Zu sehen ist eine Szene aus dem Kurzfilm „Nineteen Eighty-Fortnite" des beliebten Videospiel-Herstellers Epic Games. (Reuters)

Die Spieleentwickler-Firma Epic Games reicht eine Klage gegen Apple und Google ein. Als Grund nennt sie die Verbannung des Spiels „Fortnite“ aus den Stores von Apple und Google. Epic Games führte auf Apples Mobilgeräten sowie auf Geräten mit dem Google-Betriebssystem Android die Möglichkeit ein, Inhalte in Umgehung der In-App-Käufe zu erwerben. Damit fallen die zusätzlichen Store-Gebühren in Höhe von bis zu 30 Prozent des Kaufpreises weg. Mit dem Schritt forderte Epic Games die zwei Plattformbetreiber heraus.

Die Reaktion von Apple und Google kam prompt: „Fortnite“ verschwand erst aus dem App-Store für Apples Mobilgeräte und wenige Stunden später auch aus Googles Play Store. Doch Epic Games war vorbereitet und reichte umgehend noch am selben Tag eine 60-seitige Klage gegen Apple ein und nur wenig später gegen Google.

Streitthema: Hohe Provisionen

Bei dem Streit geht es im Kern um die bis zu dreißigprozentige Provision, die Apple und Google bei In-App-Käufen verlangen. Schon seit einiger Zeit gibt es Kritik an der Höhe der Abgabe – und im Fall von Apple auch daran, dass die Entwickler bei In-App-Käufen keine alternativen Bezahlwege anbieten können. Epic Games betreibt auf Computern einen eigenen Store und verlangt dabei lediglich 12 Prozent des Umsatzes als Provision.

Epic Games wird mit dem Vorstoß nun aber zum Wortführer einer regelrechten Rebellion gegen das Duopol. Die Firma ließ ihre mobilen Nutzer wissen, dass selbst wenn sie schon die App auf ihren Geräten haben, neue Inhalte der nächsten Season von „Fortnite“ ihnen verwehrt bleiben werden. Zudem rief Epic Games die Kunden auf, sich mit dem Hashtag #FreeFortnite zu beschweren. Fortnite wird nach Angaben von Epic Games von mehr als 350 Millionen Spielern genutzt.

Die Aktion trifft zwar Apple und Google zugleich, richtet sich aber stärker gegen Apple. Android-Nutzern ist es nämlich gestattet, Apps aus anderen Quellen zu installieren. Damit ist das Installieren der App-Stores von Drittanbietern möglich.

Im Vorfeld vorbereitete Provokation

Der Spieleschmied Epic Games war offensichtlich gut gegen den Store-Bann vorbereitet. Die Firma hatte nicht nur schnell eine gut 60-seitige Klage parat, sondern auch ein Video, das einen legendären Werbeclip des Apple-Konzerns parodierte.

In „1984” hatte Apple in Anlehnung an George Orwells gleichnamiges Buch das Aufbegehren gegen eine totalitäre Welt dargestellt. Der 1984 gezeigte Clip sollte den Eintritt von Apple in den von IBM dominierten PC-Markt einleiten. Epic Games hat das Video als Computeranimation nachgestellt – die Rolle des Diktators spielt eine Figur mit einem Kopf in Form eines Apple-Logos.

Kritik auch von anderen Entwicklern

Epic Games steht mit seiner Kritik gegen Apple und Google nicht allein da. Der Musikdienst Spotify reichte aus demselben Grund Beschwerde bei den Wettbewerbshütern der EU-Kommission ein und stellte den Vertrieb von Abos über Apples Plattform komplett ein. Amazon etwa bietet mit derselben Begründung keine Bücher mehr zum Kauf an.

Einige Abo-Dienste wie Netflix umgehen ebenfalls die Store-Abschläge, indem sie Verträge mit Nutzern auf ihren eigenen Websites abschließen. Bisher wagte es Apple nicht, gegen den Streaming-Giganten Netflix wegen dieser Praxis vorzugehen. Abzuwarten ist, ob der Aufstand des Spieleentwicklers ein Alleingang bleibt oder ob sich weitere Software-Größen der Rebellion anschließen.

TRT Deutsch und Agenturen