03.04.2013, USA, Sandy: Bitcoin-Münzen. (DPA)

von Ali Özkök

Prof. Dr. Philipp Sandner ist Leiter des Frankfurt School Blockchain Centers (FSBC) an der Frankfurt School of Finance & Management. Er wurde im Ranking der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) der Jahre 2018 und 2019 jeweils unter den Top 30 der Ökonomen Deutschlands aufgeführt. Seine Einrichtung berät namhafte Konzerne, Finanzdienstleister und Start-ups in Sachen Blockchain.

Mit TRT Deutsch hat er über die jüngsten Entwicklungen im Zusammenhang mit dem Bitcoin gesprochen und die volatilen Entwicklungen der vergangenen Jahre auf dem Markt der Kryptowährungen eingeordnet.

Der Bitcoin ist, so macht es den Eindruck, so etwas wie der Paternoster-Verein der Anlage-Bundesliga. Einzelne Tweets prominenter Persönlichkeiten können den Kurs auf Berg- und Talfahrt schicken. Was spricht aus Ihrer Sicht dennoch dafür, Kryptowährungen mit ins Portfolio aufzunehmen?

Bitcoin bietet Anlegern die Möglichkeit, ihr Portfolio weiter zu diversifizieren, die risikoadjustierte Rendite zu maximieren und sich vor Inflation zu schützen. Wer ein Bitcoin-Investment langfristig betrachtet und Vertrauen in die Marktdurchdringung hat, dem muss die hohe Volatilität wenig Sorge bereiten.

Ist der Anleger nicht mit Gold oder Silber besser bedient, wenn er nach einer langfristigen Anlageklasse sucht, die in Krisenzeiten ihren Wert behält?

Im Gegensatz zu Gold steckt der Bitcoin noch in den Kinderschuhen. Während Gold sich bereits seit Jahrtausenden als Wertspeicher bewährt hat, steht Bitcoin noch ganz am Anfang seiner Reise. Bis Bitcoin dem etablierten Vertrauen in Gold gleichziehen kann, dürfte es noch eine Weile dauern – es spricht aber einiges dafür, dass Bitcoin dem Edelmetall letztlich den Rang ablaufen könnte und hohes Wertsteigerungspotential hat.

Was unterscheidet den mittlerweile offenbar wieder abgeflachten Bitcoin-Boom des vergangenen Winters vom Zwischenhoch des Jahres 2017/18, das auch nur von vorübergehender Dauer war?

In 2018 wurde der Kursrutsch vor allem durch Verbotsvorhaben sowie Hackerangriffe und technische Spaltungen losgetreten. Heute sind es teils verwandte, aber primär doch unterschiedliche Ursachen, die Druck auf den Kurs ausüben. Zuletzt setzten vor allem Gewinnmitnahmen institutioneller Anleger, die Diskussion um Bitcoins ökologischen Fußabdruck, Elon Musks Twitter-Engagement und die ablehnende Haltung Chinas dem Bitcoin-Kurs zu.

Neben Bitcoin sind in den vergangenen Jahren auch eine Vielzahl weiterer Kryptowährungen aufgetaucht, die nicht den Bekanntheitsgrad des Bitcoins erreicht haben. Was unterscheidet diese substanziell vom Frontrunner und woran kann ein Anleger erkennen, welche davon vertrauenswürdig sind?

Der Bitcoin ist der Begründer und die Leitwährung der Kryptowelt. Mit seiner 12-jährigen Historie hat er sich einen hohen Vertrauensvorschuss erarbeitet und ist zu einer Marke avanciert. Er ist weiterhin das Einfallstor in die komplexe Welt der Kryptowährungen, man kommt an ihm nicht vorbei. Der First Mover Advantage greift damit auch bei Kryptowährungen. Eine bessere Technologie muss dabei nicht immer erfolgreicher sein.

Welche alternativen Kryptowährungen tatsächlich vertrauenswürdig sind, ist nicht immer leicht herauszufinden - Einsteigern empfehle ich, sich zunächst mit den großen Kryptowährungen wie Bitcoin und Ethereum vertraut zu machen. Alternative, kleine Krypto-Projekte sind oft intransparent und haben ein diffiziles Geschäftsmodell. Für eine saubere Due-Diligence braucht es hier oft ein tiefes Verständnis der Technologien und des Markts.

Vielen Dank für das Gespräch!

TRT Deutsch