Ein Bild von der Wiener Künstlerin Asma Aiad mit einer blonden Perücke. (Asma Aiad)
Folgen

Eine positive Bilanz über das Dialogprojekt „Muslim*Contemporary“, das vom 8. bis zum 12. November in der Wiener Akademie der bildenden Künste zu sehen war, ziehen dessen Organisatoren. Ein besonders stark beachteter Teil des Projekts war dabei die Ausstellung „Das ist kein Kopftuch“ der österreichischen Künstlerin Asma Aiad.

Aiad, die sich bereits seit Jahren mit ihrer Kunst gegen antimuslimischen Rassismus
engagiert, greift in ihren Bildern mit ironischen Stilmitteln die auch in ihrer
Heimat vorherrschenden Stereotype gegen Hidschab tragende Musliminnen an.

Ein Bild von Asma Aiad mit Zeitungspapier um den Kopf. (DPA)

Poststrukturalistische Kritik an Kopftuch-Narrativen

Inspiriert vom Werk „Der Verrat der Bilder“ des belgischen Surrealisten René Magritte präsentiert Aiad Aufnahmen von Frauen, die Gegenstände wie eine Zeitung, ein Nudelsieb oder eine Perücke auf ihrem Kopf tragen – in einer Weise, die zumindest auf den ersten Blick an ein Kopftuch erinnert.

Magrittes Originalbild zeigt die Abbildung einer Pfeife, unter welcher sich der Schriftzug „Das ist keine Pfeife“ befindet – was bei präziser Betrachtung eine zutreffende Analyse darstellt, weil es sich lediglich um ein Gemälde handelt, das eine Pfeife abbildet. Der Philosoph und Begründer des Poststrukturalismus, Michel Foucault, sieht in diesem scheinbaren Paradoxon einen Anstoß zur Reflexion über die Realität eines Gegenstandes an sich.

„Ich habe Fotos von Frauen gemacht, die etwas auf dem Kopf tragen, das wie ein Kopftuch aussieht, aber in Wirklichkeit kein Kopftuch ist“, erklärt Aiad in einem Gespräch mit TRT World. „Wenn man es sieht, denkt man, dass es kein Kopftuch ist, aber wenn man das Tragen eines Kopftuches in Österreich verbietet, können wir vielleicht mit solchen Dingen herumlaufen. Wäre es dann immer noch verboten? Oder wäre es in Ordnung?“

Die vermeintliche „Unterdrückung“, die in Teilen der Mehrheitsgesellschaft in das Tragen des Kopftuchs interpretiert werde, sei nicht das, was muslimische Frauen damit verbinden, macht die Künstlerin deutlich: „Für sie ist es etwas Wichtiges.“

Rassistisches Gaslighting trägt zu Übergriffen bei

Dass in Politik und Medien stattdessen primär einseitiges, rassistisches Gaslighting hinsichtlich des Kopftuchs verbreitet werde, trage zudem zu Übergriffen und Hassverbrechen gegen Muslime bei – wie im vergangenen September, als Baraa Bolat, eine Hijabi-Digitaldesignerin, in einem Bus verbal belästigt und bespuckt wurde.

Das von der türkis-blauen Bundesregierung 2019 erstmals beschlossene, von türkis-grün verschärfte und vom Verfassungsgerichtshof im November 2020 als verfassungswidrig aufgehobene Gesetz, mit dem das Tragen des Kopftuchs in der Schule weitgehend verboten wurde, war nicht das einzige Thema, mit dem Aiad sich im Rahmen des Projekts befasst hatte.

Eine weitere Kunstinstallation von Aiad in der Ausstellung zeigt die verwüstete Wohnung der Familie eines von 70 Muslimen, die im Zuge der sogenannten Operation Luxor von Polizeirazzien betroffen waren. Mit dieser Aktion, die im November des Vorjahres eine Woche nach dem Terroranschlag eines Daesh-Sympsathisanten angeordnet wurde, sollte der von der Regierung so bezeichnete „politische Islam“ getroffen werden.

Menschenrechtsgruppe: Operation Luxor „rechtswidrig und ideologisch motiviert“

Tatsächlich richteten sich die gegen 5 Uhr morgens koordiniert durchgeführte Großrazzia gegen Geistliche, Wissenschaftler, Akademiker und deren Familien, wobei häufig Kinder, die das Vorgehen der Beamten miterlebt hatten, schwer traumatisiert wurden.

Eine Vielzahl an Hausdurchsuchungen im Zuge der „Operation Luxor“ wurde später von Gerichten als rechtswidrig bewertet. Bis heute wurde keine Anklage erhoben.

Die Operation Luxor habe das Vertrauen der muslimischen Community in die österreichische Polizeiarbeit nachhaltig erschüttert, erläutert Aiad. Während der Verhöre wurden den Muslimen Fragen gestellt wie jene, ob sie fünfmal am Tag beten – und eine bejahende Antwort würde als Indiz dafür gesehen, dass es sich um einen „radikalen Muslim“ handele. Muslime würden seit dieser Razzia in der Angst leben, von der Polizei ins Visier genommen zu werden.

Auch die in Großbritannien ansässige Menschenrechtsgruppe CAGE hat in Zusammenarbeit mit ACT-P (Assisting Children Traumatised by Police) einen Bericht veröffentlicht, in dem die Operation Luxor als „rechtswidrig und ideologisch motiviert“ eingeordnet wurde.

TRT Deutsch