Tokio 2020 - Verschiebung der Olympischen Spiele in Debatte

Kanada will wegen der Corona-Pandemie keine Sportler zu den Olympischen Sommerspielen sowie den Paralympischen Spielen in Tokio entsenden, wenn diese wie bislang geplant im Sommer stattfinden. „Nichts ist wichtiger als die Gesundheit und Sicherheit unser Athleten und der Weltgemeinschaft“, begründeten das kanadische Olympische Komitee und das kanadische Paralympische Komitee am Sonntag in einer gemeinsamem Erklärung ihren Beschluss. Die kanadische Entscheidung erhöht den Druck auf das Internationale Olympische Komitee (IOC), die für den Zeitraum vom 24. Juli bis 9. August geplanten Olympischen Sommerspiele zu verlegen. Das IOC hatte zuvor am Sonntag angekündigt, innerhalb von vier Wochen über eine mögliche Verschiebung der Spiele zu entscheiden. Eine vollständige Absage des Großereignisses schloss IOC-Präsident Thomas Bach in einem Brief an die Sportler jedoch aus. Das australische Olympische Komitee erklärte seinerseits jedoch bereits, es sei „klar“, dass die Spiele nicht im Juli beginnen könnten. Der australische Komitee-Chef Matt Carroll betonte, für die Athleten müsse die Priorität auf ihrer Gesundheit und der ihrer Familien liegen. Der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe räumte unterdessen erstmals öffentlich ein, dass eine Verschiebung der Spiele denkbar sei. Abe sagte bei einem Treffen mit japanischen Parlamentariern, er bekenne sich zwar nach wie vor zur Veranstaltung „vollständiger“ Sommerspiele. Doch zum Schutz der Gesundheit der Athleten „könnte es unvermeidbar werden, dass wir eine Entscheidung zur Verschiebung treffen“. Ebenso wie Bach schloss Abe eine vollständige Absage der Spiele jedoch aus - dies sei „keine Option“, sage der japanische Regierungschef. Die Entscheidung über die Spiele liegt beim IOC. Der Druck auf die Organisation war zuletzt gewachsen: Bereits mehrere wichtige nationale Verbände, darunter auch der mächtige US-Leichtathletikverband, forderten eine Verschiebung. Zahlreiche andere sportliche Großereignisse wie die für Juni/Juli geplante Fußball-Europameisterschaft wurden wegen der Corona-Krise bereits verschoben.

Eine Verschiebung der Olympischen und Paralympischen Spiele würde das Gastgeberland Japan nach Meinung verschiedener Experten bis zu 5,7 Milliarden Euro (670 Milliarden Yen) kosten. Der Chefökonomen des Finanzunternehmens SMBC Nikko Securities, Junichi Makino, hat diesen Milliarden-Betrag errechnet. Mit rund 640,8 Milliarden Yen schätzt der emeritierte Wirtschaftswissenschaftler Katsuhiro Miyamoto von der Universität Kansai die Kosten nach Angaben seiner Hochschule vom Montag nur unwesentlich geringer ein. Zwar wird eine Komplett-Absage vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) und Japans Ministerpräsident Shinzo Abe derzeit nicht in Erwägung gezogen, trotzdem gibt es in Japan Schätzungen zu den Kosten: Makinio hat 7,8 Billionen Yen errechnet, Miyamoto 4,5 Billionen. Die Organisatoren in Tokio hatten am Montag bei einer Pressekonferenz die Bereitschaft signalisiert, die Spiele auf einen späteren Zeitpunkt zu verlegen. Auch Ministerpräsident Abe hatte eingeräumt, dass die Sportveranstaltung wohl nicht wie geplant stattfinden könne. Zuvor hatte bereits am Sonntag das IOC eine Verschiebung in den Raum gestellt. Die Olympischen Spiele sollen planmäßig vom 24. Juli bis 9. August in der japanischen Hauptstadt stattfinden. Die Paralympischen Spiele sind für den Zeitraum vom 25. August bis zum 6. September geplant.

AFP