Schweiz: Femizide nur die Spitze weit verbreiteter häuslicher Gewalt (Symbolbild) (DPA)
Folgen

Laut einer Umfrage der Forschungsstelle Sotomo haben 42 Prozent der Frauen in der Schweiz bereits Gewalt in einer Beziehung erlebt. Bei den Männern sind es 24 Prozent, wie der „SRF“ am Dienstag über die Umfrageergebnisse berichtet.

Teilweise Zustimmung zu problematischen Denkmustern

Dabei seien alle Formen von häuslicher Gewalt berücksichtigt – physische, psychische und sexuelle Gewalt. Femizide seien laut Studie die Spitze des Eisbergs. 15 Prozent der Befragten gaben an, selbst schon einmal gewalttätig geworden zu sein. Neben Alkoholkonsum und eigenen Gewalterfahrungen seien nach Meinung der Studienautoren „Besitzansprüche“ und „ein traditionelles Frauenbild“ Faktoren, die häusliche Gewalt begünstigten.

So seien „sexy Angezogene“ aus Sicht eines Fünftels der befragten Männer in der Mitverantwortung für mögliche sexuelle Belästigungen. Bei den Frauen sei ein Siebtel der gleichen Meinung. Vergewaltigungsmythen, die sexuelle Gewalt verharmlosen, erhielten gleichzeitig jedoch keine mehrheitliche Zustimmung.

Männer seien zudem davon überzeugt, dass Frauen „beschützt und erobert“ werden wollten. Frauen sehen das der Studie zufolge anders. Daher hielten Männer jedoch ein „Nein“ für einen möglichen Teilaspekt einer Verführung. Zudem würden Frauen nach Meinung zahlreicher Befragter „in den meisten Fällen die Gewalt provozieren“. Ohnehin sei für die rund die Hälfte der Befragten das, was zu Hause geschehe, Privatsache.

Corona-Jahr 2020 brachte neuen Höchststand bei häuslicher Gewalt

Gewalt in der Beziehung sei gleichzeitig für die Befragten der Trennungsgrund Nummer eins. Immerhin bezeichne eine große Mehrheit häusliche Gewalt als ein gesellschaftliches Problem. Diesbezüglich sei die Politik gefordert und Femizide sollten in der Kriminalstatistik separat ausgewiesen werden, so die Forderung der Autoren der Studie. Zudem sollte bei ärztlichen Kontrollen „häusliche Gewalt standardmäßig angesprochen werden“.

Im Jahre 2020 ist laut Statistik im Schnitt alle zweieinhalb Wochen eine Frau an den Folgen häuslicher Gewalt gestorben. In der Schweiz wurden im Vorjahr 20.123 Straftaten im Bereich der häuslichen Gewalt registriert – ein neuer Höchststand. Jedes Jahr seien schätzungsweise auch 27.000 Kinder von diesem Phänomen mitbetroffen.

TRT Deutsch