27. Juli 2021: Der französische Präsident Macron während seiner Rede in Papeete. (AFP)

Bei seinem Besuch in Französisch-Polynesien hat Frankreichs Präsident Emmanuel Macron eine „Schuld“ seines Landes bezüglich der Atomwaffenversuche eingestanden, die über Jahrzehnte hinweg dort stattgefunden hatten. Eine offizielle Entschuldigung blieb jedoch während seiner Rede am Dienstag in dem französischen Überseegebiet aus. Opfervertreter beklagten daraufhin „Demagogie“ aufseiten des Präsidenten.

„Hätten die Tests nicht in der Bretagne gemacht“

Zwischen 1966 und 1996 hatte Frankreich insgesamt 193 Atomwaffentests in Französisch-Polynesien durchgeführt. Für die dortigen Menschen hatten die französischen Kernwaffentests verheerende Folgen: Es wird davon ausgegangen, dass diese für zahlreiche Krebserkrankungen in der Region verantwortlich waren. Die Gesundheit von über 100.000 Menschen im Südpazifik wurde laut Experten durch die Probeläufe beeinträchtigt. Einige mussten wegen der Tests auch Zwangsumsiedlungen hinnehmen.

„Die Nation hat eine Schuld gegenüber Französisch-Polynesien“, betonte Macron bei seiner Rede in der Hauptstadt Papetee. „Die Schuld besteht in der Tatsache, dass wir diese Tests durchgeführt haben“. Dabei erkannte der Präsident auch an, dass für diese bewusst entfernte Orte gewählt worden waren. „Wir hätten diese Versuche nicht in der Creuse oder in der Bretagne gemacht“.

Opferverbände: Versuche waren „Form der Kolonisierung“

Den Betroffenen versicherte Macron Aufklärung. Er wolle „Wahrheit und Transparenz“. Er kündigte an, dass die entsprechenden Archive für Forscher geöffnet werden sollen.

Doch Opferverbände zeigten sich sichtlich enttäuscht nach der Rede des Präsidenten. „Die Lügen des Staates gehen weiter“, beklagte die Organisation „193“, die die Opfer der französischen Atomtests vertritt. Insbesondere das Vermeiden einer offiziellen Entschuldigung durch den Präsidenten, wofür bereits vor Macrons Ankunft Demonstrationen durchgeführt worden waren, sorgte für Unmut und Enttäuschung. Der Vorsitzende der Vereinigung „193“, Pater Auguste Uebe-Carlson, forderte die Einstufung der Kernwaffentests als „kriminell und eine Form der Kolonisierung“.

TRT Deutsch