psychische Gesundheit zu kümmern. Die Pflege virtueller sozialer Kontakte ist dabei ebenso wichtig wie regelmäßige, körperliche Bewegung und eine feste Tagesstruktur – auch im Homeoffice.

Viele gesetzliche Krankenkassen bieten seit einiger Zeit Online-Trainings und digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) gegen Depressionen, Stress und zur Steigerung des mentalen Wohlbefindens an. Einige davon können seit kurzem in Deutschland sogar ärztlich verordnet werden wie z.B. die Anwendungen Deprexis und Selfapy. Dann werden die Kosten vom Versicherungsträger übernommen.

Quellen:

**Statista-Erhebung aus dem Jahr 2019: