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So gut wie jeder zweite Deutsche leidet mindestens einmal jährlich unter Kopfschmerzen, wobei Spannungskopfschmerz die häufigste Erscheinungsform ist. Doch für einen kleinen Teil der Bevölkerung gehören chronische Kopfschmerzen in besonders starker Ausprägung zum täglichen Leben dazu: Wer unter Migräne leidet, für den ist ein normaler Alltag oftmals phasenweise gar nicht möglich.

Mehr als jede sechste Frau ist betroffen

Rund 6 Prozent der Männer und 14,8 Prozent der Frauen in Deutschland sind von Migräne betroffen, so die Krankenlast-Studie BURDEN 2020 vom Robert-Koch-Institut (RKI). Diese Zahlen decken sich mit den weltweiten Migräne-Statistiken.

Anders als gewöhnliche Kopfschmerzen ist Migräne deutlich stärker und hat eine charakteristische Symptomatik. Unterschieden wird u.a. zwischen „Migräne mit Aura“ und „Migräne ohne Aura“, wobei die genetische Veranlagung ebenso eine Rolle für die Häufigkeit der Beschwerden spielt wie Gewohnheiten des Lebensstils.

Obwohl viele Migräne-Patienten seit ihrer Kindheit an den Kopfschmerzattacken leiden, liegt der Schwerpunkt der chronischen Erkrankung im mittleren Lebensalter zwischen 25 und 45 Jahren. Die Erkrankung hat immensen Einfluss auf die Lebensqualität und schränkt Betroffene darin ein, ihrem gewohnten Alltag nebst Arbeit, Interessen und sozialem Leben in gewohnter Weise nachzugehen.

Im Profil: Migräne erkennen

Als neurologisches Krankheitsbild unterscheidet sich Migräne von gewöhnlichen Kopfschmerzen dadurch, dass der Schmerz nur einseitig auf einer Kopfhälfte auftritt und sich für die Betroffenen pulsierend bis pochend anfühlt. Häufige Begleiterscheinungen sind Übelkeit und Erbrechen sowie eine Überempfindlichkeit gegenüber Licht und Geräuschen. Auch Schwindel und Erschöpfung bis hin zu einer vegetativen Bettlägerigkeit können der Fall sein, denn körperliche Bewegung und Aktivitäten verstärken den Schmerz normalerweise, während eine reizarme Umgebung als lindernd empfunden wird. Während eines Migräne-Anfalls, der zwischen mehreren Stunden bis zu drei Tagen andauern kann, sind Betroffene in der Regel nicht fähig, ihrem gewohnten Alltag nachzugehen.

Einige Migräne-Patienten nehmen zusätzlich eine Aura war, dies können Einschränkungen beim Sehvermögen sein, wie Lichtblitze und Flimmern vor den Augen sein. Auch das Sprachvermögen und die emotionale Verfassung können betroffen sein, wobei die auftretenden Symptome mit dem Ende der Migräne-Attacke auch wieder verschwinden.

Diagnostik: Ist das schon chronisch?

Für die eindeutige Diagnose empfiehlt sich eine umfassende Anamnese mit einem Facharzt, die an eine neurologische Untersuchung gekoppelt sein kann. So lässt sich u.a. auch die Aura, wenn vorhanden, mittels MRT-Bildgebung visualisieren. Der Migräne-Spezialist fordert die Betroffenen meist auch zum Führen eines Kopfschmerztagebuchs auf.

Über die Beobachtung auf Zeit und nach ärztlicher Einschätzung wird dann relativ bald ersichtlich, ob es sich um eine episodische Migräne handelt – bei der die Kopfschmerzen nebst Begleiterscheinungen an weniger als 14 Tagen pro Monat auftreten – oder ob die Migräne chronisch geworden ist. Ist letzteres der Fall, liegt meist ein Belastungsgrad mit migräneartigen Kopfschmerzen von 15 oder mehr Tagen pro Monat vor.

Möglichkeiten der Migräne-Prophylaxe

Medikamentöser und nicht-medikamentöser Prävention kommt bei der Migräne-Vorbeugung eine Schlüsselrolle zu: Zur medikamentösen Prophylaxe verschreiben einige Migräne-Spezialisten ihren Patienten Betablocker oder Flunarizin, die allerdings alle auch erhebliche Nebenwirkungen haben können. Ist die Migräne menstruell bedingt oder ausgelöst, können Patienten u.a. mit Hormonpflastern prophylaktisch vorgehen, um die Attackenfrequenz zu senken.

Zu den möglichen, nicht-medikamentösen Präventionsmaßnahmen gehören beispielsweise regelmäßiger Sport und Bewegung, Entspannungsverfahren und Psychotherapie. Idealerweise erarbeitet der Migräne-Patient mit seinem Arzt ein ganzheitliches Behandlungskonzept, das über die Zeit und unterschiedliche Behandlungsansätze hinweg auch angepasst und nachjustiert werden sollte.

Klassische Behandlungsmöglichkeiten

Obwohl Kopfschmerzen relativ häufig auftreten, werden sie nur selten, häufig auch gar nicht behandelt. Migräne bildet hier eine Ausnahme: Betroffene haben meist einen langen Leidensweg hinter sich, nicht selten seit ihrer Kindheit, und haben oftmals unterschiedliche Therapievarianten für sich ausprobiert.

Als klassische Akut-Therapie werden bei schwerer Migräne Triptane eingesetzt – Wirkstoffe, die gegen den Kopfschmerz, aber auch gegen Übelkeit und Erbrechen wirken. Es gibt sie in der Form von Nasensprays, Tabletten, Zäpfchen sowie auch Spritzen zur Selbstinjektion.

Lässt die Wirkung nach und der Schmerz besteht fort, oder hält die Migräne mehrere Tage an, ist mitunter eine erneute Einnahme des Migränemittels erforderlich. Die Höchstmenge für Triptane sollte 10 Einnahmetage pro Monat jedoch nicht überschreiten. Migräne-Medikamente können grundsätzlich mit weiteren Mitteln gegen Übelkeit und Schmerzen kombiniert werden – eine Rücksprache mit einem erfahrenen Arzt ist jedoch angeraten.

Migräne-Medikamente sind deutlich stärker als gewöhnliche Schmerztabletten und eignen sich nicht bei normalen Kopfschmerzen. Sie sollten daher auch nur nach einer standardisiert korrekten Diagnose eingenommen werden.

Früher wurden häufig Ergotamine zur Migräne-Behandlung eingesetzt – hiervon nehmen Ärzte jedoch zunehmend Abstand, da sie die Begleiterscheinungen wie Übelkeit und Erbrechen nicht therapieren.

Was können Betroffene und Angehörige sonst noch tun?

Aus einem natürlichen Instinkt heraus, suchen sich Betroffene während eine Migräne-Attacke meist einen ruhigen, abgedunkelten Ort, der sie vor äußeren Reizen wie Lärm und Licht schützt, um die Belastung so gering wie möglich zu halten. Im familiären Kontext kann dies bedeuten, die Bedeutung und Tragweite des Krankheitsbildes klar zu kommunizieren – und für entsprechende Rückzugsmöglichkeiten zu sorgen.

Prävention und digitale Tools zur Unterstützung

Durch die Digitalisierung rückt die Smartphone-gestützte Migräne-Therapie zunehmend in den Fokus: Mobile Kopfschmerzkalender bzw. Kopfschmerz-Tagebücher wie z.B. die Anwendung M-Sense von der Berliner Charité, die in digitaler Form als App genutzt werden kann, helfen dabei, den Schmerz zu lokalisieren und Migräne von normalem Kopfschmerz zu unterscheiden.

Auslöser und Ursachen identifizieren

Indem das Auftreten der Migräne längerfristig dokumentiert wird, lassen sich Trigger-Faktoren wie z.B. das Wetter, Schlafmangel oder unregelmäßiger Schlaf, Alkoholkonsum, bestimmte Lebensmittel, Koffein oder Koffeinentzug analysieren und besser eingrenzen.

Auf Basis ihrer eingegebenen Daten erhalten die App-Anwender Ratschläge zu ihren Gewohnheiten, um neue Migräne-Anfälle zu vermeiden oder zumindest frühzeitig zu erkennen und weitestgehend abzumildern. Digitale Tools stellen damit eine wertvolle Ergänzung zur Selbsthilfe im Alltag der Betroffenen dar.

Telemonitoring und Videosprechstunden, die spätestens seit der Pandemie für die Mehrheit kein Novum mehr sind, können darüber hinaus eine weitere sinnvolle Unterstützung sein, indem Patienten sich z.B. ortsunabhängig und ohne Wartezeit von einem Migräne-Spezialisten telemedizinisch beraten lassen oder ihre Migräne-Schübe unter ärztlicher Überwachung elektronisch dokumentieren.

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