Das Grab von Professor Friedlaender auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf. (Bild: AP) (AP)

Der Südwestkirchhof Stahnsdorf, ein Friedhof in einer kleinen Gemeinde östlich von Potsdam, ist zum Schauplatz einer offenbaren Provokation durch Rechtsextremisten geworden. Wie mehrere Medien berichteten, wurde der verstorbene Neonazi und Holocaustleugner Henry H. ausgerechnet an der Stelle begraben, an der 1934 der aus einer jüdischen Familie stammende und später zum Protestantismus konvertierte Musikwissenschaftler Max Friedlaender beigesetzt worden war.

Horst Mahler und weitere Neonazis zu Beerdigung erschienen

Zur Beerdigung des Neonazis am Freitag der Vorwoche waren zahlreiche aktive Rechtsextremisten erschienen, unter ihnen auch der mehrfach verurteilte Ex-RAF-Unterstützer und spätere Holocaustleugner Horst Mahler. Zudem soll sich auf den abgelegten Trauerkränzen rechtsextreme Symbolik befunden haben.

Dass der Beisetzungsort bewusst gewählt wurde, davon geht der Berliner Antisemitismusbeauftragte Samuel Salzborn aus. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur erklärte er, die Absicht der Rechtsextremisten liege auf der Hand, durch die Beisetzung eines Holocaustleugners auf einem jüdischen Grab die Totenruhe zu stören.

Ex-NPD-Landeschef sammelte Geld für Ankauf der Grabstätte

Der Antisemitismusbeauftragte des Bundes, Felix Klein, sprach von einem „äußerst unglücklichen Fehler“, der der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO), die den Friedhof betreibt, unterlaufen sei. Ursprünglich sei ein anderes, ebenfalls ehemals jüdisches Grab für die Bestattung angefragt worden, was die Kirche aber abgelehnt habe.

Anschließend habe die Kirche jedoch die seit 1980 zur Wiederbelegung freigegebene Grabstätte Friedlaenders freigegeben, da dieser im Bestattungsregister als „evangelisch“ eingetragen war. Der frühere Berliner NPD-Landesvorsitzende Uwe Meenen hatte im Vorfeld der Provokation für die 1980 aufgelassene Grabstätte Geld gesammelt und diese als Bevollmächtigter erworben.

Die Kirche hat eigenen Angaben zufolge die Brisanz des Geschehens nicht erkannt. Landesbischof Christian Stäblein äußerte sein Bedauern. Er sprach von einem „schrecklichen Fehler“ und „erschütternden Vorgang angesichts unserer Geschichte“. Er wolle Friedlaender „ein ehrendes Gedenken auf dem Friedhof bewahren“. Der Holocaustleugner soll nun umgebettet werden.

TRT Deutsch und Agenturen