Linken-Abgeordnete beklagt übergriffiges Verhalten in der Fraktion
Die Sexismus-Vorwürfe in der Linkspartei ziehen weitere Kreise. Der Bundestagsabgeordneten Renner zufolge herrscht in der Fraktion „ein Grundklima, das auch übergriffiges Verhalten beflügelt“.
Archivbild: Bundestag (DPA)

Nach den Sexismus-Vorwürfen in der Linken hat eine Bundestagsabgeordnete auch Probleme innerhalb der Fraktion beklagt. „Es herrscht ein Grundklima, das auch übergriffiges Verhalten beflügelt. Es gibt Männer in der Fraktion, die sich alles herausnehmen und dafür bisher nie sanktioniert wurden“, sagte die Parlamentarierin Martina Renner dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). „Seitdem ich im Bundestag bin, kenne ich Fälle von männlichen Abgeordneten, die Kolleginnen gegenüber übergriffig geworden sind.“
In der Fraktion finde außerdem keine Reflexion über Hierarchien und patriarchale Strukturen statt, sagte Renner, die dem Parlament seit 2013 angehört. „Gerade wir als Linke haben eigentlich einen anderen Anspruch an uns selbst als feministische Partei.“
Die Fraktionsvorsitzenden Amira Mohamed Ali und Dietmar Bartsch sowie der Parlamentarische Geschäftsführer Jan Korte teilten auf RND-Anfrage mit, Vorwürfe sexistischen und sexuell übergriffigen Verhaltens, die sich gegen Abgeordnete der Fraktion richten, seien ihnen bisher nicht bekannt gewesen. „Wir sehen in unserer Fraktion keinen strukturellen Sexismus“, erklärten sie. Der RND zitierte in dem Bericht weitere weibliche Abgeordnete mit Beschuldigungen, die jedoch nicht namentlich genannt wurden.
Die Partei war durch ähnliche Sexismus-Vorwürfe, die unter anderem aus dem Landesverband Hessen geäußert worden waren, in den vergangenen Wochen stark unter Druck geraten. Die Co-Vorsitzende Susanne Hennig-Wellsow trat unter anderem deswegen von ihrem Amt zurück. Die zweite Co-Vorsitzende Janine Wissler will die Partei, die bei der Bundestagswahl im September nur 4,9 Prozent der Stimmen erzielt hatte, zunächst allein führen. Sie kündigte eine umfassende Aufklärung des Sexismus-Verdachts an und wies gleichzeitig Vorwürfe der Vertuschung zurück.

DPA