Vor 21 Jahren in Hamburg: NSU-Trio ermordet Süleyman Taşköprü (denkmalhamburg.de)
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Süleyman Taşköprü wurde am 27. Juni 2001 in seinem Laden in Hamburg getötet. Er war das dritte Opfer von Rechtsterroristen. Gegen 11 Uhr wurde Taşköprü aus rassistischen Motiven mit drei Schüssen aus nächster Nähe erschossen. Der Vater entdeckte den 31-Jährigen, kurz bevor dieser starb, blutüberströmt in seinem Gemüseladen. Der eintreffende Notarzt konnte nichts mehr für Taşköprü tun. Die Obduktion zeigt: Die Kugeln, die Taşköprü treffen, stammen aus einer Ceska-Pistole sowie einer Pistole des Typs Bruni. Jahrelange Ermittlungen im Umfeld der Familie Bei der Polizei sagte sein Vater Ali Taşköprü aus, er habe zwei Männer gesehen, die aus dem Laden gekommen seien. Später sei ihm klar geworden: Es waren keine Kunden, sondern die Täter. Seiner Beschreibung nach waren es zwei Deutsche im Alter von 25 bis 30 Jahren. Die Polizei verfolgte hingegen jahrelang eine falsche Spur und vermutete einen Racheakt hinter dem Mord. Behörden gingen von kriminellen Machenschaften aus und durchleuchteten den Hintergrund der Familienmitglieder. Die Polizei ermittelte lange im Drogen- und Rotlichtmilieu.

Etwa zehn Jahre nach der Tat wurde klar: Rechtsextreme Terroristen des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) töteten Taşköprü. Eine Rekonstruktion aus den NSU-Akten ergab, einer der Täter erschoß Taşköprü vermutlich mit der Ceska-Pistole in die linke Wange. Nachdem das Opfer gegen ein Regal fiel, wurde er mit zwei weiteren Kugeln am Hinterkopf getroffen. Diese Kugeln stammten aus der Pistole des Typs Bruni. Die Terroristen fotografierten nach der Tat die Opfer. Das Bild ist auch auf dem Bekennervideo zu sehen und ein Beweis für den Mord an Taşköprü. Täter dokumentieren Taten mit Paulchen-Panther-Video für die Nachwelt In dem Bekennervideo, dem sogenannten Paulchen-Panther-Video, dokumentierten die Neonazis ihre Taten für die Nachwelt. Mit ausgewählten originalen Tonspuren aus der Zeichentrickfilmserie „Der rosarote Panther“ unterlegt, werden die Taten gefeiert und die Opfer verhöhnt. Das Video enthält die Erklärung: „Der Nationalsozialistische Untergrund war ein Netzwerk von Kameraden, die gemäß dem Grundsatz ‚Taten statt Worte‘ operierten.“ Zum Schluss heißt es knapp: „Steh zu deinem Volk, steh zu deinem Land.“ Auch eine zweite DVD mit „Paulchens neuen Streichen“ wird angekündigt. „Heute ist nicht alle Tage, ich komm wieder, keine Frage“, witzelt die Zeichentrickfigur. Es könnte eine Ankündigung für weitere Morde gewesen sein oder eine unterschwellige Botschaft, um potenzielle Nachahmer zu mobilisieren. Auch der NSU-Prozess konnte viele Fragen nicht beantworten: Agierten die ortsfremden Neonazis auf eigene Faust oder hatten sie noch weitere Helfer und Unterstützer aus der rechtsextremen Szene? Wer suchte die Opfer aus? Warum sind die Behörden den Hinweisen nicht nachgegangen? Fakten zum NSU-Komplex Das NSU-Trio bestand aus Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe. Nach einem missglückten Banküberfall begingen Böhnhardt und Mundlos am 4. November 2011 in Eisenach Selbstmord. Sie waren aufgeflogen, nachdem sie Zeugen bei der kriminellen Tat beobachtet hatten. Die Polizei fand ihre Leichen in einem ausgebrannten Wohnmobil. Beate Zschäpe sprengte anschließend die gemeinsame Wohnung in Zwickau in die Luft und meldete sich danach mit ihrem Anwalt bei der Polizei. In den darauffolgenden Tagen gingen mehrere Bekennervideos bei Medien, öffentlichen Institutionen und Moscheegemeinden ein. Der NSU-Prozess war eines der größten, längsten und teuersten Verfahren im Zusammenhang mit Rechtsextremismus in Deutschland. Ein Jahrhundertprozess, bei dem viele Fragen unbeantwortet bleiben. In dem Verfahren ging es um zehn Morde, drei Sprengstoffanschläge und 15 Raubüberfälle. Das Oberlandesgericht München verurteilte Zschäpe im Juli 2018 wegen zehnfachen Mordes zu lebenslanger Haft. Laut bayerischem Innenministeriums bleiben auch nach Ende des Löschmoratoriums sämtliche NSU-Unterlagen langfristig archiviert. Auch die Verfassungsschutzakten würden weiter aufbewahrt, denn diese seien „von bleibendem historischem Wert“. Die Akten des hessischen Verfassungsschutzes sollen für 30 Jahre unter Verschluss bleiben.

TRT Deutsch