Symbolbild: Ein Stethoskop liegt im Behandlungszimmer eines Arztes. (DPA)

Ein Expertengremium hat am Dienstag offiziell mit der Aufarbeitung der Missbrauchsvorwürfe am Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg begonnen. Die Kommission ist den Angaben zufolge mindestens bis Ende 2022 tätig, ein Projekttagebuch soll regelmäßig auf ihrer Internetseite über den aktuellen Stand der Arbeitsschritte informieren. Eine Geschäftsstelle wurde in Saarbrücken eingerichtet.

Zwischen 2010 und 2014 soll ein Assistenzarzt in der Kinder- und Jugendpsychiatrie, wie es beschrieben wird, „medizinisch nicht notwendige Untersuchungen im Intimbereich“ vorgenommen haben. Das Universitätsklinikum erstattete Ende 2014 Strafanzeige und kündigte dem Arzt fristlos. Da der mutmaßliche Täter 2016 starb, mussten die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen eingestellt werden. Das Universitätsklinikum und die Staatsanwaltschaft hatten damals entschieden, möglicherweise betroffene Patienten nicht über den Verdacht zu informieren. Auch ein Untersuchungsausschuss im saarländischen Landtag beschäftigt sich mit dem Fall.

„Unter besonderer Berücksichtigung der Betroffenenperspektive wollen wir aufarbeiten, wie es zu diesen schlimmen Taten an Kindern und Jugendlichen kommen konnte, weshalb sie so lange unentdeckt blieben und wie damit umgegangen wurde, als sie schließlich offenbar wurden“, erklärt die Kommission auf ihrer Homepage. „So gibt es bei Betroffenen und deren Angehörigen sowie in der Öffentlichkeit nach wie vor Informationsdefizite über das tatsächlich Geschehene, die bis hin zu Vorwürfen der Verdeckung und Vertuschung reichen.“ Es sei unabdingbar, den Opfern zuzuhören und anzuerkennen, was ihnen widerfahren sei.

epd